Archiv für September 2017

May (Un-)Ernst


Heimweg

Er ist der Letzte an der Bar
„Noch einen?“
„…“
Der Wirt schüttet den letzten Rest einer Flasche Whiskey in das nun nicht mehr leere Glas.
„Danach ist aber genug für heute: ich mach‘ Feierabend“
Die Musik endet.
Voll torkelt der Gast hinaus. Der Wirt tritt selbst auf die Straße und schließt ab.
Vogelgezwitscher. Dämmerung.
Ruhe.
Nur die Schritte zweier auf grauen Gehwegplatten. Erschöpft und benebelt.
„Sag mal, wiessoo machst‘ das eigentlich?“
Das „s“ im wieso klang dabei wie ein ß und jeder Laut sowieso so schwankend wie die Größe und Position seiner Schritte.
„Also so Leuten wie mir den ganzen Abend wieder und wieder diesen Fusel einzuschenken? Noch einen hier. Noch einen da. Einen doppelten. Noch keinen. Rechnung bitte. Jeden Abend das Selbe!“
Schweigen.
„Das ist doch nichts.“
Schweigen. Gehwegplatten. Schritte.
Noch drei Straßen, denkt sich der Wirt, dann ist er Zuhause. Bis dahin einfach ausschweigen. Auf die täglich selben Fragen kann er sich die selben Antworten auch sparen.
„Ey, jetz sach doch ma!“
„Schaffst du den Weg nach Hause oder soll ich dir n‘ Taxi rufen?“
„Jaja schon, ich bin ja wenigstens noch fit im Kopf“
„Ansichtssache“
Noch zwei Straßen.
Weiter torkeln. Weiter gehen.
Noch eine Straße.
„Ich hab drüber nachgedacht“ sagt der Gast, „Ich hab den Spaß und du die Arbeit. Außerdem bissst du von mir genervt. Ich aber nich von dir. Ich bin betrunken und … ich sachs dir! Morgen werd ichs wieder sein. Du guckst dann morgen wieder den ganzen Abend in meine hässliche Visage… Ich sachs dir! Ich hab gewonnen.“
Ein triumphales Lächeln im zerfurchten Gesicht.
„Kumpel, ich muss jetzt hier links rein. Komm gut nach Hause“
„Jajaja“ sagte der Gast und ging weiter mehr oder weniger Geradeaus. Die Straße runter. Verschwand im morgen.
Ruhe.
Graue Gehwegplatten. Schritte. Stufen.
Der Wirt schließt seine Haustür auf. Es ist nicht alles tief, was von Herzen kommt. Auch wenn so gemeint.
Sein kleines Kind ist schon wach und kommt auf ihn zugestürmt. Früher war es anders. Doch dass ohne Nebel die Sonne besser durchkommt, ist auch eine Sicht der Dinge, die ihre Zeit gebraucht hat. Lächelnd breitet er die Arme aus.

Rückblende – Fljora

Erkennen/Fließend

Heute beginnt ein neuer Tag

Ruhe gewährende alte Gewissheiten brechen auf, während die uralten Geister der schaurigsten Sorte aus der Tiefe klopfen und pochen. Immer lauter werden, immer kräftiger. Mit dumpfen Tritten gegen das bewährte und das fortschrittliche was sich gegen sie richtet. Dumpfe Geister die durch ihre Banalität den mündigen so Fassungslos erscheinen lassen. Ohnmacht stellt sich ein. Wo könnte ein Weg sein der Feindseligkeit zu begegnen? Die Antworten bleiben aus. Stattdessen ein stetiges vor sich hergetrieben werden ohne die Sprache derer zu sprechen, als deren Anwälte man sich genieren will.

Menschen fliehen vor Leid. Tausende Kilometer. Zu Fuß. Zu Wasser. Andere wiederum haben nicht die Sinne dafür, sich dort hineinzuversetzen. Es entspricht nicht dem Leben auf dem Land in den Kulissen des einstigen Versuchs eines autoritären realen Sozialismus. Diese Leute haben verlernt zu begreifen, was es heißt dem Gast zu helfen. Freundlichkeit zu bewähren. Die schwächeren mitzunehmen, wenn sie erkranken. Die Tür nicht abzuschließen, wenn es stürmt. Für ein Lächeln auf beiden Seiten und warme pochende Herzen. Sie haben vergessen was sich hinter dem Begriff Menschlichkeit verbirgt. Sie haben nie lernen können, wie klein die Welt eigentlich ist und das jede Ursache auch ihre Wirkung hat, egal wie weit sie entfernt sein mag.

Andere wiederum sitzen in den großen Städten des westens bei gutem Wein und wissen nicht mehr so recht, was sie tun können außer sich zu empören und darauf zu hoffen. Dass die Zeit die Verlogenheit der braunen aufzeigt und sie sich wieder verkriechen in den Löchern aus denen sie gekrochen sind. So, dass der Wein wieder so sorglos getrunken kann wie früher. Ihre Hoffnung ohne Rezept.

