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Texte zu denen eigentlich eine Gitarre gehört #2


Erstarrte Worte, Gefechte
Immer das gleiche Spiel
Katze in Schwarz, Maus in Schwarz
Alles ausreizen, was noch geht
Und hoch das Gefieder, Kreischen
Wenns dann doch auf die Finger gibt

Sie üben für den Krieg
Es ist so lächerlich
Sie üben für den Krieg
Ist es so lächerlich?

Bellende Menschen beißen
Doch Gehör verhilft zu sehen
In Blindheit jedoch ätzende Schwaden
Schläge, Tritte, Wasser, Feuer, Steine
Alles was die Straße so hergibt

Am Abend holen sie die Gitter ein,
Aufräumen nach dem großen Spiel
Blut geleckt, der Kick und große Sorgen
Und ewig der Zirkus weiterzieht

Texte zu denen eigentlich eine Gitarre gehört #1

Ich baue mir ein Boot
Das nicht schwimmen kann
Geh den Dingen auf den Grund
Und verbleibe dort sehr lang

Hier unten im Dunkeln
Kann ich besser sehen
Voll von Lust am Leben
Will ich schnell alles verstehen

Ich stell all die Fragen
Doch als Antwort nur Luftblasen
Und allmählich fang ich mit dem Zweifeln an

Das kappen all der Seile
War es das wert?
Keine Aussicht auf Rückweg
Gefangen im tiefsten Meer

Keine Gedanken ohne Zusammenhang
Kann niemand dich sehen
Es ist nichts wenn du nichts sagst
Doch in Sprache lässt sich wenigstens
Etwas
Verstehen

Roter Planet

Nachts führt der Weg mich ins Weite Feld
Ich leg den Kopf zurück
Und blicke gen Himmel
Ich sehe Leere und Licht
Und fühle Zuversicht

In der Flucht nach vorn
Hinterlasse ich all das Leid
Eure Kämpfe bringen nichts
Ihr seid doch nur ganz klein
Nur zu Besuch auf dieser einen Erde
Und ihr werdet gemeinsam auf ihr Sterben

Genug

Ich verschwinde im All
und komme nie wieder zurück
Reise meine letzte Reise
In ihr find ich mein Glück

Der Weg führt mich in den roten Sand
Ich leg den Kopf zurück
und blicke gen Himmel
Ich sehe die Erde
Und grüße Euch

Faules Fleisch

Du musst deinen Körper nicht zerstören,
Du bist ja schon groß. Das kann er schon von selbst.
Entzündetes Fleisch, zerfressende Haut
Aus dem nichts ein Stechen, ein Ziehen
Entzieht dir die Bewegung
Verletzt was antreibt

Ein paar Schnitte, bis etwas fehlt
Und was weiß war färbt sich rot
Die Heilung in Fesseln
Dauert
Bis zur Entlassung
Bis zum nächsten mal

Küche


Nach Stunden um Stunden
Losreißen vom Bildschirm
Licht aus
Sitzen
Nichts tun?
Blicken
Ein Leuchten

Zeil

Es ist Samstag, ein ganz normaler Samstag. Frankfurt am Main, 1. November 2014. Ein Blick aus dem Fenster der kleinen Bahnhofsviertelwohnung zeigt das grau. Tatsächlich, schon November. Mein Mitbewohner hat von einer Kleiderspendenaktion für flüchtige Jesiden im Nordirak mitbekommen. Omid Nouripour ist da beteiligt, zusammen mit wem von der Linkspartei und der örtlichen jesidischen Gemeinde. Kann man machen. Warme Kleidung brauchen die. Mist, dabei ist mein Schrank doch im Wesentlichen mit überflüssigen T-Shirts und Sommerhosen gefüllt. Dennoch ein paar Dinge zusammengesucht und dann gehen wir los. Die Wolken hängen tief. Die Spitzen der Bankentürme verschwinden im grau, es scheint als könnten sie endlos in den Himmel ragen. Tun sie aber nicht. Sie stehen schließlich nur dort um den Schein zu wahren, um vorzutäuschen, es gäbe für sie eine Berechtigung. Hinter den Schluchten aus Stahl, Glas und Beton beginnt dann die glitzernde Welt des Konsums. Der wichtigsten Funktion, für die die Menschen ihre Innenstädte hergegeben haben. Haben sie gut gemacht, die Leute in den Türmen.

Es ist voll. Samstage müssen schließlich genutzt und genossen werden und „Shoppen“ ist ja ein Hobby. Auf dem Platz bei der Hauptwache hat sich die Piratenpartei eingefunden. Sie haben eine große schicke schwarze Bühne aufgebaut und halten scheinbar gerade eine Abschlusskundgebung, es geht um Daten und so. Außer den Piraten, erkennbar an den vielen orangenen Fahnen und dem sonstig üblichen Dresscode (so Nerd halt) interessiert das aber nicht viele. Wenn man sich nämlich den Schrank mit möglichst vielen schicken Primarkklamotten zu einem möglichst geringen Preis vollhängen will, muss man schließlich Prioritäten setzen. Und da stören diese Leute mit ihrer Anprangerung von diesem Spionagekram einfach.

Wer gut ist im Abschirmen, kriegt das einfach gar nicht mit. Es ist ein Teil der täglichen Routine auf der Zeil, der Haupteinkaufsstraße Frankfurts, die hier ihren Anfang nimmt. Menschen fahren regelmäßig dorthin um ihr Geld gegen Produkte von H&M, Saturn, Douglas, Hollister, dem bereits genannten Primark und vereinzelt noch beim daneben gelegenem Karstadt auszugeben. Dazu noch ein Stück Pizza Hut, Oder was von Dunkin‘ Donuts und das Glück im Kapitalismus ist perfekt.

