Archiv für Oktober 2017

Zwang


Text zur Theorie des Textes

Magazine produzieren unabdinglich.
Sinnloses.
Kleine Autor_innen aus deutschen Mittelschichtsfamilien, mit Master in der Tasche, basteln fleißig an Leitern aus Lettern. Stets mit ironischem Unterton. Direkt. Authentisch. Verzweifelt auf der Suche danach für eine Generation zu sprechen.
Nah bei den Lesenden.
Radikal ohne radikal zu sein. Lautlos schreiend.
Im Stil der Agentur. Des Konzerns.
Konform.
Unterbunden bleibt die Suche im Unbekannten nach neuen Wegen.
Der Strategie der Konferenzen unterworfen. Getrieben vom dem Wunsch es mit jemanden Treiben zu können. Getrieben von den Märkten. Getrieben von der Scheiße zu denen ebendiese hinführen. Jung, erfolgreich und in Berlin-Mitte an allem vorbei. Bremerhaven am Arsch.
Sie wissen überhaupt nicht wie es denen geht für die sie schreiben könnten außer sich selbst. Sie hatten auch mal so einen Job als Helfer in der Logistik bei dem sie um vier Uhr morgens aufstehen mussten. Sie, denken deshalb sie wissen wie es ist für sie zu schreiben. Sie haben nie gelernt zuzuhören.
Also so wirklich. Sich Zeit zu nehmen. Dafür um herauszufinden was das alles eigentlich bedeutet. Wo das hinführt. Sich einzureihen in die eigene Kaste. Sie haben keine Schlüsse daraus gezogen die dazu führten etwas anders zu machen.
Stattdessen Kluge Kommentare darüber wie schlimm Rassismus ist und noch viel mehr darüber wie schlimm die Leute ihrem Wesen nach sind die rassistisches sagen, tun, und aus rassistischem Kapital schlagen.
Kluge Kommentare darüber verstanden zu haben warum Rassismus so erfolgreich ist.
Kluge Kommentare darüber nicht mehr anknüpfen zu können, den Draht verloren zu haben an die Abgehängten.
Dazu die Erkenntnis nichts ändern zu können ohne auf andere zuzugehen, andere die anders fühlen und Denken als man selbst mit seinem so allzu offenem Horizont bestehend aus Fremdsprachen, Weltreisen und der Sicherheit aufgefangen zu werden, wenn etwas schief geht.
Das sich nicht eingestehen überhaupt etwas am eigenen Standpunkt ändern zu wollen, weil man einfach die bessere Sicht von dort oben hat.
Es fühlt sich einfach unheimlich gut und bequem an von oben herab über andere zu richten.
Auf dem Hochplateau ist nicht für alle Platz.
Niemals würden sie es laut zugegeben. Doch es ist allen bewusst. Fest in den Köpfen verankert, das Denken von Konkurrenz, die Angst um den Abstieg. Das Bedürfnis genug vom Kuchen
abzubekommen.
Den Träumen zu entsprechen.
Darum.
Keine Zeit lassen, sondern gleich veröffentlichen.
Stetig, stetig , stetig.
Es ist genug Café, Koks, Mate und Guarana für alle mit Geld in der Tasche da.
Pausenlos.
Mithalten.
Effizienz steigern.
Sich schlecht fühlen wenn man dann doch mal faul ist.
Immerzu der Technik entsprechen.
Das Konsumieren, das alle Konsumieren.
Um mitreden zu können.
Eine Welt.
Eine Haltung.
Der Faschismus kommt Stück für Stück auf allen Ebenen der Gesellschaft an und niemand scheint ein Problem damit zu haben.
Falls doch nur in ironisch selbstentlarvenden Artikeln auf Plattformen, die Teil des Problems sind.
Niemand traut sich noch den anderen Weg zu gehen.
Wer es versuchen würde: Wandert durch ein einsames Tal ungehört verhallender Rufe.
Das Ende der Geschichte ist da wo in den Geschichten nichts mehr erzählt wird.
Und wir sind verdammt nah dran.
Blind folgend ins nichts.