Diese Hoffnung ist naiv.

Wir haben verlernt miteinander zu reden. Wir haben verlernt die Selbe Sprache zu sprechen. Verlernt denen zuzuhören, die nicht nur das sagen wollen, was wir hören wollen. Was wir gewohnt sind zu hören. Wir haben verlernt den Kontakt zu halten zu denen die wir wirklich brauchen um die Träume einer befreiten, sozialen, herrschaftsfreien Welt voranzutreiben.

Diese Träume schweifen ab in die Ferne und wer sie noch in Parolen verpackt entlarvt sich selbst dabei aufzuzeigen, wie egoistisch der eigene Fokus doch ist. Zeigt auf, dass der Blick innerhalb der kleinen ritualisierten Demonstration endet und gar keinen Platz lässt für die, die am Rand der Straße stehen und das für sie so seltsam wirkende Spektakel verständnislos beobachten.

Es gibt reale Kämpfe die geführt werden müssen. In der angebrachten Schärfe die Worte bewirken können. Zudem bleibt: Die Utopien gehört dazu, doch die Farbe zum ausmalen, wird im Moment leider anders benötigt. Sonst steht alles auf dem Spiel. Die Malerei muss anknüpfen an dass was uns umgibt und nicht in ferner Zukunft schwelgen. Es gibt Menschen, die würden den Pinsel klauen und versuchen ihn nie wieder zurück zugeben. Dass ist die bitterernste Realität um die es hier geht.

Aufwachen.

Den Blick schärfen, für dass was kommen könnte. Den Blick schärfen, für die, die einem entgegenstehen. Den Blick schärfen für die Probleme der anderen. Den Blick schärfen für die eigene Schuld es nicht von vornherein anders gemacht zu haben. Die eigene Schuld für den Aufstieg von Hass und Gewalt sitzt tief. Vergessen werden darf dies nicht.

Ins Bewusstsein muss die Tiefe der Realitäten die nebeneinander in den großen- und den kleinen Städten und bis in die entlegensten Dörfer existieren. Niemand ist abzustempeln. Veränderung geht nicht ohne den Austausch von Gedanken und Haltungen, wenn sie das Leben für alle erleichtern soll ohne andere dafür zu Opfern.

Schau ihnen ins Gesicht und ihr könntet einander erkennen. So wie sie dir und den zugereisten ins Gesicht blicken könnten. Ihr seid nicht so verschieden, es fehlt vielleicht nur der sichtbare Anknüpfungspunkt. Es ist nicht einfach. Das Eis zu brechen. Aus dem Stottern zu kommen. Die Aufgeregtheit zu ignorieren und einfach zu fühlen, wie sich der Widerspruch anfühlt. Es fehlt nur die Bereitschaft, die eigene Arroganz fallen zu lassen und vom hohen Ross zu steigen. Hinab in die Felder, auf denen schon seid Ewigkeiten letztlich alles entscheidet.

Worte, Taten. Bewegungen. Ein Ende der Reaktion auf die treibenden.

Es braucht Ideen, die zu den Bedürfnissen derer passen, die man selbst nicht repräsentiert, weil diese es noch nicht schaffen für sich so zu stehen, dass sie nicht ihr eigenes Grab schaufeln. Es braucht die Hilfe für eine Selbstermächtigung, die davon Abstand nimmt gegen Menschlichkeit zu agieren.

Wirkliche Änderungen können nur die Leute selbst schaffen. Die alten, wie die jungen. Die armen, wie die reichen. Die schönen und die, denen dies nicht zustehen mag. Gleich Herkunft. Geschlecht. Hautfarbe. Beziehungsform und sexueller Orientierung und dem was noch alles die Menschen voneinander trennt. Doch es braucht die Hilfe die Weichen so zu stellen, dass dies auch gelingen könnte. Dort anzusetzen könnte ein Hebel sein. Wenn mehr auf die Offenheit von Ohren und die physische Existenz gesetzt werden würde, als auf Studien und die Optimierung des eigenen Lebenslaufes, könnte dies weit mehr erreichen, als die letzten Reste der Verfolgung von im Kern immer schon von Geisteseliten angetriebenen Ideen und Ideologien.

Ein Aufbruch ist notwendig.

Ende der plumpen Gegenwehr. Auf zum Bespielen der Bühne mit neuer Vielfalt und Offenheit. Vorleben und sich beeinflussen lassen. Lernen. Nichts ist ausgemacht. Alles kann revidiert werden. Es ist schwer eigene Fehler einzugestehen doch es gibt nur wenig, was lobenswerter ist als dies tatsächlich getan zu haben. Raus aus den eigenen Vier Wänden. Mögen sie auch noch so gut eingerichtet sein. Mögen sie auch noch so schön sein.