Doch da ist immer etwas, was diese Utopie trübt, ein Stachel, der in ihr sitzt und diesen sonst so sterilen und funktionalen Ort, der von der einheitlichen Planung großer Konzerne geprägt ist, ein wenig Leben einhaucht. Es sind die Leute, die um Aufmerksamkeit buhlen. Die, die versuchen die vorbeiströmenden Menschenmassen aus ihrem Laufrad zu befreien und sie auf ihre eigenen Anliegen aufmerksam zu machen. Mögen diese auch noch so unterschiedlich sein. Die Piratenpartei ist bei dem, was auf den nächsten Metern folgt, dabei noch quasi Establishment.

Da sind die Bettler, die egal bei welchem Wetter ihre amputierten Gliedmaßen zur Schau stellen. Ein fehlender Fuß als Kapital. Wenige Meter danach steht eine Gruppe Palästinenser. Sie haben einen kleinen Pavillon aufgebaut und verteilen Infomaterial darüber, das Israel scheiße sei. Ich will gar nicht wissen ob die jetzt pro Hamas, Fatah oder was auch immer sind, muss ich aber auch nicht: Denn 5 Meter weiter buhlen schon ein paar linke Ökoaktivisten um ihr Anliegen. Die Rettung des Hambacher Forsts vor dem rücksichtslosen Braunkohleabbau, Klimakatastrophe und so. Sagt mir ein Transparent. Aber auch ihnen hört kaum einer zu, sie haben ja auch nicht einmal ein Mikro. Bei dem ganzen Trubel muss die Rednerin laut schreien, um vielleicht doch irgendwie verstanden oder wenigstens wahrgenommen zu werden, jedenfalls lese ich diese Hoffnung aus ihrer Haltung. Ohne anzuhalten gehen wir weiter. Vorbei an einem älteren Straßenmusiker mit Didgeridoo. Da hält auch keiner mehr an. Da wissen die Passanten schon, dass da nicht so viel passiert.

Kurz danach biegen wir ab, raus aus dem Getümmel auf eine Hauptverkehrsstraße. Hier irgendwo muss es doch sein. Ah, da die Hausnummer acht. Ein Anlieferungstor im Haus der Stadtwerke. Viele gefüllte Plastiktüten, die Helfer haben scheinbar beim Sortieren alle Hände voll zu tun. Mein Mitbewohner drückt einem von ihnen unsere Tüte in die Hand und das wars. Nun liegt’s in ihrer Hand ob damit später tatsächlich wer was mit anfangen kann, ob irgendein Junge im Irak später mein altes Sweatshirt trägt. Oder auch nicht.

Es geht zurück. Die Wege von meinen Mitbewohner und mir trennen sich, er geht noch woanders hin. Ich nehme den Rückweg wieder über die Zeil, mal gucken ob sich was verändert hat. Beim Didgeridoospieler tut sich immer noch nicht viel. Die vom Hambacher Forst haben schon wieder zusammengepackt und reden nur miteinander. Dafür hat sich hundert Meter weiter etwas neues aufgetan. Dreißig bis vierzig Polizisten stehen da bestens ausgerüstet (ich nenn‘ die ja unter Freunden immer Robocops) rum und haben nichts zu tun. Die Frage, die sich mir dann immer wenn ich sowas sehe stellt, ist die nach dem warum. Und nach dem ich meine Blicke ein bisschen zwischen dem Gewirr kreisen ließ bekam ich auch eine. Da stand eine kleine Gruppe Menschen, die gegen Islamismus demonstrierten, indem sie Schilder mit dem den entsprechenden Aussagen in die Höhe streckten. Ethnisch recht durchmischt. Vermutlich keine AfD/NPD Vollpfosten. Ein Schild rief die Frankfurter dazu auf sich anzuschließen und ein Zeichen gegen Islamismus zu setzen, damit die Kinder nicht zu Salafisten werden und nach Syrien ziehen und so. Ein anderes Schild hatte ein Problem mit Koranverteilungen und da lag wahrscheinlich dann auch der Grund für das Polizeiaufgebot. Denn 50 Meter weiter werden diese für gewöhnlich verteilt.

Heute allerdings nicht, heute ist hier Straßenmusik angesagt. Eine Drummerin um die 50 machte gerade Pause, ich hatte sie vor ein paar Wochen schon einmal spielen sehen und war schwer beeindruckt. Hinter ihr eine Litfaßsäule und dahinter beschallte nun gerade eine dieser Pan-Flötenbands das Publikum. Sie hatten eine eigene Anlage aufgebaut, aus dessen Boxen westliche elektronische Popbeats erklangen zu der die im Indianerstil gekleideten Musiker tanzten. Das prächtige bunte Gefieder, das sie zierte, dürfte dabei den die Smartphones zückenden Halbkreis mehr angezogen haben als die mit starken Hall unterlegten Panflötenmelodien, die in ihrer Gefälligkeit den Kulturcrash erst perfekt machten.

Direkt hinter den Reihen der amüsierten Einkäufer, liegen auf dem Boden ein paar frische Blumen, eine Kerze brennt. Ein kleines Bild. Darunter ein großer rötlicher Fleck auf dem Asphalt. Scheiße, davon hatte ich in der Zeitung gelesen. Vor ein paar Tagen erst stürzte sich jemand von der Dachterrasse des hier ansässigen Shoppingcenters „Zeilgalerie“ in den Tod. Ich bekomme augenblicklich ein beklemmendes Gefühl. Denke aber zuerst einmal technisch. Ich blicke nach oben, auf das Einkaufszentrum. Das sind gut dreißig Meter, und wenn er hier gelandet ist, muss er mit Anlauf gesprungen sein. In der Zeitung stand was von, kein Fremdverschulden und das die Person seine Absichten laut äußerte bevor er sprang. So berichteten es zumindest die anderen Gäste der Dachterasse. Ich blicke wieder auf die Leute um mich rum. Zwei Frauen sind zeitgleich mit mir an die Stelle herangetreten, um zu erfahren, worum es hier geht. Doch gleichzeitig gehen Hunderte von Menschen hier einfach vorbei oder kehren ihr den Rücken. Als es passierte, ließ die Polizei Sichtschutz aufbauen. Der Shoppingbetrieb ging weiter. Ein paar Blumen, eine Kerze, ein Bild und ein Fleck, sind nach ein paar Tagen das einzige was erinnert. Ich lasse mich von der Ignoranz der Masse anziehen und reiße mich nach wenigen Sekunden wieder von diesem Ort los. Auch ich will nicht erfahren, wer er war und warum er dies getan hat, ich bin viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt, wie scheinbar jeder hier. Diese Gesellschaft ist krank.

