Töne im Raum

Mein Zeigefinger drückt auf eine Taste. Daraufhin erhebt sich das andere Ende ebendieser und setzt eine Mechanik in Gang. Ich verstehe sie nicht ganz. Teilweise ist sie für mich sicht- und nachvollziehbar aber in teilen liegt sie mir verborgen. Eingezwängt hinter eng aufgereihter achtundachzigfacher Gleichheit. Scharniere bewegen sich. Filz schlägt gegen Holz. Kleine Metallstifte und Bänder sind zu sehen. Die Mechanik löst das Schwingen eines kleinen mit Filz bespannten Hämmerchens aus und dieses Hämmerchen schwingt drei dünnen Stahlseiten entgegen. Die Seiten sind sehr straff gespannt. Unten verknotet und oben an kleinen Wirbeln aufgezogen. Ein mit Filz bezogener Dämpfer zieht sich zurück von den Seiten. Es riecht nach altem Holz und Staub.

Als der Hammer die Seiten berührt beginnen sie zu schwingen. Die Bewegung ist kaum zu sehen, so schnell ist sie. Die Schwingungen strahlen in alle Richtungen ab. Wellen schallen zum Resonanzboden. So nennt sich die Holzplatte hinter dem gusseisernem Rahmen auf dem die Seiten gespannt sind. Auch wenn dieser hier gar nicht auf dem Boden liegt sondern senkrecht steht. Sie werden von ihm reflektiert und kehren verstärkt von ihm zurück. Der Schall wandert durch den Raum. In meine Ohren. In deine Ohren. Hörst du wie sich der Ton verändert? Er ist im Grunde genommen nicht allein. er ist geprägt von Höhen und Bewegungen. Er zieht bis zu den Wänden und wieder zurück. Hin und her. Ein Teil entwischt durch den Spalt unter der Tür nach draußen und verliert sich dort. Mit der Zeit wird er wird immer schwächer. Leiser und sanfter. Die Bewegung der Seite nimmt ab. Ihre Gebundenheit lässt nichts anderes zu. Irgendwann ist dann kein Ton mehr zu hören. und da bleibt nur noch dein und mein Atem.

Verstehst du was ich meine? So kann ich fühlen.


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