Es geht um alles. In anderen Ländern, in denen sie sich schon in Sicherheit wiegten warten nun die Panzer auf den Plätzen für den Fall das Protest sich regt. Es darf auch hier nicht soweit kommen. Wir brauchen Anschluss an das was uns umgibt ohne Ideale aufzugeben. Das was Menschen zu träumen gelernt haben. Wir brauchen das Bewusstsein für die anderen. Wir brauchen Verständigung nach innen und außen. Wir brauchen Behutsamkeit. Wir brauchen Verständnis der anderen wie von uns selbst.

Es gibt so viel tun.

Jeder Anfang ist schwer, doch aus der Bedrohung wächst eine Kraft die allen die im Hintertreffen stehen dabei helfen kann, wieder die Stimmen einer sozialen Veränderung erklingen zu lassen. So laut, dass auch die bedrohlichsten Stimmen der Hetzer wieder verstummen und untergehen, am Rand dessen, was wir als Gesellschafft kennen.

Heute beginnt ein neuer Tag.

Fuck

Sein Vater ist gestorben. Es ist Jahrestag. Es ist ein Konzert seiner Band. Es gibt sehr viel Bier und Schnaps. Es ist sehr kalt. Es ist in einer alten Fabrikhalle am Rande einer großen deutschen Stadt. Es haben sich etwa 30 Leute in den Saal verirrt. Er ist betrunken. Er trinkt viel. Er trinkt viel, wenn er spielt. Er ist leidenschaftlich. Herzblut. Traurig. Lustig. Froh da zu sein. Kummer der nicht vergeht. Es ist laut. Es wird geschrien. Die Gitarren zerren. Ein Song. Eine Ansage. Ein Lallen. Die anderen aus seiner Band, seine Freunde, stehen herum und warten darauf was er von sich gibt, oder was er versucht von sich zu geben. Ein Song. Alles schief. Eine kurze Ansage. Kurze Entschuldigung. Er geht durch das Publikum raus aus dem Konzertsaal. Mit den Kahlen Wänden. Dieser alten Halle. Schnell. Der Weg zur Toilette ist weit. Fabriktoilette. 20 Waschbecken. Unmengen von Klos. Fast alle kaputt. Schnell eins finden. Schnell kotzen. Alles muss raus. Wieder zuviel. Scheiße. Papa. Hoch die Beine. Zurück durch die Gänge. Die anderen Warten schon. Weiter. Schnell. Alles schief. Alles Laut. Alles extrem. Die Gitarre Ausdruck. Melancholie. Lärm. Betrunkensein. Alles hat ein Ende. Ansage. Aufruf sich im Kreis zu drehen. Ein Paar junge Jungs freuen sich und nehmen sich den Raum. Die Studenten greifen ihre Mate etwas fester und bewegen sich zu den Rändern. Die Band schaut ungläubig, die Studenten schauen ungläubig, ob der im Kreis rennenden schwitzenden Körper. Die Menschen in den Körpern in Extase. Er weiß nun. Auch mal ausprobiert. Geht auch. Mit genügend Überzeugung und wenn sies selber schon wollen, kann man den Leuten sagen was sie tun sollen.. Wenn er das gesehen hätte. Eigentlich gut, dass es nicht so ist. Dramatisch das Ende und unbekannt was danach. Niemand erklärt einem das. Kein ernst zunehmendes Buch der Welt kann das. Auf wen hören? Wie damit umgehen? Wie? Wenn nur Fragen bleiben. Laut. Der Sänger schreit. Alles raus, wie immer. Doch jeder Verspieler auf der Gitarre schreit um ein vielfaches mehr. Unzählbar, trotz Versuch. Alles Klagelied. Alles direkt. Alles schnell vorbei. Alles gut. Freunde da. Der Zirkus geht weiter. Das Licht aus. Nächste Stadt. Nächster Tag. In einem Jahr Jahrestag.

Reise, ausschnittsweise

Ljubljana

Београд

Prizren

Tiranë

Охрид

İstanbul

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Nachtzug

Bahnhof Sofia. Kurz vor 9. Nur 3 Wagen. Der türkische Schaffner mit dem Schnäuzer weist mir einen Platz zu. Es ist nicht der, der auf der Reservierung steht. Aber es hat wohl seine Richtigkeit, so versichert er mir Das ist also ein Liegewagen. Ein auf dem ersten Blick ganz normales Zugabteil Der Unterschied ist nur dass die Sitze ein wenig merkwürdig aussehen und sich auf dem Zweiten Blick als ausklappbare Betten darstellen. Am Fenster der Halbmond und ein Stern. Dieser Zug ist türkisch. Der Schaffner hält mir einen Zettel hin. Ich soll Namen, Nationalität und Passnummer aufschreiben. Dann bekomme ich ein Kissen und Bettwäsche. Außerdem eine kleine Flasche Wasser, eine Packung Cracker und einen Tetrapack Kirschsaft. Er fragt nochmals nach meiner Sitzplatzreservierung und nimmt mir den Zettel weg.