Ich bin inzwischen wieder an der Hauptwache angelangt. Auf der Bühne der Piratenpartei covert eine Band Nirvana. Der Song endet und ein Mann von der Demo-Orga, wie er sich ankündigt, tritt ans Mikro. Er verkündet, dass leider die Band nun Schluss machen müsse mit spielen, da zeitgleich in der nebenan liegenden Kirche eine Probe für irgendwas stattfinden würde und die sich gestört fühlen. Man habe diskutiert aber es habe nicht geholfen. Danach tritt der Sänger der Band wieder ans Mikro und sagte etwas wie „ihr habt’s gehört, wir müssen jetzt leider aufhören, aber wenn’s euch gefallen hat, wir haben noch Aufkleber dabei.“

Ich verlasse die Einkaufsstraße und gehe wieder durch die Hochhausschluchten zurück in Richtung meiner Wohnung. Auf Höhe einer kleinen Parkanlage höre ich von weiten etwas, was nach Demo klingt. Ein Blick in Richtung des Platzes vor der Europäischen Zentralbank zeigt, da sind viele Menschen mit vielen Fahnen. Dürfte wieder eine dieser Demos, die von irgendeiner Volksgruppe organisiert ist, sein, wie sie in Frankfurt regelmäßig stattfinden. Meine Neugier ist geweckt, ich will wissen wer da für oder gegen was demonstriert und laufe in Richtung der Demo. Direkt vor der großen beleuchteten Skulptur eines Eurozeichens, das spätestens seit der Finanzkrise in jeder Nachrichtensendung, mindestens einmal eingeblendet wird, halte ich an und bin beeindruckt. Das ist ein langer Demozug. Es sind Kurden und es geht um Kobane. Viele PKK Anhänger, so deute ich die Fahnen. Nur bin ich mir nicht ganz sicher, ich bin nicht so wirklich in der Thematik drin. Ein paar Schilder, die die Aufhebung des PKK-Verbots fordern, bestätigen meine Vermutung. Der Demozug ist wirklich lang. Ich stehe einige Minuten an Ort und Stelle und schaue mir die Leute an, da sind alle da, alt oder jung, Frau oder Mann. Es erklingt ein hoch auf die Internationale Solidarität. Die Stimmung ist ernst, aber keinesfalls aggressiv, die Leute sind nun mal nicht zum Spaß hier und haben eine Botschaft. Um mich herum fotografieren sich weiterhin Touristen vor dem Eurozeichen. Als ob da gar keine Demo mit mehreren Tausend Menschen hinter ihnen wäre. Wie schaffen die das nur? Ich kriege einen Flyer in die Hand gedrückt und werde von anderen Passanten gefragt, wer denn da gerade demonstriert. Am Ende des Demozugs an dem fast nur Kurden teilnehmen ein paar aus der Linkspartei, welche von der MLPD empören sich mit Mikrofon und dahinter, mit etwas Abstand die örtlich Gemeinde der Alewiten. Interessant.

Während sie vorbeiziehen denke ich mir: Ich habe doch nur einen kleinen Spaziergang gemacht, ich habe kaum angehalten und trotzdem bin ich beeindruckt davon was für eine gewaltige Menge an den Problemen, die es auf der Erde gibt, mir auf diesen paar Metern, innerhalb weniger Minuten vor Augen geführt wurden. Diese Welt ist klein. Wir haben nur diese eine und gleichzeitig sind die Menschen wahre Meister darin die Dinge die um sie herum passieren einfach auszublenden und weiterhin den für sie am bequemsten Weg zu gehen. In diesem Fall den mit den gut gefüllten Einkaufstüten in der Hand.

