Heute beginnt ein neuer Tag

Ruhe gewährende alte Gewissheiten brechen auf, während die uralten Geister der schaurigsten Sorte aus der Tiefe klopfen und pochen. Immer lauter werden, immer kräftiger. Mit dumpfen Tritten gegen das bewährte und das fortschrittliche was sich gegen sie richtet. Dumpfe Geister die durch ihre Banalität den mündigen so Fassungslos erscheinen lassen. Ohnmacht stellt sich ein. Wo könnte ein Weg sein der Feindseligkeit zu begegnen? Die Antworten bleiben aus. Stattdessen ein stetiges vor sich hergetrieben werden ohne die Sprache derer zu sprechen, als deren Anwälte man sich genieren will.

Menschen fliehen vor Leid. Tausende Kilometer. Zu Fuß. Zu Wasser. Andere wiederum haben nicht die Sinne dafür, sich dort hineinzuversetzen. Es entspricht nicht dem Leben auf dem Land in den Kulissen des einstigen Versuchs eines autoritären realen Sozialismus. Diese Leute haben verlernt zu begreifen, was es heißt dem Gast zu helfen. Freundlichkeit zu bewähren. Die schwächeren mitzunehmen, wenn sie erkranken. Die Tür nicht abzuschließen, wenn es stürmt. Für ein Lächeln auf beiden Seiten und warme pochende Herzen. Sie haben vergessen was sich hinter dem Begriff Menschlichkeit verbirgt. Sie haben nie lernen können, wie klein die Welt eigentlich ist und das jede Ursache auch ihre Wirkung hat, egal wie weit sie entfernt sein mag.

Andere wiederum sitzen in den großen Städten des westens bei gutem Wein und wissen nicht mehr so recht, was sie tun können außer sich zu empören und darauf zu hoffen. Dass die Zeit die Verlogenheit der braunen aufzeigt und sie sich wieder verkriechen in den Löchern aus denen sie gekrochen sind. So, dass der Wein wieder so sorglos getrunken kann wie früher. Ihre Hoffnung ohne Rezept.

Diese Hoffnung ist naiv.

Wir haben verlernt miteinander zu reden. Wir haben verlernt die Selbe Sprache zu sprechen. Verlernt denen zuzuhören, die nicht nur das sagen wollen, was wir hören wollen. Was wir gewohnt sind zu hören. Wir haben verlernt den Kontakt zu halten zu denen die wir wirklich brauchen um die Träume einer befreiten, sozialen, herrschaftsfreien Welt voranzutreiben.

Diese Träume schweifen ab in die Ferne und wer sie noch in Parolen verpackt entlarvt sich selbst dabei aufzuzeigen, wie egoistisch der eigene Fokus doch ist. Zeigt auf, dass der Blick innerhalb der kleinen ritualisierten Demonstration endet und gar keinen Platz lässt für die, die am Rand der Straße stehen und das für sie so seltsam wirkende Spektakel verständnislos beobachten.

Es gibt reale Kämpfe die geführt werden müssen. In der angebrachten Schärfe die Worte bewirken können. Zudem bleibt: Die Utopien gehört dazu, doch die Farbe zum ausmalen, wird im Moment leider anders benötigt. Sonst steht alles auf dem Spiel. Die Malerei muss anknüpfen an dass was uns umgibt und nicht in ferner Zukunft schwelgen. Es gibt Menschen, die würden den Pinsel klauen und versuchen ihn nie wieder zurück zugeben. Dass ist die bitterernste Realität um die es hier geht.

Aufwachen.

Den Blick schärfen, für dass was kommen könnte. Den Blick schärfen, für die, die einem entgegenstehen. Den Blick schärfen für die Probleme der anderen. Den Blick schärfen für die eigene Schuld es nicht von vornherein anders gemacht zu haben. Die eigene Schuld für den Aufstieg von Hass und Gewalt sitzt tief. Vergessen werden darf dies nicht.