Abfahrt. Pünktlich um 21:00 Uhr. Der Zug fährt langsam. Ein stetiges Rumpeln, Doch als er sein Tempo beschleunigt, fährt er doch unerwartet ruhig. Ruhiger jedenfalls als die ganz alten Züge die ich aus meiner Kindheit kenne und dessen Relikte ich nur noch selten betrete, mit ihrem sich Stets veränderndem Repertoire an Lärm und dem Gefühl dass damit einhergeht so richtig unterwegs zu sein.

Ein erster Halt an dem niemand zusteigt. Manchmal blitzt draußen die Oberleitung. Aber vor allem Leuchten die Lichter der Orte und Straßen. Die Cracker und der Saft schmecken ganz gut. Einfach, aber gut. Ich bin allein in meinem Viererabteil und frage mich ob und wie lang das so bleiben wird. Der Mann der mir den Platz zugewiesen hat und die Geschenke verteilt hat, war scheinbar doch nicht der Schaffner. Dies denke ich als eine Schaffneruniform die Tür öffnet , „Ticket!“ ruft und weitergeht um selbiges an nächster Tür zu wiederholen. Daraufhin tritt eine blonde Frau auf Stöckelschuhen, ebenfalls in Schaffneruniform ein, nimmt meinen Fahrschein entgegen, setzt sich auf die gegenüberliegende Seite und schreibt eine Notiz auf die Rückseite meines Fahrscheins. Zugnummer, Datum und vermutlich ihre Unterschrift.

Ruhe, eine Weile. Ich schreibe. Wenn ich aus dem Fenster blicke sehe ich im Dunkeln den vorbeiziehenden Abend Bulgariens. Bis die Abteiltür wieder aufgeht irgendwann aufgeht und eine junge Frau hereingewiesen wird. Müde sieht sie aus. Auch Rucksackreisend. Der Rucksack ist riesig. Sie macht sich ihr Bett fragt mich auf Englisch ob sie das Licht ausmachen kann, was ich bejahe und legt sich schlafen. Ich klappe den Rechner zu und tue es ihr gleich. Draußen zieht weiterhin die Landschaft vorbei. Wenn ich mich mit dem Kopf auf die Seite lege, kann ich sie sehen, die Felder, die Lichter, den Horizont, den Mond, wie er in das Abteil hereinstrahlt. Auch sehe ich Bahnhöfe. Immer wieder grell erleuchtete und nahezu menschenleere Bahnhöfe. Ein paar einsame Gestalten die zusteigen. Das ist alles. Ich bin irgendwo froh nicht alleine zu sein. Auch wenn wir kaum gesprochen haben. Grenzkontrollen machen mir immer wieder Sorgen und diese ein wenig mehr. Der deutsche Pass bringt einem überall hin, auf Reisen lernt man dieses Privileg zu schätzen. Hier jedoch bin ich mir das erste mal nicht mehr so gewiss, auch wenn ich dennoch weiß, anders als andere nichts zu befürchten zu haben. Ich schlafe, wenn überhaupt, kaum.

Bis es endlich an der Tür klopft. „Passport Control“. Die Grenzkontrolle zur Ausreise aus Bulgarien. Eine Polizistin mitteren Alters öffnet die Tür und nimmt unsere Pässe, bzw. den Pass meiner Abteilgenossin und meinen Personalausweis entgegen und nimmt sie mit. Warten. Ich sage meiner Abteilgenossin, dass ich diese Kontrollen hasse und daraufhin beginnt dann tatsächlich eine Unterhaltung. Sie kommt aus Spanien, Valencia, reist seit etwa 2 Monaten. Von Deutschland über Osteuropa den Balkan hinunter. Alleine. Mit Freunden. Hitchhiking. Couchsurfing. Hatte zu Anfang ihren Pass nicht dabei. Ein Freund hat ihn ihr hinterhergebracht. Sie hasst Grenzkontrollen ebenso und findet sie überflüssig. Sie hat davon gehört, dass man an der türkischen Grenze aus dem Zug aussteigen muss. Ich finde das unangenehm, denn das Bett ist bequem und draußen ist es kalt.