Kurzgeschichte zwischen Dortmund und Frankfurt

Kastanienbaum und Haselnussstrauch

Er reiste schon ein paar Tage, als ihm da am Wegesrand im Gras unter einem Kastanienbaum ein alter Plüschtierhase auffiel. Er war sehr zottelig, bleich und ganz nass, denn es hatte an diesem Herbstmorgen schon geregnet. Die Luft war dementsprechend feucht und frisch. Der Reisende schaute den Plüschtierhasen an und fragte ganz für sich: „Wer hat dich denn bloß hier vergessen?“.
Da antwortete der Plüschtierhase mit mürrischer Stimme:
„Mich hat niemand vergessen! Ich bin hier weil ich hier sein will!“.
Sichtlich verdutzt durch die unerwartete Antwort brauchte der Reisende ein paar Momente um seine Gedanken in Worte zu fassen:
„Ach so dann bist du also auch ein Reisender?“
„Also wirklich! Niemals! Reisende, wie ich diese Leute nicht ausstehen kann! Tag ein, Tag aus ziehen sie vorüber. Wenn ich sie anspreche passiert immer dasselbe: entweder sie rennen weg oder sie wollen wissen warum ich sprechen kann. Die wollen mich dann immer mitnehmen auf ihre Reisen, wollen garantiert nur damit prahlen mich zu besitzen. Ich werde dann immer mürrisch. Das kann ich gut. Bis jetzt ist noch jeder ohne mich weitergezogen, weil diese jungen Weltentdecker mein mürrischsein nicht aushalten konnten. Das find’ ich gut. Ich bin gerne hier!“
Da fiel dem Reisenden auf, dass sich unter dem Plüschtierhasen ein wenig Wasser gesammelt hat. Der Boden um ihn herum war ganz matschig.
„Warum liegst du da so halb im Matsch herum, ist das nicht ungemütlich?“
„Ach das macht nichts, das ist immer so wenn es regnet. Diese Gemütlichkeit wird überbewertet.“
„Aber warum hoppelst du dann nicht ein paar Meter weiter unter den Haselnussstrauch? Da ist es doch trocken.“
„Pah!“, viel der Plüschtierhase dem Reisenden ins Wort, „Haselnussstrauch! Das ist es was ich bei den Reisenden hasse. Immer wollen sie alles verbessern. Dabei sollte man doch mit dem zufrieden sein was man hat. Ich muss gestehen ich mecker zwar hin und wieder mal gerne, aber ich bin auch gerne hier. Auch wenn mir hier und da mal eine Kastanie auf dem Kopf fällt, basta!“
Der Reisende widersprach: „Ich glaub es wäre wirklich schlauer wenn du woanders hinhoppelst. Kastanien tun ganz schön weh!“
„Nein!“ rief das Plüschtier erbost.
Da machte es bei dem Reisenden Klick im Kopf und er fragte: „kann es sein, das du gar nicht hoppeln kannst?“
Nun wurde der Plüschtierhase so richtig wütend: „wie unverschämt! Du hast wohl den Unterschied zwischen könne und wollen nicht verstanden! Wenn ich könnte würde ich dir jetzt die Ohren lang ziehen! Sowas ungezogenes…“
„Hab ich das gerade richtig gehört? „Wenn ich könnte?“ Da hab ich dich! Du kannst gar nicht hoppeln und versuchst nur dir die Situation schönzureden!“
Da schwieg der Plüschtierhase
„Hey, jetzt Rede doch mit mir! Wie bist du überhaupt dann hierher gekommen?“
Wieder schwieg der Plüschtierhase.
„Ich bleib hier jetzt hier bis du mir eine Antwort gibst“ sagte der Reisende. Er holte sich eine Thermoskanne aus seinem großem Rucksack. Setzte sich auf einen großen Stein und trank einen Schluck Tee. Die Zeit verging, es wurde Mittag und Nachmittag. Immer wieder kamen andere Reisende auf dem Weg in die nächste Stadt vorbei und grüßten den wartenden Reisenden, der sich mit dem Verzehr seines Reiseproviants die Zeit vertrieb. Äpfel, Birnen, Brote und sogar die Bonbons, die der Reisende am Tag zuvor von einer netten alten Dame zwei Ortschaften weiter geschenkt bekommen hatte, verschwanden im Bauch des Reisenden. Es wurde Abend. Der Himmel hatte sich aufgeklart und am Ende des blauen Dachs verschwand langsam die wärmende Sonne hinterm Horizont. Es lag eine angenehme Ruhe über der Landschaft und der Reisende konnte sie auch genießen. Bis sich irgendwann die vor lauter nichts tun ganz unausgelasteten Knochen meldeten und ihm wehtaten. Also fing der Wanderer an ein paar Knierbeugen zu machen und dabei laut zu zählen. Als er bei der dreiundneunzigsten Kniebeuge angekommenen war rief etwas laut:
„Stopp!“
Der Reisende drehte sich um und sah, dass es der Plüschtierhase gewesen war: „ Hör auf hier zu einen Lärm zu machen. Du störst noch meine wohlverdiente Abendruhe! Außerdem kann ich das jämmerliche Gehampel nicht mehr sehen!“
„Dann beantworte mir doch endlich meine Frage, warum du denn hier bist!“ entgegnete der Reisende.
„Wenn du dann versprichst, dass du dann auch wirklich Ruhe gibst und weiterziehst, dann ja.“
„Das verspreche ich dir, ganz bestimmt“ versprach der Reisende erfreut, „Schieß los!“

„Ich schieße nicht, Ich erzähle. Wie du heute früh schon richtig verstanden hast kann ich mich in der Tat nicht bewegen. Von daher auch nicht schießen auch wenn ich das angesichts solcher Reisender wie dir gerne könnte. Aber ich schweife ab. Also vor vielen Jahren wurde ich von einer Familie gekauft, die mich dann zum 4. Geburtstag ihrer kleinen Tochter geschenkt hat. Ein paar Jahre lang lebte ich in ihrem Zimmer. Sie hat viel mit mir gespielt und wir haben uns schön miteinander unterhalten. Es war schön dort. Doch irgendwann war sie dann so erwachsen, interessierte sich für andere Dinge und als es ihr peinlich wurde, mich und die anderen Kuscheltiere in ihrem Zimmer zu haben, verbannte sie uns auf den Dachboden. Dort war es nun leider nicht mehr ganz so schön aber immerhin schön ruhig. Man kann sich ja an alles gewöhnen. Hier wo ich jetzt bin ist es ja auch schön. Trotzdem hat es mich dann doch gefreut, als sie dann Jahre später wieder auf den Dachboden kam und behutsam nach mir Griff. Sie hatte gerade ihren Schulabschluss fertig gemacht und wollte genauso wie du heute auf Reisen gehen. Es hat sie wohl das schlechte Gewissen gepackt, das sie mich vernachlässigt hatte und sie wollte wohl auch etwas mitnehmen, was sie an ihr zuhause erinnerte. Jedenfalls kam es so dazu das ich mit auf ihre Reise kam.
Ich muss gestehen, den Beginn der Reise empfand ich damals als sehr schön. Sie trug mich auf den Schultern und ich konnte alles sehen. Wir zogen über Wiesen und Felder, entlang von kleinen klaren Bächen aus denen die jungen Fische hinaus aufs offene Meer schwammen und blickten von den Hügeln, die wir erklommen hatten auf die Landschaft hinab. Eines Tages erblickten wir dabei eine schillernde Stadt. Als wir die Stadt betraten waren wir begeistert von den prächtigen Häusern und verwunschenen Gassen. Doch am Abend fing für mich das Unheil an: Im Gasthaus traf sie eine Gruppe anderer Reisender und sie beschlossen gemeinsam weiterzuziehen.
Nun verschwand ich immer mehr im Rucksack und musste mir noch da zu hin und wieder blöde Kommentare über mich von ihren Mitreisenden anhören, wie albern das doch sei. In dem alter einen Plüschtierhasen mit auf Reisen zu haben. Sie verteidigte mich nur halbherzig und als sich die Wege zwischen den reisenden und ihr trennten, blieb ich im Rucksack. Sie sagte ich würde nur stören, weil sie andere Leute als komisch ansehen würden, wenn sie da mit Plüschtier auf dem Rücken durch die Lande zieht. Ich wurde ihr zunehmend egal und sie lernte hier und da neue Freunde kennen. Die, die ich gar nicht leiden konnte hab ich vertrieben in dem ich aus meinem Rucksack hinaus eklige Geräusche gemacht habe. Sie hat die Situationen nie aufgeklärt weil sie auch wenn der Versuch Sinnlos war um jeden Preis nicht auffallen wollte. Doch wenn wir alleine waren haben wir uns nur gestritten, es flogen böse Worte und es schwang viel Frust dabei mit. Es lag Abschied in der Luft. Irgendwann, es war ungefähr hier. Wir beschimpften uns gerade heftig, da wollte ich einfach nicht mehr. Ich bestand darauf mich zurückzulassen. Ich war satt von all diesen flüchtigen Reisebekanntschaften, die man zwar kannte aber niemanden so richtig. Letztendlich hat sich doch von diesen Leuten niemand für niemanden anders als sich selbst interessiert.
Nun hörte sie endlich einmal auf mich und ließ mich hier unter dieser Kastanie zurück. Zuerst freute ich mich. Doch ehrlich gesagt hat dieser Ort auch Nachteile und damit meine ich nicht den Regen und den Schlamm. Es sind die vielen vorbeiziehenden die hier so nerven, ja! Alle wollen sie nur irgendetwas anstatt mal zufrieden zu sein!“

