Archiv für Dezember 2018

Fort

Da fliegt sie
und die Aussicht
hält sich zurück
Gegen jeden Wind
Um an Höhe zu gewinn‘
Verschwindet sie
In ihrem Sinn

Ich liebe sie
und die Aussicht
die mich zerdrückt
Bleiern am Boden gehalten
Verschwinden die Konturen
Zurückgeblieben in Leere
doch irgendwie
entrückt

Töne im Raum

Mein Zeigefinger drückt auf eine Taste. Daraufhin erhebt sich das andere Ende ebendieser und setzt eine Mechanik in Gang. Ich verstehe sie nicht ganz. Teilweise ist sie für mich sicht- und nachvollziehbar aber in teilen liegt sie mir verborgen. Eingezwängt hinter eng aufgereihter achtundachzigfacher Gleichheit. Scharniere bewegen sich. Filz schlägt gegen Holz. Kleine Metallstifte und Bänder sind zu sehen. Die Mechanik löst das Schwingen eines kleinen mit Filz bespannten Hämmerchens aus und dieses Hämmerchen schwingt drei dünnen Stahlseiten entgegen. Die Seiten sind sehr straff gespannt. Unten verknotet und oben an kleinen Wirbeln aufgezogen. Ein mit Filz bezogener Dämpfer zieht sich zurück von den Seiten. Es riecht nach altem Holz und Staub.

Als der Hammer die Seiten berührt beginnen sie zu schwingen. Die Bewegung ist kaum zu sehen, so schnell ist sie. Die Schwingungen strahlen in alle Richtungen ab. Wellen schallen zum Resonanzboden. So nennt sich die Holzplatte hinter dem gusseisernem Rahmen auf dem die Seiten gespannt sind. Auch wenn dieser hier gar nicht auf dem Boden liegt sondern senkrecht steht. Sie werden von ihm reflektiert und kehren verstärkt von ihm zurück. Der Schall wandert durch den Raum. In meine Ohren. In deine Ohren. Hörst du wie sich der Ton verändert? Er ist im Grunde genommen nicht allein. er ist geprägt von Höhen und Bewegungen. Er zieht bis zu den Wänden und wieder zurück. Hin und her. Ein Teil entwischt durch den Spalt unter der Tür nach draußen und verliert sich dort. Mit der Zeit wird er wird immer schwächer. Leiser und sanfter. Die Bewegung der Seite nimmt ab. Ihre Gebundenheit lässt nichts anderes zu. Irgendwann ist dann kein Ton mehr zu hören. und da bleibt nur noch dein und mein Atem.

Verstehst du was ich meine? So kann ich fühlen.

Mut zur Lücke

„Mut zur Lücke“ ist eine interessante Dokumentation über das „Archiv Aktiv“ in Hamburg, dass seit 1987 Quellen zu Geschichte, Theorie und Praxis organisierter gewaltfreier Gruppen und der Friedensbewegung sammelt. Ein Film von Kuhkoppel Produktion. Die Musik ist entnommen aus meinem 2014er Album „aufbruch im fall

bria tharen /Axolotl

Für das unten zu erklickende Stück habe ich die Musik beigesteuert. Es handelt sich um einen Teil des Konzeptalbums „Axolotl“ welches Torsten der unter anderem mit Torpedo Holiday und Kaywinnet Musik (ge-) macht (hat) ins Leben gerufen hat. Es beschäftigt sich auf einer sehr persönlichen Ebene mit dem Thema Depression. Das Projekt wächst mit der Zeit. Pro Song sind jeweils zwei Künstler*innen involviert. Jeweils für Musik und Cover. Dranbleiben.

Erste Anzeichen von Rost. Stand wohl schon zu lange im Regen das Teil

Jetzt werden die Leute also schon dreißig. Der Lack beginnt zu blättern. Die Überleitung zur nächsten Generation wird in Form von laufenden Metern angekündigt, die zwischen den Cocktailtrinkenden Partygästen lachend wie weinend umhertanzen. Urplötzlich sind sie auf der Bildfläche erschienen. Sie werden immer mehr und es scheint so, also würden sie bleiben, nicht wie die wunderbaren Freundschaften die du auf deinen Reisen fürs Leben geschlossen hast und von denen du nach ein paar Monaten nie wieder etwas hörtest, auch wenn ihr euch geschworen habt in Kontakt zu bleiben.
Du siehst in die Gesichter der nun immer offensichtlicher erwachsenen Partygäste, wie sie sie manchmal gerührt, manchmal neidisch auf die Eltern und manchmal schlicht unbeholfen befremdet die Kinder in ihrem tapsigen Treiben beobachten. Die, die es immer nocht nicht so richtig wahr haben wollen stellen spätestens jetzt fest, dass sich in den letzten Jahren wohl etwas verändert hat. Sie waren so naiv zu glauben, dass sich das Riesenrad unendlich weiterdreht. Die langen Nächte, die zu darauffolgenden Tagen wurden. Nur mit etwas Unterstützung durch pulverige Drogen und billige Mischgetränke. Wie die nächsten drei Tage geschlafen wurde, weil man einfach die Zeit dazu hatte und ja sowieso Semesterferien. An die Pseudointellektullen Gespräche mit dem Schwüren darauf, nie in soetwas wie einem Normalarbeitsverhältnis zu enden, oder einer festen monogamen Beziehung oder auch nur die Überzeugung niemals die Palette 5,0 gegen eine Flasche Merlot einzutauschen. Nicht zu vergessen bleibt die Hoffnung möglichst bald das System zu stürzen.
Das alles scheint zu bröckeln, sich zu wandeln. Man feiert plötzlich wieder mit den Eltern, weil man froh ist das man sie noch hat. Auch hat man mittlerweile festgestellt, dass sie eigentlich ja ganz cool sind und gar nicht so anders als man selbst. Sie sind mit die letzten die wach bleiben und tanzen, während die guten Freunde, die noch vor ein paar Jahren erst am nächsten Nachmittag Arm im Arm mit dir beim anschauen von Videos von mit ihrem Spiegelbild boxenden Kängurus eingeschlafen sind, schon um 11 das Feld räumen, weil sie ja so müde sind. Die Woche war anstrengend und man wolle sich morgen mal etwas erholen.
Du hoffst klammheimlich darauf deine große Liebe von früher zu sehen, traust dich aber nicht zu fragen wohin es sie wohl verschlagen hat, als du feststellst, dass sie nicht da ist.
Aber wie bei jedem Elend, ist man zum Glück nie so richtig allein. Du kannst dich nun zu der Gruppe der übriggebliebenen gesellen und kollektiv darüber heulen, wie es nur dazu kommen konnte. Dabei fühlt es sich doch ein wenig erhabener an als früher, als man sich noch mit dem Fusel auf dem Spielplatz über das immer währende Beziehungsunglück ausheulen musste.
Irgendwann wird auch der letzte Rest vom sichtlich übermüdeten Gastgeber rausgeschmissen. Morgen früh wird ihn seine Tochter wecken. Du gibst vor das du wie die anderen gerne noch weiterziehen würdest, aber letztendlich zieht es dich genau wie sie nur noch ins Bett. Am nächsten Tag wirst du wieder zur Arbeit gehen. Es scheint für dich nicht mehr allzuviele andere Möglichkeiten zu geben. Vielleicht solltest du selbst zu sehen, dass du eine Familie gründest um deinem Leben den Rest Bedeutung zurückzugeben, den es eh nie hatte.