Die Pässe kehren zurück und der Zug setzt sich langsam wieder in Bewegung. Nach kurzer Zeit wieder der Mann mit dem Schlafzeug. „Turkish border control. Exit train“ Sie hatte also recht. Der Zug steigt aus und wird in einen leeren, etwa 40 qm großen Raum geschickt. Er passt dort ohne Probleme rein. Die drei Waggons und die Lok bleiben zurück. Sie waren scheinbar nicht gerade bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Hund reist mit und fasziniert so einige, auch sie und das fasziniert wiederum den Hund selbst, der sich prompt zu ihr legt, wie sie da verschlafen an der Wand hockt. Bis sie der Crackermann anweist aufzustehen. Nicht die Höflichkeit, die dem Ort der Einreise in einen Ehrenwerten Staat mit vergilbten Fließen gebührt. Nach kurzer Zeit bildet sich eine Schlange zu dem vergitterten Fenster zum Nebenraum. Hinter dem Fenster sitzt ein junger Grenzbeamter und stempelt. Danach gehen die verschlafen wirkenden Passagiere wieder zurück in ihre Betten. Der Zug bleibt noch. Wir reden. Ich sehe aus dem Fenster und sehe wie sie mit Taschenlampen unter dem Zug aus der Entgegengesetzten Fahrtrichtung leuchten, der sich ebenfalls gerade in der Kontrolle befindet. Als Dann klopft es nochmals an der Tür. Doch ungewöhnlich ist: Kein Rufen und die Tür wird nicht aufgerissen. Sie macht nach zögerndem realisieren ob es wirklich geklopft hat auf. Ein weiterer Grenzbeamter. Er fragt wieder nach den Pässen, kontrolliert wohl kurz ob auch tatsächlich alle ihre frischen Stempel haben. Er lässt das Licht aus. Da dem so ist geht er weiter und schließt gar die Tür. Verdutzt ist sie. Mit beeindrucktem Gesicht sagt sie, dass sei der freundlichste Grenzbeamte, den sie je erlebt hat. Höflich, abwartend und Rücksichtsvoll. Ein paar letzte Worte wechseln noch die Position im Raum und der Zug wiegt uns in den Schlaf.

Ich erwache vor Sonnenaufgang. Langsam erhellt sich der Horizont. Färbt sich die Landschaft und wird immer klarer. Felder und Hügel. Der Himmel ist wunderschön und die Sonne strahlt direkt auf mich ins Abteil. Irgendwann dann die ersten Vorortsiedlungen einer viel zu großen Stadt, als dass sie noch greifbar sein könnte. Ich will nicht dass die Reise schon endet. Ich will wieder schlafen. Doch es klopft dann doch wie befürchtet an der Tür. Halkali ist nicht mehr weit. Die Endstation, da der Zug seit ein Paar Jahren, nicht mehr nach Istanbul Sirkeci, ins Zentrum der Stadt fährt. Ich weiß nicht wieso. Es heißt aufstehen. Sie ist noch verschlafener als Ich. Ich nun immerhin wieder etwas aufgeregt. Bettzeug entfernen ist die Ansage. Wir geben es zurück verschlafen betrachte ich die beginnende Monotonie, des Betons dieser Stadt. Die Siedlungen sind neu und für die besser gestellten. Sie sind riesig doch erscheinen sie Leblos. Es ist früh am morgen und alles in das gelbliche Morgenlicht getaucht. Wasser ist zusehen. Die Siedlungen ziehen vorüber und wir sind immer noch nicht da. Sie war noch nie in einer so großen Stadt sagt sie. Ich auch nicht sage ich. Irgendwann hält der Zug dann doch. Der Bahnhof nicht mehr als ein einfacher unüberdachter Bahnsteig mit zwei Gleisen. Wir folgen den anderen, links – rechts – links und dann steht dort ein Bus, in dem der Gesamte Zug, inklusive des Mannes mit Schnurbart der Türkischen Eisenbahn Platz findet. Dann im morgendlichen Verkehr bewegt sich der verschlafene Bus in die Stadt, der Endpunkt vor dem Alten Bahnhofsgebäude. Ein Erster Blick aufs Goldene Horn. Wir suchen ein Café. Kaffee und Tee. Wir werden uns wieder sehen um uns die Stadt anzuschauen. Kurz darauf werden wir uns dann nicht mehr wiedersehen. Wahrscheinlich nie wieder.

Wo und Wohin

Gleisbauarbeiten um halb drei

Wir sind viel zu viele um noch jemand sein zu können.

Solang so viele Frauen noch auf Bukowski fliegen bleibt alles beim Alten.

Platzende Kondome erhalten die Spannung ein wenig aufrecht.

Und die Einrastfunktion an der Tastatur existiert noch, nur um sie wegklicken zu müssen.

Wir bleiben mehr und mehr alleine im Dickicht der Chancen.

Treffen uns nur um zu zeigen wer wir sind, nicht um uns zu verbinden.

Alle sehnen sich, doch niemand hat mehr den Mut.

Dabei sind die Leuchttürme verlassen, keine wichsenden Wärter mehr.

Im Wind und in Wellen schwimmt nun mehr nur noch der ganze Müll.

Und Plastik hält einfach besser, als Recyclingpapier.

Ein Fisch schnappt gierig zu, sein letzter Laut war „Blubb“.

Zukunft. Im kommen. Schneller als du denkst, denkst du gar nicht mehr.