Ins Bewusstsein muss die Tiefe der Realitäten die nebeneinander in den großen- und den kleinen Städten und bis in die entlegensten Dörfer existieren. Niemand ist abzustempeln. Veränderung geht nicht ohne den Austausch von Gedanken und Haltungen, wenn sie das Leben für alle erleichtern soll ohne andere dafür zu Opfern.

Schau ihnen ins Gesicht und ihr könntet einander erkennen. So wie sie dir und den zugereisten ins Gesicht blicken könnten. Ihr seid nicht so verschieden, es fehlt vielleicht nur der sichtbare Anknüpfungspunkt. Es ist nicht einfach. Das Eis zu brechen. Aus dem Stottern zu kommen. Die Aufgeregtheit zu ignorieren und einfach zu fühlen, wie sich der Widerspruch anfühlt. Es fehlt nur die Bereitschaft, die eigene Arroganz fallen zu lassen und vom hohen Ross zu steigen. Hinab in die Felder, auf denen schon seid Ewigkeiten letztlich alles entscheidet.

Worte, Taten. Bewegungen. Ein Ende der Reaktion auf die treibenden.

Es braucht Ideen, die zu den Bedürfnissen derer passen, die man selbst nicht repräsentiert, weil diese es noch nicht schaffen für sich so zu stehen, dass sie nicht ihr eigenes Grab schaufeln. Es braucht die Hilfe für eine Selbstermächtigung, die davon Abstand nimmt gegen Menschlichkeit zu agieren.

Wirkliche Änderungen können nur die Leute selbst schaffen. Die alten, wie die jungen. Die armen, wie die reichen. Die schönen und die, denen dies nicht zustehen mag. Gleich Herkunft. Geschlecht. Hautfarbe. Beziehungsform und sexueller Orientierung und dem was noch alles die Menschen voneinander trennt. Doch es braucht die Hilfe die Weichen so zu stellen, dass dies auch gelingen könnte. Dort anzusetzen könnte ein Hebel sein. Wenn mehr auf die Offenheit von Ohren und die physische Existenz gesetzt werden würde, als auf Studien und die Optimierung des eigenen Lebenslaufes, könnte dies weit mehr erreichen, als die letzten Reste der Verfolgung von im Kern immer schon von Geisteseliten angetriebenen Ideen und Ideologien.

Ein Aufbruch ist notwendig.

Ende der plumpen Gegenwehr. Auf zum Bespielen der Bühne mit neuer Vielfalt und Offenheit. Vorleben und sich beeinflussen lassen. Lernen. Nichts ist ausgemacht. Alles kann revidiert werden. Es ist schwer eigene Fehler einzugestehen doch es gibt nur wenig, was lobenswerter ist als dies tatsächlich getan zu haben. Raus aus den eigenen Vier Wänden. Mögen sie auch noch so gut eingerichtet sein. Mögen sie auch noch so schön sein.

Es geht um alles. In anderen Ländern, in denen sie sich schon in Sicherheit wiegten warten nun die Panzer auf den Plätzen für den Fall das Protest sich regt. Es darf auch hier nicht soweit kommen. Wir brauchen Anschluss an das was uns umgibt ohne Ideale aufzugeben. Das was Menschen zu träumen gelernt haben. Wir brauchen das Bewusstsein für die anderen. Wir brauchen Verständigung nach innen und außen. Wir brauchen Behutsamkeit. Wir brauchen Verständnis der anderen wie von uns selbst.

Es gibt so viel tun.

Jeder Anfang ist schwer, doch aus der Bedrohung wächst eine Kraft die allen die im Hintertreffen stehen dabei helfen kann, wieder die Stimmen einer sozialen Veränderung erklingen zu lassen. So laut, dass auch die bedrohlichsten Stimmen der Hetzer wieder verstummen und untergehen, am Rand dessen, was wir als Gesellschafft kennen.

Heute beginnt ein neuer Tag.