Erste Anzeichen von Rost. Stand wohl schon zu lange im Regen das Teil

Jetzt werden die Leute also schon dreißig. Der Lack beginnt zu blättern. Die Überleitung zur nächsten Generation wird in Form von laufenden Metern angekündigt, die zwischen den Cocktailtrinkenden Partygästen lachend wie weinend umhertanzen. Urplötzlich sind sie auf der Bildfläche erschienen. Sie werden immer mehr und es scheint so, also würden sie bleiben, nicht wie die wunderbaren Freundschaften die du auf deinen Reisen fürs Leben geschlossen hast und von denen du nach ein paar Monaten nie wieder etwas hörtest, auch wenn ihr euch geschworen habt in Kontakt zu bleiben.
Du siehst in die Gesichter der nun immer offensichtlicher erwachsenen Partygäste, wie sie sie manchmal gerührt, manchmal neidisch auf die Eltern und manchmal schlicht unbeholfen befremdet die Kinder in ihrem tapsigen Treiben beobachten. Die, die es immer nocht nicht so richtig wahr haben wollen stellen spätestens jetzt fest, dass sich in den letzten Jahren wohl etwas verändert hat. Sie waren so naiv zu glauben, dass sich das Riesenrad unendlich weiterdreht. Die langen Nächte, die zu darauffolgenden Tagen wurden. Nur mit etwas Unterstützung durch pulverige Drogen und billige Mischgetränke. Wie die nächsten drei Tage geschlafen wurde, weil man einfach die Zeit dazu hatte und ja sowieso Semesterferien. An die Pseudointellektullen Gespräche mit dem Schwüren darauf, nie in soetwas wie einem Normalarbeitsverhältnis zu enden, oder einer festen monogamen Beziehung oder auch nur die Überzeugung niemals die Palette 5,0 gegen eine Flasche Merlot einzutauschen. Nicht zu vergessen bleibt die Hoffnung möglichst bald das System zu stürzen.
Das alles scheint zu bröckeln, sich zu wandeln. Man feiert plötzlich wieder mit den Eltern, weil man froh ist das man sie noch hat. Auch hat man mittlerweile festgestellt, dass sie eigentlich ja ganz cool sind und gar nicht so anders als man selbst. Sie sind mit die letzten die wach bleiben und tanzen, während die guten Freunde, die noch vor ein paar Jahren erst am nächsten Nachmittag Arm im Arm mit dir beim anschauen von Videos von mit ihrem Spiegelbild boxenden Kängurus eingeschlafen sind, schon um 11 das Feld räumen, weil sie ja so müde sind. Die Woche war anstrengend und man wolle sich morgen mal etwas erholen.
Du hoffst klammheimlich darauf deine große Liebe von früher zu sehen, traust dich aber nicht zu fragen wohin es sie wohl verschlagen hat, als du feststellst, dass sie nicht da ist.
Aber wie bei jedem Elend, ist man zum Glück nie so richtig allein. Du kannst dich nun zu der Gruppe der übriggebliebenen gesellen und kollektiv darüber heulen, wie es nur dazu kommen konnte. Dabei fühlt es sich doch ein wenig erhabener an als früher, als man sich noch mit dem Fusel auf dem Spielplatz über das immer währende Beziehungsunglück ausheulen musste.
Irgendwann wird auch der letzte Rest vom sichtlich übermüdeten Gastgeber rausgeschmissen. Morgen früh wird ihn seine Tochter wecken. Du gibst vor das du wie die anderen gerne noch weiterziehen würdest, aber letztendlich zieht es dich genau wie sie nur noch ins Bett. Am nächsten Tag wirst du wieder zur Arbeit gehen. Es scheint für dich nicht mehr allzuviele andere Möglichkeiten zu geben. Vielleicht solltest du selbst zu sehen, dass du eine Familie gründest um deinem Leben den Rest Bedeutung zurückzugeben, den es eh nie hatte.


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