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Alte Töne und neue Wege

Es zerrt an ihm. Wieder steht er hinterm Tresen des Geschäfts des Vaters. Handwerkerbedarf. Bohrmaschinen, Schrauben, Sägeblätter, Türklinken. Seit Jahren schon. Er hat das nie gewollt. Es war nicht seine Idee. Es hat sich so ergeben. Es schien eine Notwendigkeit und es lag ganz einfach sehr nah dies so zu tun. Auszuhelfen um sich die Miete leisten zu können. Hier hinterm Tresen ist nicht seine Welt. Er ist wer anderes. Er hat Träume und Ziele. Er hat einen Hang dazu die Dinge, die er gerne macht. Lange und Leidenschaftlich zu verfolgen. Er hat aber auch einen Hang dazu Dinge die er halt so macht nicht zu ändern. Egal ob er sie mag oder nicht. Dann wäre da noch das Problem mit den Abschlüssen. Ein Abitur hat er nicht. Im Gegensatz zu den meisten seiner Freunde. Das nagt an ihm. Genau wie die Eltern mit ihrem kritischen und stetig ermahnenden Blick. Eltern die eine Meinung dazu haben was zu und was zu lassen ist und was zu ehrlicher Arbeit dazu gehört. Das setzt ihn unter den Druck, den er einfach nicht gebrauchen kann. Zu sehr müht er sich schon ab den geforderten der anderen zu entsprechen. Und so schafft er es nicht. Wieder und wieder nicht. Die Prüfungen sorgen für Panik. Das gelernte will einfach nicht gelernt sein. Anwendbar. Stunde um Stunde lernen. Um durchzufallen. Mathe war als Kind schon scheiße.

Was er wirklich liebt.

Seine Freunde, neue Begegnungen, die Natur, die Musik, die Bewegung, gutes Essen, auch gerne mal Erfahrungen mit Drogen, aber alleine Im Stillen währen diese nichts. Sie entfalten nur Wirkung in der Nähe ihm lieber Menschen. Sein Zimmer ist ein Sammelsurium von Instrumenten, dessen Grenzen wiederum stellt nur das Vermieterpaar eine Etage weiter unten dar, dass ihn zur Ruhe zwingt. Dabei ist er eigentlich ganz bescheiden. Nur eines reicht ihm schon um sich tagelang nichts anderem mehr zu widmen. Nur die Zwänge und die guten Begegnungen mit Freunden bringen ihn zur Unterbrechung des Eins sein mit den Farben der Klänge.

Es dauert alles viel zu lange. Er etwas älter als die anderen Freunde die ihm Umgeben. Stets das Gefühl wenig geschafft zu haben. Im Hintertreffen. Keine Liebe die erwidert wird. Keine Zweisamkeit. Frust. Die immergleichen Abende werden auch nicht besser. Die Aussicht bleibt gleich. Die Gleichen Straßen. Die Gleichen Wiesen. Die Gleichen Wälder. Die Gleichen Berge. Etwas muss vergehen. Was ohnehin nie zum bleiben bestimmt war.

Ein Ruck.

Ende mit dem nächsten Versuch zum Abitur. Es ist nicht alles richtig und wichtig was die Leute sagen. Manchmal muss man einfach Weg. Mit dem Beil die Seile kappen. Los schippern ins unbekannte. Mal sehen was kommt. Der Job beim Vater beendet. Das Zimmer gekündigt. Sein Liebstes Instrument auf den Rücken. Aufmachen um die Welt zu umarmen. Schauen was sich dort so zu finden ist. Außer ihm selbst. Viel Glück.

Zwei

Robert

Dunkelheit mit Highlights. Es beginnt mit der hoffnungsvollen Erwartung auf die Nacht. Dieses mal etwas mehr Entgelt entrichten um dabei sein zu können, dazu sind sie bereit. An anderen Orten wird dafür sehr lange gearbeitet. Aber sie können es einfach, standesgemäß. Für das Versprechen in eine Parallelwelt eintauchen zu können. Doch zuerst Warten sie davor. Schlangestehen. Rauchen. Ungeduld. Menschen die es nicht schaffen loszulassen. Die Angst zu kurz zu kommen sitzt tief. Die Ellenbogen enden nicht vor der Tür und auch nicht dahinter. Dabei zu sein heißt sich abgrenzen zu können. Die Schlange schlängelt sich langsam voran, gewinnt an größe. Stück für Stück gelangen die Menschen zur rettenden Tür.

Das reinkommen fällt leicht, sie schauen nicht wirklich nach etwas. Heute nicht. Wird schon. Außerdem gibt es Dinge bei denen es besser ist, wenn sie nicht gefunden werden. Drinnen dann kahle dunkle Wände zudem unsichtbare Wände von Klängen, die sich durch die Räume bewegen, an Boden, Decke, der Bar und den Menschen wiederhallen. Es ist recht Dunkel. Es ist recht spärlich. Immer rationaler ist die Welt gestrickt worden und das hier ist ihr spiegelloser Spiegel. Hier Stampfen.

Die Treppe nach oben hier vermischt sich die Fülle der Eindrücke mit dieser Hitze. Der Schweiß in weiß und schwarz gekleideter Körper. Dicht an dicht. Sie versuchen sich hier in dieser Sauna zu bewegen. Nur die wenigsten schaffen es auch. Es ist eigentlich zwecklos. Doch das ausgegebene Geld und die Drogen machen gefügig. Wenige Oasen der Lüftungsanlage. Beim durchzwängen erscheinen Sie als lichtloses Lichtquelle, die vorüber geht, weil man hier nicht stehenbleiben kann und will.

