Aufschlag

Ein Buch aufschlagen; mit Gedanken in anderer Leben sehen. Nach sich suchen. Nur um dann an den wenigen Fetzen zu klammern, die sich finden lassen. Von denen du glaubst, zu wissen was dort gefühlt wird.

Immer ist es die Suche nach dem Extremen, dem Reiz. Unbekanntes, gefährliches, geiles, zerstörerisches, großes, schönes, schreckliches. Das ist was uns dazu bringt aufzuhorchen. Ein wenig unserer begrenzten Aufmerksamkeit herzugeben. Kurz anzuhalten. Den Hals zu recken und zwischen den Köpfen der anderen auf den Typ unter Pferdemaske zu schauen, wie er auf den Boden auf Farbeimern in der Fußgängerzone die energetische Monotonie erklingen zu lassen versucht.

Nachdem alle kurz Notiz genommen hatten, gehen sie schnellstmöglich weiter. Das geschaffene ist wieder allein, der Körper in sich versunken.

Der nächste Schritt, der nächste Klick, das Umschlagen der Seite. Die Pfeiltaste nach unten. Immerzu. Warum hört dieser Feed niemals auf? Überfluss von allem. Millionen Vorbilder zur Masturbation. Jederzeit. Wer will sich dort noch miteinander austauschen. Zu groß geworden ist diese Welt. Den Bauch voll geschlagen, fett und dumm.

Die Tatsache, dass Menschen unter Brücken schlafen, ist kein Brückenschlag, sondern ein Zeichen des Einsturzes. Händchenhaltend auf dem Friedhof der ausgestoßenen spazieren gehen. Sich küssen und mit den Schuhen in den Augen der verwesenden am Boden rumkratzen. Moderne Formen der Romantik.

Manche haben zu lange studiert um auch nur irgendetwas mehr begreifen zu können. Verloren in ihrer Blase hört niemand mehr ihrem selbstherrlichen Geschwafel zu. Sie scheinen einen Plan ergattert zu haben, nur wollen sie ihn niemanden zeigen, geschweige denn davon zu erzählen.

Ein Buch aufgeschlagen; mit Gedanken in anderer Leben sehen. Nach sich suchen. Nur um dann doch an den wenigen Festen zu klammern, die sich noch finden lassen. Von denen du glaubst, zu wissen, was dort gefühlt wird.

Kein Fokus. Kein Kontakt. Irgendwie Seltsam.


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