Archiv für August 2017

Viel Leichter

Er geht durch ein Museum und fragt sich wer Sie ist. Sie ist zugeben. Die Räume hier sind nicht wirklich lebendig, ist Sie es? Er fragt sich immerzu was die Menschen eigentlich wollen, also so wirklich wollen, vorhaben, begehren, wünschen. Auch wenn die Antwort auf der Zunge liegt. Zu einfach wäre es, daraufhin die Dinge zu tun, die naheliegen sollten. Viel leichter fällt es alles zu kompliziert zu machen, Umwege zu gehen und sich zu verstecken im Nebel den die anderen ausbreiten. Sich zu isolieren von all dem Dreck da draußen der sofort an einem haften bleibt, wenn man in diese schlammige Welt eintaucht. Jeder Schritt würde ihn tiefer reinziehen und letztlich seine eigene Schuld gestalten. So viel weiß er und deshalb bleibt ihm seine Umgebung ganz bewusst unbekannt. So sehr wie er selber unbekannt unerkannt bleibt. Darum ist es hier eigentlich so anders als draußen.

Schwanensee


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Außen

Es ist Nacht. Es ist nicht all zu kalt, weil es Sommer ist. Du stehst alleine im Feld und blickst hinunter auf die Lichter der Stadt. Der Ort in dem du deine Bleibe hast. Es sieht eigentlich ganz schön aus von hier. Die Lichter, wie sie in der Ferne in unterschiedlichen Farben leuchten. Aus dem Dunkeln strahlen sie hervor und reflektieren an den Wolken die sanft über die Szenerie ziehen. Sie machen die Nacht zum Tag. Ein bisschen jedenfalls. Sie versprechen Wärme. Sie zeugen von Leben. Anders als hier im Feld. Bei dir ist niemand. Ok. Leben gibt es hier im Feld natürlich auch, etwas davon krabbelt dir gerade die Beine hoch und hat vermutlich vor dich zu stechen. Aber das ist nicht das was ich meine. Ich spreche von den Freunden, die jetzt gerade bei ein paar billigen Flaschen Wein und etwas Gras in der WG-Küche sitzen, während Asirap Videos bei Youtube laufen und die beim soeben eröffneten Wettbewerb zum Zwecke der Zeitbewältigung, wer es denn schafft die bescheuertste Grimasse zu schneiden aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. Von denen da drüben im Stadion, die weinen, weil ihre Mannschaft gerade das entscheidende Spiel durch ein Gegentor in der vorletzten Minute verloren hat und die deshalb nicht mehr den Klassenerhalt schafft. Ich rede von den zwei Witwern älteren Semesters die gerade bei einem gutem Gespräch in einem gemütlichen Restaurant unten am Fluss sitzen und von Gefühlen durchflutet sind, von denen sie sich nicht vorstellen konnten, dass sie diese noch einmal erleben würden. Und ich rede von dem wütenden Geschrei zweier Junkies auf der Straße, bei dem, wie wohl zu vernehmen ist, der eine den anderem noch irgendwie Geld schuldet und dieses partout nicht zurückzahlt, sich jedoch keine Gelegenheit nimmt dem anderen nach noch mehr Geld zu fragen, sodass sie sich die Schulden immer weiter summieren. Ein Umstand der zwar des Öfteren zu heller Aufregung führt, aber wie jedes Mal schon nach ein paar lauten Worten wieder von wichtigeren Dingen überlagert wird.

Dieses Leben ist gerade dort unten in der Stadt. Du kannst es hören. Denk dir das Zirpen der Grillen weg. Konzentrier dich auf das so monoton und störend erscheinende Rauschen. All die Dramen. Das Leid und die Leidenschaft. Das Glück und die Tristesse. Die großen und die kleinen Geschichten. Sie verbergen sich in dem Rauschen und solange wie dieses Rauschen erklingt, setzen sie sich immer weiter fort. Ist das nicht irgendwie schön, zu erkennen wie der Puls schlägt? Ist es nicht beruhigend hören zu können, dass er schlägt? Es ist der Puls von dem was dich am Leben erhält. Du brauchst ihn. Aber die Menschen da unten in der Stadt, die brauchen dich nicht. Keiner von ihnen. Du stehst außen im Feld. Und der Puls der Stadt schlägt trotzdem. Egal ob du am Leben der Stadt teilnimmst oder nicht. Sie warten nicht auf dich. Der Glaube dass dem so wäre ist eine trügerische Illusion. Es ist eine aktive Entscheidung an dem Leben was sich dort unten abspielt teilzunehmen. Es hilft nicht zu warten. Es passiert nicht einfach so. Im Moment jedenfalls stehst du hier im Feld und lauschst dem Rauschen der Stadt. Du stehst außen, blickst auf die Häuser hinab und beobachtest was passiert. Du beobachtest. Du bewegst nichts. Außer dem rechten Fuß der sich jetzt doch erhebt um das Tier was sich da unten an deinem Bein festsetzen wollte beiläufig abzukratzen. Doch sonst ist hier alles ruhig. Und dort unten ist dieses Rauschen. Hier ist nichts, außer dem Gras, den Grillen, den Mücken, den Zecken und den Fledermäusen und dort unten im Licht sind sie alle.