Wieder nach draußen. Feuchter warmer Sommer. Der Blick vom Balkon auf den Fluss, auf der anderen Seite der Hafen in Dunkelheit. Eine Brücke, dahinter die Türme der großen Stadt. Sie rauchen. Sie reden inhaltsleeres Zeug ohne zu flachsen. Alle zusammen allein. Sich ausleben als Egotrip. Er schnorrt sich eine Kippe, kommt aus Berlin. Man sollte mal hier gewesen sein. Darum der Besuch. Auf der anderen Seite des Gesprächs ist es nicht anders. Nach der Vorstellung endet der Austausch. Die frischgedrehte Kippe ist schon übergeben. Ende der Abhängigkeit.

Wieder rein, diesmal über die Außentreppe nach unten. Hier ist die Musik bunter, aber kaum zum versetzen in Rauschzustände geschaffen. Dafür etwas Luft zum Atmen. Etwas Raum zur Bewegung. Eine Möglichkeit ohne Kollaps die Zeit vergehen zu lassen. Die Einfälle durch die Boxen erfreuen wie Nerven gleichermaßen und irgendwie könnte das hier auch Festsaal im Keller des Schützenvereins sein. Die Unterschiede finden sich im Detail.

Nach Zeit und Bewegung, wieder nach Oben. Lichterer Raum in der Dunkelheit. Es geht nun, dass mit den Fallen lassen und es ist gut. Die Monotone Vielfalt zwingt zur Anerkennung. Die Lautsprächer lassen spüren was du hier fühlen sollst. Die Beobachterrolle bleibt. Bei manchen geschieht das intuitiver als bei anderen. Die Menschen bewegen sich so verschieden wie sie sind. Die Menschen bewegen sich so gleich wie sie sind. Ohne konkret verfasste Regeln und ohne strenges Training. Ungelenk und holzig. Geschmeidig und betörend. Zart und im Einklang. Robust und wütend. Intensiv und voller Ektase. Alle im selben Konsens, alle unterschiedlich und dennoch einander verwandt. Das Licht ist zart, bunt, doch zumeist aus. Die sechs Fernseher über den Pult sind tief aus einer anderen Zeit und was sie zeigen, ist so wenig das es nicht das wesentliche stört. Die Leute können drauf gucken, aber sie sehen nur wenig.

Das Wesentliche. Hier ist es. Vielleicht. Hier kann es sein: sich zu leeren und im nichts aufzugehen. Einen Moment der Befreiung spüren. Der Rebellion ohne Widerständigkeit. Im Einklang mit einer Idee, die nicht viel voraussetzt. Doch dazu gehören letztlich doch nur die, die hier anerkannt werden. Die gut genug sind um an diesem Ort zu sein. oberflächliche Welt.

Die Trance bleibt eine Weile in der Luft, während a das Grau hinter den Fenstern sich langsam aufhellt. Der Schutz der Dunkelheit ist keine Notwendigkeit. Es geht auch im Licht, wenn alle sich frei genug im Gefängnis sehnen.

In der gräue des Wolkenverhangenen morgens sitzen sie draußen und sind weiter belanglos. Mit müden Augen. Erweiterten Pupillen. Schauen rüber auf den Hafen. Auf Arbeit die sie nie tun werden müssen. Die Härte erleben sie nur durch Vergnügen und der Notwendigkeit der Verwaltung ihrer selbst. Es ist nicht ihre Welt. Sie stehen da drüber, sie haben die Freiheit dafür zu bezahlen ihre Energie loswerden zu können. Wie schön sie alle sind. Wie in den Zeitschriften, die mit mattem Papier gedruckt werden. Die weiten lässigen weißen und Schwarzen T-Shirts mit dem Wert im Detail. Angezogen wie die Wände von Innen und Außen. Perfekt liegende Haare, perfekt gestutzte Bärte. Der Stolz in den Gesichtern etwas zu sein. Etwas zu wollen in Leben. Und sich deshalb nur unter Gleichen zu verausgaben. Nicht mehr Dorfdisko, wie früher mit den ganzen anderen Atzen.

Alles doch auch Flucht, die scheinbar gar keine ist. Nur die Notwendigkeit weitermachen zu können. In der Rolle, die einen die Welt doch letztlich vorgibt. Der Rausch zum Zweck der Zerstörung zur Selbstoptimierung. Seltsame Welt.

Wir gehen raus. Der Bekannte von meinem Kumpel der mitkommt macht sich Sorgen um das Verhalten seiner Freunde. Er macht das immer sagt mein Kumpel mir. Doch Gemeinschaft. Schwer zu erkennen hinter all den Masken. Draußen auf dem Weg zum Schlaf setze ich sie ab. Sie ist nicht alles. Sie kann es aber vorgeben, dies zu sein. Vielleicht nicht dasselbe. Letzer Gedanke.

