Robert

Dunkelheit mit Highlights. Es beginnt mit der hoffnungsvollen Erwartung auf die Nacht. Dieses mal etwas mehr Entgelt entrichten um dabei sein zu können, dazu sind sie bereit. An anderen Orten wird dafür sehr lange gearbeitet. Aber sie können es einfach, standesgemäß. Für das Versprechen in eine Parallelwelt eintauchen zu können. Doch zuerst Warten sie davor. Schlangestehen. Rauchen. Ungeduld. Menschen die es nicht schaffen loszulassen. Die Angst zu kurz zu kommen sitzt tief. Die Ellenbogen enden nicht vor der Tür und auch nicht dahinter. Dabei zu sein heißt sich abgrenzen zu können. Die Schlange schlängelt sich langsam voran, gewinnt an größe. Stück für Stück gelangen die Menschen zur rettenden Tür.

Das reinkommen fällt leicht, sie schauen nicht wirklich nach etwas. Heute nicht. Wird schon. Außerdem gibt es Dinge bei denen es besser ist, wenn sie nicht gefunden werden. Drinnen dann kahle dunkle Wände zudem unsichtbare Wände von Klängen, die sich durch die Räume bewegen, an Boden, Decke, der Bar und den Menschen wiederhallen. Es ist recht Dunkel. Es ist recht spärlich. Immer rationaler ist die Welt gestrickt worden und das hier ist ihr spiegelloser Spiegel. Hier Stampfen.

Die Treppe nach oben hier vermischt sich die Fülle der Eindrücke mit dieser Hitze. Der Schweiß in weiß und schwarz gekleideter Körper. Dicht an dicht. Sie versuchen sich hier in dieser Sauna zu bewegen. Nur die wenigsten schaffen es auch. Es ist eigentlich zwecklos. Doch das ausgegebene Geld und die Drogen machen gefügig. Wenige Oasen der Lüftungsanlage. Beim durchzwängen erscheinen Sie als lichtloses Lichtquelle, die vorüber geht, weil man hier nicht stehenbleiben kann und will.

Wieder nach draußen. Feuchter warmer Sommer. Der Blick vom Balkon auf den Fluss, auf der anderen Seite der Hafen in Dunkelheit. Eine Brücke, dahinter die Türme der großen Stadt. Sie rauchen. Sie reden inhaltsleeres Zeug ohne zu flachsen. Alle zusammen allein. Sich ausleben als Egotrip. Er schnorrt sich eine Kippe, kommt aus Berlin. Man sollte mal hier gewesen sein. Darum der Besuch. Auf der anderen Seite des Gesprächs ist es nicht anders. Nach der Vorstellung endet der Austausch. Die frischgedrehte Kippe ist schon übergeben. Ende der Abhängigkeit.

Wieder rein, diesmal über die Außentreppe nach unten. Hier ist die Musik bunter, aber kaum zum versetzen in Rauschzustände geschaffen. Dafür etwas Luft zum Atmen. Etwas Raum zur Bewegung. Eine Möglichkeit ohne Kollaps die Zeit vergehen zu lassen. Die Einfälle durch die Boxen erfreuen wie Nerven gleichermaßen und irgendwie könnte das hier auch Festsaal im Keller des Schützenvereins sein. Die Unterschiede finden sich im Detail.

Nach Zeit und Bewegung, wieder nach Oben. Lichterer Raum in der Dunkelheit. Es geht nun, dass mit den Fallen lassen und es ist gut. Die Monotone Vielfalt zwingt zur Anerkennung. Die Lautsprächer lassen spüren was du hier fühlen sollst. Die Beobachterrolle bleibt. Bei manchen geschieht das intuitiver als bei anderen. Die Menschen bewegen sich so verschieden wie sie sind. Die Menschen bewegen sich so gleich wie sie sind. Ohne konkret verfasste Regeln und ohne strenges Training. Ungelenk und holzig. Geschmeidig und betörend. Zart und im Einklang. Robust und wütend. Intensiv und voller Ektase. Alle im selben Konsens, alle unterschiedlich und dennoch einander verwandt. Das Licht ist zart, bunt, doch zumeist aus. Die sechs Fernseher über den Pult sind tief aus einer anderen Zeit und was sie zeigen, ist so wenig das es nicht das wesentliche stört. Die Leute können drauf gucken, aber sie sehen nur wenig.

Das Wesentliche. Hier ist es. Vielleicht. Hier kann es sein: sich zu leeren und im nichts aufzugehen. Einen Moment der Befreiung spüren. Der Rebellion ohne Widerständigkeit. Im Einklang mit einer Idee, die nicht viel voraussetzt. Doch dazu gehören letztlich doch nur die, die hier anerkannt werden. Die gut genug sind um an diesem Ort zu sein. oberflächliche Welt.

Die Trance bleibt eine Weile in der Luft, während a das Grau hinter den Fenstern sich langsam aufhellt. Der Schutz der Dunkelheit ist keine Notwendigkeit. Es geht auch im Licht, wenn alle sich frei genug im Gefängnis sehnen.

In der gräue des Wolkenverhangenen morgens sitzen sie draußen und sind weiter belanglos. Mit müden Augen. Erweiterten Pupillen. Schauen rüber auf den Hafen. Auf Arbeit die sie nie tun werden müssen. Die Härte erleben sie nur durch Vergnügen und der Notwendigkeit der Verwaltung ihrer selbst. Es ist nicht ihre Welt. Sie stehen da drüber, sie haben die Freiheit dafür zu bezahlen ihre Energie loswerden zu können. Wie schön sie alle sind. Wie in den Zeitschriften, die mit mattem Papier gedruckt werden. Die weiten lässigen weißen und Schwarzen T-Shirts mit dem Wert im Detail. Angezogen wie die Wände von Innen und Außen. Perfekt liegende Haare, perfekt gestutzte Bärte. Der Stolz in den Gesichtern etwas zu sein. Etwas zu wollen in Leben. Und sich deshalb nur unter Gleichen zu verausgaben. Nicht mehr Dorfdisko, wie früher mit den ganzen anderen Atzen.

Alles doch auch Flucht, die scheinbar gar keine ist. Nur die Notwendigkeit weitermachen zu können. In der Rolle, die einen die Welt doch letztlich vorgibt. Der Rausch zum Zweck der Zerstörung zur Selbstoptimierung. Seltsame Welt.

Wir gehen raus. Der Bekannte von meinem Kumpel der mitkommt macht sich Sorgen um das Verhalten seiner Freunde. Er macht das immer sagt mein Kumpel mir. Doch Gemeinschaft. Schwer zu erkennen hinter all den Masken. Draußen auf dem Weg zum Schlaf setze ich sie ab. Sie ist nicht alles. Sie kann es aber vorgeben, dies zu sein. Vielleicht nicht dasselbe. Letzer Gedanke.