Alte Töne und neue Wege

Es zerrt an ihm. Wieder steht er hinterm Tresen des Geschäfts des Vaters. Handwerkerbedarf. Bohrmaschinen, Schrauben, Sägeblätter, Türklinken. Seit Jahren schon. Er hat das nie gewollt. Es war nicht seine Idee. Es hat sich so ergeben. Es schien eine Notwendigkeit und es lag ganz einfach sehr nah dies so zu tun. Auszuhelfen um sich die Miete leisten zu können. Hier hinterm Tresen ist nicht seine Welt. Er ist wer anderes. Er hat Träume und Ziele. Er hat einen Hang dazu die Dinge, die er gerne macht. Lange und Leidenschaftlich zu verfolgen. Er hat aber auch einen Hang dazu Dinge die er halt so macht nicht zu ändern. Egal ob er sie mag oder nicht. Dann wäre da noch das Problem mit den Abschlüssen. Ein Abitur hat er nicht. Im Gegensatz zu den meisten seiner Freunde. Das nagt an ihm. Genau wie die Eltern mit ihrem kritischen und stetig ermahnenden Blick. Eltern die eine Meinung dazu haben was zu und was zu lassen ist und was zu ehrlicher Arbeit dazu gehört. Das setzt ihn unter den Druck, den er einfach nicht gebrauchen kann. Zu sehr müht er sich schon ab den geforderten der anderen zu entsprechen. Und so schafft er es nicht. Wieder und wieder nicht. Die Prüfungen sorgen für Panik. Das gelernte will einfach nicht gelernt sein. Anwendbar. Stunde um Stunde lernen. Um durchzufallen. Mathe war als Kind schon scheiße.

Was er wirklich liebt.

Seine Freunde, neue Begegnungen, die Natur, die Musik, die Bewegung, gutes Essen, auch gerne mal Erfahrungen mit Drogen, aber alleine Im Stillen währen diese nichts. Sie entfalten nur Wirkung in der Nähe ihm lieber Menschen. Sein Zimmer ist ein Sammelsurium von Instrumenten, dessen Grenzen wiederum stellt nur das Vermieterpaar eine Etage weiter unten dar, dass ihn zur Ruhe zwingt. Dabei ist er eigentlich ganz bescheiden. Nur eines reicht ihm schon um sich tagelang nichts anderem mehr zu widmen. Nur die Zwänge und die guten Begegnungen mit Freunden bringen ihn zur Unterbrechung des Eins sein mit den Farben der Klänge.

Es dauert alles viel zu lange. Er etwas älter als die anderen Freunde die ihm Umgeben. Stets das Gefühl wenig geschafft zu haben. Im Hintertreffen. Keine Liebe die erwidert wird. Keine Zweisamkeit. Frust. Die immergleichen Abende werden auch nicht besser. Die Aussicht bleibt gleich. Die Gleichen Straßen. Die Gleichen Wiesen. Die Gleichen Wälder. Die Gleichen Berge. Etwas muss vergehen. Was ohnehin nie zum bleiben bestimmt war.

Ein Ruck.

Ende mit dem nächsten Versuch zum Abitur. Es ist nicht alles richtig und wichtig was die Leute sagen. Manchmal muss man einfach Weg. Mit dem Beil die Seile kappen. Los schippern ins unbekannte. Mal sehen was kommt. Der Job beim Vater beendet. Das Zimmer gekündigt. Sein Liebstes Instrument auf den Rücken. Aufmachen um die Welt zu umarmen. Schauen was sich dort so zu finden ist. Außer ihm selbst. Viel Glück.