Einblick

0,525 km²

Verfroren im Regen
Gelbes Licht strahlt
Spiegel im Dunkeln
Glanz in der Höhe
Heute wieder Klang von
Autoreifen
Asphalt
Wasser
Oben die Fenster
Der Ställe
Unten der Auslauf
für die Freilandhaltung

Hansa einen Euro
Longpapes; einsfüfzig
Die ganze Nacht
Jeden Tag
Das ganze Jahr

Gestalten
Weilen
Ziehen
Geschichten
Rauschen
Aneinander
Vorbei

Husten
Narben
Eiter
Blut
Nadeln
Schwanken
Löffel
Schreien
Plastiktüten
Alufolie
Essensreste
Sonnenblumenkernschalen
Koka
Steine
Hero
Schlagen
Pisse
Scheiße
Kotze

Konzentrierte Blicke zwischen die Gehwegplatten
Suche nach Resten in vergangenen Bunkern
Damit sie gegen den Druck helfen

Rottöne
Eingriffe
Magst du mal reinschauen?
Hast du Lust?
Personalwechsel
Schatzi
Blasen
Ficken
Fünfzig Euro
Vierzig
Dreißig
Fünfundzwanzig
Blinken
Küchentücher
Kondome
Putzmittel
Schwenktüren
Auf Kameras
Starren Bäuche
Klopfen Sprüche
Berauben
Und stabilisieren

Unerwünscht
Ist was schwindet

Vino
Better Burger
Napolitarian Pizza
Pastrami
Poutine
Vollbärte
Ketten
Franchise
Monotonie
Aufgeräumt
Aufgewärtet
Sinnentleert
To Go
Rosa Kuriere
Anzüge
Noch mehr
Anzüge
Erhobene Zeigefinger
Naserümpfen
Noch mehr
Naserümpfen
Exklusive
Business
Apartments
Auf Zeit
Not to be
Living to Go

Verdienst
Ist was steigt

Auch du veränderst dich
Doch schleichst im Sturm
Welche Stimme spricht?
Und welche wird gehört?
Der Straßen ihr neues Gesicht
Entkleidet sich Stück für Stück
Bald wirst auch du den Platz räumen
Den du dir genommen hast
Gefangen im größeren
Gottgewordener Reaktionen
Kein Glauben mehr
Es selbst in der Hand zu haben
Zu gestalten wie es beliebt
Gesicht mit Narben
Operiert
Weggewischt
Vergessen
Neu bespielt

Ordnung

Jetzt oder nie, Anarchie!
Ok, dann lassen wir das lieber
Mit Abschluss in der Tasche
Pöbelt es sich so erhaben
Und Hochnäsigkeit ist Grün
Gutes Gewissen, ist Luxus
Bling, Vöner, Bling

Du bist doch selbst schuld, wenn du zu Penny gehst
Fress scheiße, bleib hässlich, stirb jung
Wir finden es ohnehin besser wenn du gehst
Damit unsere Kinder wieder sicher auf Straßen spielen können

So sauber
So ruhig
eine Stadt ohne Menschen
Lebenswert ist für mich ohne dich
Du hättest ja was werden können
Und jetzt putz mir das Bad

Stadtmensch

Segelflug/Stillstand

Gelähmte Beine. Gelähmte Finger. Gelähmte Gedanken. Verlaufende Zeit. Und stets diese Vergleiche. Es schreibt sich nichts aus der totalen Ablehnung heraus. Es fühlt sich falsch an. Und so schwindet seine Zeit, sein Papier bleibt leer und der Stift still. Auch keine Notizen im Smartphone. Nur die Stille Erkenntnis nicht mehr das Vermögen für das zu haben, was einst gewesen ist. Erschaffen aus eigener Bitterkeit und ohne Not, sich aufzugeben. Es gehörte nur zu den Dingen die passieren.

Das Segelflugzeug befindet sich nach dem Abwurf im Sinkflug. Das ist der Lauf der Dinge, wenn es keinen Motor gibt. Keine Maschine, die das unnatürliche als normal erscheinen lässt. Ein stiller Fall. Doch manchmal gibt es Winde, die das Segelflugzeug wieder aufsteigen lassen. Aufwind. Ich kenne mich nicht damit aus, aber es braucht sicher oft den aktiven Eingriff das Ruder umzureißen, um diese zu finden. Wer dies gar nicht tut, läuft jedoch Gefahr mit dem Flugzeug auf dem Boden zu zerschellen.

Blau-Rot

Manchmal sehne ich, manchmal sehne ich mich danach, dass plötzlich jemand meine Wohnungstür eintritt, die Zimmertür aufreißt mich, wie ich da umherliege und ungläubig zu realisieren versuche was nun bevor steht vorfindet. Mich dann im Nacken packt, aus dem Bett reißt und mir mit voller Wucht in die Fresse haut. Ein Schlag sollte auf den Nächsten folgen. Einfach prügelt ohne an ein Aufhören zu denken, sodass ich Spüren kann wie mir all die Knochen in kleine Einzelteile zerbrechen. Solang bis ich nur noch ein blau-rotes etwas bin. Solang bis alles taub und ohnmächtig wird, weil der Körper soviel Schmerz gar nicht mehr vertragen kann. Solang bis es das war und ich mir sagen kann: Hey Welt, jetzt sind wir quitt.

Und dann denke ich, ich könnte auch einfach etwas an meinem Verhalten ändern.