Nach dieser langen Erzählung kehrte für einen Moment Ruhe ein. Der Reisende dachte darüber nach was der Plüschtierhase gesagt hatte. „ Ich glaube ich verstehe dich jetzt. Ich habe auch schon viele Freunde schon lange nicht mehr gesehen mit denen ich früher einmal ganz viel gemacht habe und die mir total wichtig waren. Manche Dinge ändern sich halt nun mal mit allem was wir tun und was wir nicht tun. Und gerade wenn wir was nicht tun ziehen die Leute auch nur an einem vorbei, aber das weißt du, der hier am Wegesrand liegt glaube ich viel besser als ich. Trotzdem erinnere ich mich gerne an diese Menschen und wünsche mir manchmal Abends vorm Schlafengehen die alten Zeiten zurück. Ich glaube das du das Mädchen mit dem du aufgewachsen bist vermisst…“
„Vermissen ist ein Großes Wort!“ unterbrach der Plüschtierhase den Reisenden. „Wie sollte ich jemanden vermissen können mit dem ich mich so viel gestritten habe! Wenn ich sie vermissen würde, dann hätte ich mich doch nicht von ihr losgestritten, purer Schwachsinn!“
„Gar kein Schwachsinn!“, entgegnete der Reisende. Manchmal braucht man etwas Abstand um zu merken was einem fehlt. Ich zum Beispiel vermisse gerade meinen Bruder mit dem ich mich früher auch nur gezankt habe! Wenn ich wieder zu Hause bin freue ich mich darauf endlich mal wieder gegen ihn Schach zu spielen, auch wenn ich immer verliere. Aber egal, ich glaub jedenfalls, das du sie vermisst und ihr euch bestimmt viel zu erzählen habt, wenn ihr euch wieder seht!“
„Ja, aber was soll dann bitteschön anders sein als früher? Ich lande doch eh wieder im Rucksack nach ein paar Wochen. Wenn nicht Schlimmeres!“
„Wenn du weiter so mürrisch bleibst, magst du vielleicht recht haben, aber Hey, es gibt auch noch andere Menschen! Die ganzen Reisenden hier, die sind zum einen nicht alle so blöd und fies wie du denkst, auch wenn du hier und da natürlich recht hast aber trotzdem haben sie eine Geschichte und die meisten ein großes Herz. Du musst nur mal danach Fragen anstatt sie immer nur zu verscheuchen!“
Der Plüschtierhase schwieg wieder und dachte nach. Er erinnerte sich an das was er im Kinderzimmer , auf dem Dachboden und hier am Wegesrand so erlebt hatte. Er sah sich um. Es ist schon ein schönes Plätzchen hier eigentlich, das Gras, die Aussicht, die vielen Tiere die keine dummen Fragen stellten… Aber dennoch spürte er auf einmal das es mal wieder Zeit war für einen Ortswechsel.
Der Reisende packte derweil seine Sachen. Stelle fest, das er beim aufessen seines Proviants sehr stark gekrümelt hatte, wusste aber nicht so recht ob er das jetzt weg machen musste oder nicht und entschied sich letztendlich dagegen. Er schnallte sich den Rucksack auf den Rücken, holte tief Luft und sagte: „Ich wandere jetzt weiter. Nachts ist es schön ruhig. Man kommt gut voran. Ich wünsche dir alles gut mein lieber Plüschtierhase!“
Er wartete kurz auf eine Antwort, doch sie kam nicht. Aber als der Reisende gerade auf dem Absatz kehrt machte um seinen weg alleine fortzusetzen hörte er hinter sich eine Stimme: „Ich komme mit.“

Texte die wohl nie vertont werden #1

eins

Warum der Leichtsinn zu glauben das die Welt still steht, nur weil du dich weiterdrehst. Warum der Trugschluss, dass sich ein Mensch mal ebenso verändern kann und warum so naiv zu glauben, das nur weil du dich beim Wiedersehen an etwas erinnert fühlst, immernoch der selbe Mensch vor dir steht.