Osterholz

Mitte zwanzig. Dann doch mal wieder auf den Profilen der Menschen hängengeblieben, die damals allmorgendlich meist ähnlich verschlafen wie ich den Weg in das selbe Schulgebäude angetreten haben. Nur wenig ist hängengeblieben. Noch weniger geblieben. Namen über Verknüpfungen, die schon längst in Vergessenheit geraten sind. Der Kopf erinnert sich und findet nicht viel. Das Gesicht. Ein Gefühl. Vielleicht eine Eigenschaft. Ich klicke mich durch die Profile und bin gespannt auf das was sie mir Zeigen können. Was geben sie Preis. Was habe ich verpasst. Wo ist das Popcorn? Wo ist gerade ihr Weg, natürlich nur so wie sie ihn der bekannten Welt zeigen wollen.

Doch so ernüchternd. Kein großes Kino. Nicht einmal GZSZ. Eher wie ein Soziologieaufsatz von Pierre Bourdieu. Einer der kurz und nur spannend ist für Leute, die wirklich meinen da hätte etwas Bedeutung, gar Wichtigkeit und Priorität. Nichtnur für die, die das nur sagen würden um in der Uni cool zu klingen.

Da ist diese Gelassenheit in ihrem Leben. Einer zwar in Belo Horizonte. Jemand anderes in Frankfurt am Main. Aber die meisten dann doch sehr bemüht darin so langweilig zu sein, wie das warten auf den Bus. Bemüht den Kreislauf so fortzusetzen wie er einst war. Ein kleines Leben am Rande Bremens, eine Verlobung. Eine Hochzeit. Ein bis zwei Kinder. Glücklich lächelnde Gesichter junger Paare noch vor der großen Frustration der Romantik – Die Besuche in den Swingerclubs, die den nachfolgenden Lebensabschnitt mit Sinn füllen werden stehen noch aus – Ein Nest wollen sie bauen und ihre Ruhe haben. Sie beschweren sich über den Lärm der Nachbarn, die Feiertags Nägel in die Schränke hauen. Sie sind alt, nur ohne Inkontinenz und Rückenprobleme. Sie feierten ihre Abschlüsse. Sie zeigen Familienfotos. Die Türkei spricht und lebt in der Norddeutschen Tiefebene weiter. Das ist schon ok so, aber auch seltsam. Alle sind wir hier Geboren und doch leben wir in verschiedenen Welten und ich kann sie nicht einmal verstehen. Sie beglückwünschen einander zu Geburtstagen, an die sie eigentlich nur die Benachrichtigungen des Portals erinnern. Einige kennen sich scheinbar noch so richtig und haben sogar etwas miteinander zu tun. Gemeinsame Fotos aus den letzten Jahren. Die eine, die jedes Jahr ihren Traumprinzen findet, findet immer noch jedes Jahr einen Traumprinzen. Schön diese Verlässlichkeit. Und dann sind da noch die Eltern, sie sind so Stolz. Sie wollen den Kontakt nicht verlieren. Sie beglückwünschen die Schönheit ihrer Kinder und merken nicht dass sie das vielleicht ihren Kindern besser direkt sagen sollten, als es in Kommentare zu tippen. Diese Menschen, die mir jetzt so fremd sind. Sind so weit vorn. Und ich kann sie nur noch sehen aufgrund einer Erfindung die vornehmlich der Kriegsführung und der Pornographie dien.Diese Menschen halten die Welt zusammen, denn sind zufrieden mit dem was sie erreichen können. Ganz realistisch. Klug und voller Ruhe.

Ich bin nicht wie sie. Ich suche nach Wegen die den meinem ähneln doch finde sie nicht. Keine gemeinsamen Interessen. Keine Linksexstremisten. Keine angehenden Künstleridioten, die glauben sie seien etwas besseres. Ich bin kindlicher und vielleicht zugleich etwas weiser. Frustrierter und naiver. rebellischer und etwas asozial. Wie gesagt, etwas Besseres. Ich kümmere mich einen scheiß um sie und sie haben sich auch nicht gekümmert. Doch ist dort bei ihnen so viel mehr Fürsorge für die nächsten zu finden. Ich hingegen kappe nur weiter meine Wurzeln während sie sie sorgsam pflegen. Ich frage mich wie lange ich mit ihnen an einem Tisch sitzen könnte ohne in Streit auszubrechen. Oder schlimmer noch sich nichts zu sagen zu haben? Ich trinke einen Schluck und wünsche ihnen in stummen Gedanken nur gutes und bin selber dabei ein wenig Stolz auf sie und gleichzeitig ungemein erleichtert, dass ich das nicht auch so machen würde. Das ist schon Ok so. Ob sich bei Tinder auch Mitschülerinnen finden lassen?

Istanbul