Das Lächeln das du so liebst,
und die Worte, die du nicht verstehst
Ein paar Sätze über das was ihr teilt
Ein kleiner Roman über das was euch trennt.

Irgendwie entfremdet aber doch bekannt
Irgendwie vertraut doch genauso verbrannt

Und du stellst dir vor ihr würdet euch das erste mal sehen, ihr würdet euch verstehen, vielleicht trinken, vielleicht lachen, es würde eine lange Nacht werden. Und doch würdet ihr aneinander vorbeiziehen und euch an die Menschen erinnern, mit denen ihr damals so viel erlebt habt. An das lächeln und das was ihr teilt

Augen

Es kommt dir vor wie ein Wimpernschlag;

Gerade hast du noch Häuser im Sandkasten gebaut. Kurz nach dem Regen, dann wenn der Sand noch feucht und formbar ist, um deiner Fantasie einen Ort zu verleihen, den du dann widerwillig verlassen musstet, als deine Mutter dich zum Abendessen rief.

Es kommt dir vor wie ein Wimpernschlag;

Gerade hast du noch den erste Mensch mit dem du zusammen Musik gemacht hast, dein einmal besten Schulfreund auf dem Pausenhof in purer Verzweiflung mehr gepatscht als geschlagen, weil du die Sprüche über dich nicht mehr ertragen konntest.

Es kommt dir vor wie ein Wimpernschlag;

Gerade noch hast du den Punk für dich entdeckt, eine Musik die dagegen war, die ändern wollte und nichts akzeptieren. Eine Musik die keiner außer dir gehört hat und du hast dich deswegen unheimlich cool gefühlt.

Es kommt dir vor wie ein Wimpernschlag;

Gerade noch hast du die Freunde gefunden mit denen du deine ersten Wodka-Cola Erfahrungen auf einem Spielplatz gemacht hast. Um halb 10 waren alle betrunken, einer am Kotzen, ein anderer schmuste den Ghettoblaster und den nächsten hast du mit einem Freund nach Hause getragen, weil Paracetamol und Wodka in Kombination einfach schlecht für die Standfestigkeit sind.

Es kommt dir vor wie ein Wimpernschlag;

Gerade eben standest du das erste mal auf der Bühne und spieltest deine Musik. Dein ein paar Jahre währender Lebenstraum war erfüllt und jede einzelne Sekunde des Abends verging viel zu schnell.

Es kommt dir vor wie ein Wimpernschlag;

Gerade eben ist dir bewusst geworden wie viele Fehler man machen kann und wie schmerzhaft Liebe sein kann. Viel zu lang trauerst du der viel zu kurzen Zeit des pochenden Herzens, des Hochgefühls, des geben wollen’s hinterher und machst damit nur alles kaputt

Es kommt dir vor wie ein Wimpernschlag;

Und du hast den Ort verlassen in dem du groß geworden bist, die hockst in deiner Wohnung, kämpfst dich durch Verträge, versuchst Kontakte zu knüpfen bist aber mehr anonym und allein als jemals zuvor. Du bist nicht einsam. Du weißt das es irgendwie weitergehen muss, aber wie? Davon hast du keine Ahnung

Du machst die Augen zu…

Fragmente #5

acht

Die Erkenntnis ist jetzt völlig neu aber es fühlt sich einfach so gut an nach vorne zu blicken! Die Sicht ist zwar unscharf und du kannst nicht erkennen was dich erwartet aber es ist doch unheimlich schön zu wissen das es irgendwie weitergeht. Sicher fällst du noch hier und da mal hin und tust dir fürchterlich weh. aber das wird schon wieder.
Als würdest du dir das Knie aufschürfen. Das schmerzt und blutet dann für eine Weile aber irgendwann bildet sich eine Borke und alles geht der Genesung hingegen. Sogar wenn die Wunde hier und da nochmal aufplatzt, weil du dir andauernd das Knie verdrehst. Auch wenn immer eine kleine Narbe zurückbleibt hören die Schmerzen wieder auf und du kannst wieder weiterrennen in die nächste Falle treten und wieder weiterennen. Um dann in die nächste Falle treten und wieder weiterzurennen.
Du irrst Kopflos und Ziellos durch die Welt aber mit jedem Tag wirst du reicher an dam was wirklich zählt. Dann glaubst du alles zu kennen und im nächsten Moment sitzt ein Tiger vor dir und du merkst wieder wie klein du doch bist und was alles noch darauf wartet entdeckt zu werden. Du kannst so ein Arschloch sein und voller Liebe zugleich. Hättest du dir das vor ein paar Jahren zugetraut? Du lernst die Welt kennen, selbst indem du allein im Zimmer hockst und die Tage zählst. Auch die Schattenseiten gehören zur Welt. Aus dem Bunt und Grau ergibt sich mit der Zeit dein ganz und gar einzigartiges Bild und wenn du nur weiter nach vorn blickst wächst es mit jedem Tag.

Fragmente #4

sieben

In meinem Kopf spielen die größten Dramen, die tragischsten Komödien, der größte Horror und das höchste Glück

In meinem Kopf verliert die Realität den Boden, fliegt in Perfektion und kehrt erst am Abend wieder zurück.

Und sie ist so ernüchternd, so voller Tristesse und doch werd ich immer wieder überrannt und von ihr verletzt.

Die Wahrheit kann so wehtun und was dem Schmerz entflieht verfängt sich im Netz der Illusion

Wer zum Teufel braucht das schon?
Ich nicht, hätte gerne mehr Traumfabrik im Leben
Die Rechnung bitte

Es gibt keine optische Enttäuschung…

Kleider machen Leute, Immer wieder fällt mir auf das es doch stimmt. Quer durch alle Gesellschaftsschichten. Spätestens in der Grundschule fängt es an. Der oder die jenige hat diese gerade echt angesagte Markenklamotte an und wessen Eltern sich das nicht leisten können sind raus (1). Dieser Wettbewerb bleibt allerdings meist keine Phase in der jugendlichen Selbstfindung. Es ist ein Band das niemals abreist, bis ins hohe Alter, überall werden Anforderungen an Kleidung, Frisur und Auftreten gestellt. Medien predigen es schon ewig vor, die Verwandtschaft und Freunde sowieso und für den Fall das man sich von einem traditionellen Dresscode löst, wird gleich dieser sofort durch einen anderen ersetzt. Es passiert ganz von selbst. Ein Kampf um die Schönheit findet in und zwischen den Menschen statt. Es wird für mich unfassbar viel Energie verschwendet. Es geht darum am schönsten zu sein. Für die einen bedeutet das sich ein Dreiviertel Jahr vor dem Abschlussball einen exklusiven Frisörtermin geben zu lassen, und für die anderen ein Tattoo für mehrere hundert Euro. Wie etwas aussieht ist dabei doch eigentlich egal, genauso wie die Tatsache ob man lieber eine Harfe oder eine Trompete hören mag. Es ist einfach Geschmackssache. Wer halbwegs frei von Dogmen die Geräusche in seiner Umgebung wahrnehmen kann, weiß beides auf seine Weise zu schätzen.

Wenn das mit dem Aussehen nur wie bei dem Streit um den Klang eines Musikinstrumentes wäre…

Ist es aber oft nicht, durch Aussehen werden glasklare Hierarchien durchgesetzt, die in einigen Gesellschaften zu Zwangsmasnahmen führen können wie z.B. als Ende 2011 von der indonesischen Polizei in Aceh 60 Punks gezwungen wurden, sich die Haare ab zu rasieren und ihre Kleidung zu ersetzen(2). Nicht überall ist es so extrem, aber überall sind diese Deutungen Präsent. Menschen werden durch das Erscheinungsbild kategorisiert. Bei der Partnersuche ist Optik das Auswahlkriterium Nr. 1, beim Bewerbungsgespräch eine der Grundvoraussetzungen. Gruppierungen unterscheiden sich durch ihre Uniformierung und die Wertung wird immer deutlich. Dickere Menschen gelten als weniger attraktiv beim finden der Traumfrau oder des Traummannes etc.. Wer keinen Anzug als Azubi in der Bankfiliale tragen will kann gleich wieder gehen.
Der Erste Blick zählt…

Unterbewusst läuft es bei jeden Menschen ab, man macht sich ein schnelles Urteil vom gegenüber um diesen Einschätzen, Einordnen zu können. Eine Sache die das Leben für den Menschen leichter macht. Fangen Sie dann an ihre Gedanken auszusprechen wird die Wertung offensichtlich. Die eigene Meinung zum Aussehen wird allzu oft zur Maxime erklärt. Und wer aus diesem Raster fällt dem müsse dann geholfen werden. Zu seinem Besten versteht sich. Das wiederum erleb ich fast jeden Tag. Meine Klamotten sind alt, Meine Haare werden von Leuten geschnitten die kein Geld dafür verlangen und eine Rasur oder sonstige Bartgestaltung muss auch nicht immer sein, sondern erst wenn es für mich störend wird. Es ist mir einfach nicht Wert mich damit mehr zu beschäftigen als es für mein Wohlbefinden nötig ist. Es gibt Leute, die verstehen das nicht: mal sind die Haare zu lang, mal zu kurz, die Klamotten zu vergammelt, nicht vergammelt genug. Immer soll ich etwas daran ändern und zwar wie gesagt zu meinen eigenem besten . Dabei sind es doch die anderen die ein Problem damit haben!? Ich halte es für falsch jemanden in seine Körpergestaltung reinzureden, nur weil ich diese und jene Farbe subjektiv nicht für schön halte, (auch wenn ich so etwas garantiert hier und da auch mache). Wie gesagt, diese Kommentare höre ich fast täglich, von den verschiedensten und viel zu vielen Menschen. Das hat nichts an meinen Verhalten geändert und ich hab auch nicht vor das zu tun. Geändert hat sich leider schon etwas, meine Wertschätzung in diesen Dingen gegenüber vielen, von denen mir einige eigentlich sehr nahe stehen und wenn selbst diese mich nach diesen Kriterien bewerten ist das etwas das sehr weh tut. Weil man sich irgendwie dann doch nicht versteht. Ist nicht der wirkliche Umgang mit anderen Menschen viel bedeutender? Was man für sie tut, wenn man zusammen lacht, weint oder einfach nur die Zeit totschlägt. Sollte es nicht Ziel sein sich von diesen Wertungen zu lösen um friedlich und freundschaftlich miteinander umgehen zu können?

Die vorherrschende politische Maxime ist doch gegen Ausgrenzung vorzugehen…

Warum wird das kaum auf das Aussehen angewandt? In Hunderten Kampagnen reichen sich Menschen aus verschiedensten Kulturen, verschiedenster Religionen, sexueller Orientierungen und Geschlechtern die Hand. Die Problematik was das Aussehen betrifft wird hingegen meist nur mit Kampagnen gegen Fettleibigkeit oder der Forderung nach noch mehr Uniformen in Schulen angegangen. Ich kann und will das nicht verstehen
hauke

(1) http://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/markenwahn-in-der-schule-nur-wer-schick-ist-gehoert-dazu-1.1014256
(2) http://www.tagesschau.de/ausland/punksindonesien100.html

Fragmente #3

sechs

Wummernde Beats, ganz viele Menschen, gute Laune, abgefahrener Ort… aber irgendwie kennst du hier niemanden und wen kennenlernen? Vielzu anstrengend. Also das Schiff verlassen und ab zum Späti. Burgunder. Qualitätswein. Beim Radfahren am Fluss das Zeug kippen. Freude darüber was zu spüren. Zum Wehr fahren, einer Staustufe in denen in jeder Sekunde zig Tonnen von Wasser in die Tiefe stürzen, sodass unten ein Sog entsteht, den Mensch nicht überleben kann, falls er dort reingerät. Du gehst auf die Brücke über dem Wehr plazierst dich in der Mitte des Flusses, gewinnst dieses „Fels in der Brandung“ Gefühl und fängst an dich, diesen Abend und alles andere zu feiern. Tanzen, lachen dumme Witze machen, sich die Musik selbst ausdenken und feststellen das hier einfach niemand vorbeikommt und du den Ort für dich allein hast.
Dabei brodelt das Wasser 15 Meter unter dir unaufhaltsam, es versucht wieder Klarzukommen, nach dem Sturz in die Tiefe um ganz normal weiterfließen zu können, Ohne die Hektik an diesem Ort. Das Wasser will es wieder wie früher haben. Du warst schon als Kind hier und beeindruckt von diesem Ort. Hast manchmal stundenlang an der Schleuse nebenan gestanden und geguckt wie die Schiffe geschleust wurden. Das fandst du spannend auch noch beim 20zigsten mal. Du feierst noch eine Stunde oder so weiter, rufst in die Nacht wen du so magst und das es ihr Pech ist jetzt nicht hier zu sein.
Zugegebenermaßen wird dir dann aber auch irgendwann kalt und du musst weiter, bloß kommt der Weg nach Hause noch nicht in Frage, du bist vollkommen dicht und der Weg führt am Polizeipräsidium vorbei und man muss sich ja nicht gegenseitig den Abend versauen. Also weiter zum Bach im so called „Naherholungsgebiet“ in dem du schon als Kind schwimmen warst und zwei fetten Kindern aus der Nachbarschaft mal das Kaugummi weggefressen hast. Ins Gras schmeißen und dem nunmehr nur noch sanft plätschernden Wasser lauschen und dabei in Richtung Himmel gucken, zu hell für Sterne, du bist immernoch in der Stadt, es gibt dir ein gutes Gefühl das sie da ist. Die Nacht gibt dir ein gutes Gefühl. Der Weg nach Hause macht dir Zwar sorgen, aber im großen ganzen bist du froh das du lebst.

Fragmente #2

dann noch mal zwei an diesen schön sonnigen sonntag!

vier

Das Hier ist kein Wille. Das ist Zwang
Es ist der Zwang sich „selbst auszudrücken“, um sich „zu verwirklichen.“ Dabei füllt sich zwar dieses Papier mit Worten, doch wenn du dir das wirklich durchlesen würdest, würdest du merken, dass hier nichts steht. Ich hab dir nichts zu sagen. Nichts abgesehen von: „Hier bin ich!“, „guck mich an!“ und „Bin ich nicht ne geile Sau?“ Nur welcher Text will das nicht? Das ist quasi der Zweck des geschriebenem Wortes; also gar nicht erwähnenswert. Dank twitter ist wenigstens die Aufmerksamkeitsspanne heutzutage so kurz, das keiner diese belanglose scheiße zu ende liest, darum muss ich jetzt

fünf

Apathisch stehst du am Rande der Tanzfläche. Um dich herum wird gejubelt, gelacht, gebaggert und (wen wundert’s) getanzt. Du trinkst. Sind die alle wirklich so gut gelaunt oder schaffen die das sich so zu verstellen als wären sie es? Du schaffst es nicht. Das Bier schmeckt scheußlich. Mit jedem Schluck ein bisschen mehr. Du bist da, die anderen auch, aber sie interessieren sich nicht für dich. In der Ecke haben sich zwei gefunden. Du bist neidisch, willst es aber nicht zugeben. Du gehst, fühlst dich scheiße und niemand kann dir helfen

Fragmente #1

Ein paar Textschnipsel, teilweise schon etwas älter; in den nächsten Tagen gibts übrigens neue Musik

eins

Auf einmal hast du die Zeit über alles nachzudenken. Deine Probleme zu reflektieren und abzuwägen: Was hätte sein können und was nicht? Erst bist du froh drüber tief durchatmen zu können, doch nachdem du eine Weile geträumt hast stellst du fest, dass du eigentlich garnichts mehr zum Gedanken machen hast und sich einfach nichts in deinen Leben verändert und das ist auch nicht besser.

zwei

Sei beruhigt, irgendetwas hätte immer schlimmer kommen können, du wirst immer irgendwo, irgendjemanden finden, der mal etwas viel grausameres erlebt hat als du, alles ist relativ, also sei doch beruhigt und genieß den Tag!?


drei

Was hältst du für richtig? Was für falsch? Und wieso kannst du dir da so sicher sein? Das Leben ist wie eins von diesen Kinderbüchern, wo du entscheiden sollst auf welche Seite du weiterlesen möchtest. Es gibt nur einen Unterschied: wenn du dich einmal für eine Variante entschieden hast, kannst du nicht mehr zurückblättern und den anderen Weg gehen, falls dich der gewählte ins Unglück stürzt. Es ist als würden mit jeder Entscheidung alle anderen Seiten zu Staub zerfallen. Dann kannst du nur noch ahnen und fragst dich: Was wäre wenn ich nicht den anderen nach der Schule hinterhergeheizt, mit dem Rad weggerutscht und mich schmerzhaft auf die Nase gelegt hätte? Was wäre wenn ich den Krieg in Afghanistan nicht mitgetragen hätte? Was wäre wenn ich Gaddafi nie Unterstützt hätte? Was wäre wenn ich ihr den arm um die Taille gelegt hätte anstatt ihr zu versichern das wir dicke Kumpels seien. Was wenn ich nicht den Fehler gemacht hätte die Warnungen durch die geringe Wahrscheinlichkeit zu ignorieren. Gering heißt sie kann passieren. Man kennt jetzt Fukushima und jeder hätte es falsch machen können.

Vielleicht träumt der Mensch deshalb von Zeitreisen? Er würde dann seine Fehler nichtig machen wollen, er will ein Spiel, bei dem man immer wieder von vorn anfangen kann und keine Last zu tragen hat. Er geht Problemen auch gerne mal aus dem Weg. Man kann ja nicht alles ertragen, aber immer nur Weglaufen geht auch nicht.

und aus