Du schreist laut. Irgendetwas bescheuertes wie, „Aaaaah! Ein Nashorn!“ und „Jetzt oder nie, Anarchie!“ Mit dem Verhallen der wirren Schreie wartest du ab, ob etwas passiert. Du lauschst. Doch da ist nur wieder dieses Rauschen und das Zirpen der Grillen, sonst nichts. Ein paar Minuten lang tust du nichts als zu lauschen. Dann musst du dich mit der Feststellung abfinden das nichts passiert ist. Dein Handeln hatte überhaupt keine Auswirkungen, keinen Effekt, keine Relevanz. Du hättest genauso gut ruhig sein können. Dein Text hätte auch „Heil Hitler“ lauten können oder irgen ein Zitat von den Beatles oder Ailton. Es war völlig egal was du da gerade getan hast. Eigentlich für alle. ausgenommen jedoch nur einer einzigen Person. Dir selbst. Und du weißt das. Dennoch, für dich bedeutet dein Blick die Welt. Du kannst gar nicht anders. Du stehst hier im Feld und von dort aus nimmst du alles wahr was jetzt für dich existiert. Deine Realität, eine unter so vielen.

Du setzt dich hin und lauschst den Zirpen der Grillen. Das Gras ist etwas feucht. Es riecht gut. Du versuchst mit allen Sinnen das aufzunehmen was dich umgibt. Zumindest eine Weile lang. Doch dir wird langweilig. Heute Nacht kommt hier niemand vorbei. Wahrscheinlich. Du bist dir sogar ziemlich sicher damit. Welcher Grund sollte auch jemanden jetzt hierher verschlagen? Du bist allein. Auch wenn du insgeheim für dich hoffst, dass dies anders wäre. Dass jetzt rechterhand von dir in vielleicht fünfzig Metern Entfernung ein anderer Mensch im Gras säße. Mit dem Selben im Sinn und denn Selben Gefühlen die dich umtreiben . Ein Mensch der außen steht und in dem Bewusstsein darüber von einer zweifelnden Akzeptanz geprägt ist. Eine Person deren Geist alleine sein will aber stets fühlt dass ihr so immer irgendwo etwas fehlt. Ihr wäret ganz still und würdet erst nach einer ganzen Weile von einander Notiz nehmen. Im schummrigen Licht würdet ihr euch anblicken. Vielleicht eine halbe Minute lang. Sehen könntet ihr von einander nur eine dunkle Silhouette, doch ihr wüsstet von einander, dass ihr euch in die Augen blickt. Ohne miteinander zu sprechen, ja auch nur ohne die Gesichtszüge der anderen zu sehen, die Person zu riechen, zu fühlen. Ihr würdet einander verstehen. Euch wieder von einander abwenden und verfahren wie zuvor. Wissend, dass da noch jemand ist. Wissend das ihr zwar immer noch allein seid. Ein jeder bliebe für sich. Nur wärt ihr in dem Gewissen, das ihr nicht mehr die einzigen seid. Es würde euch beruhigen und ihr wäret doch irgendwie verbunden.

Nur ist dem nicht so. du blickst nach rechts, dort stehen ein paar Obstbäume, dahinter ein verläuft eine Stromtrasse. Ein riesiges graues und so vertrautes wie surreales Gerüst, dass sich in seiner nie enden scheinender Monotonie von dem übrigen Formen abhebt und ein merkwürdiges Muster an den Horizont zeichnet. Aber dort ist niemand, du blickst nach links und siehst nur einen verlassenen Weg der sich in etwa hundert Metern Entfernung befindet, dahinter ein weiteres Feld, dahinter ein kleines Wäldchen. Vor dir sind zwar allerhand Menschen, auch wenn du niemanden ausfindig machen kannst. Schließlich findet sich dort vorne die Stadt, aber dort ist nicht das was du suchst. Du drehst dich um. in deinen Rücken liegt die verschlafene Vorstadt aus der du hierher gewandert bist. Du siehst einen Wohnblock, in einigen der Fenster flackert noch das Licht der Fernseher, die den Mittelpunkt der Wohnzimmer in dieser Art der Wohnsiedlung darstellen. Aber draußen auf dem Feld ist nichts.

Es werden erst im Morgengrauen die ersten Menschen die Häuser der Vorstadt verlassen, einige um mit ihren Hunden vor der Arbeit Gassi zu gehen, andere gar sportlich mit Kleidung aus dem Adidas Outlet an der Autobahn. Wandernde Rentner. Das ist nicht die Art Leute auf die du wartest. Sie stellen das Gegenteil von dem dar was du gerade erlebst, sie haben gar die Kraft, den Zauber den dieser einfache Ort gerade ausübt zu Nichte zu machen und es ist gewiss, dass sie dies tun werden. Bevor dies geschieht musst du fliehen.

Du stehst also auf, drehst dich um und läufst schräg über das Feld zurück in den Ort aus dem du gekommen bist.

Sachsenwald


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Harmony of the Seas

Dauerwerbesendung – Dokumentation – über schwimmende Hotelanlagen mit Einkaufszentren mit Entertainment Area. Was ich sehe schreibt mir das Entsetzen ins Gesicht. freiwillig an Fäden aufgehängt, die sich erst nach Monaten, manchmal gar erst einem halben Jahr zaghaft, zumindest für eine Zeit lang lösen. Im Hamsterrad Tourismusindustrie 7 Tage Am Stück. gleichbedeutend mit 14, 21, 28, 35… . Unter Deck und somit unter Tage, im Meer und doch nicht am ertrinken, am Reisen ohne wirklich dort zu sein. Ein verkrampftes Funktionieren, möglichst gut gelaunt wohl gemerkt, im dazwischen. Da zwischen dem Rest eines Ich und der kollektiven Beliebigkeit. Gefangen in der auf Mehrwert gerichteten Maschine in der die Zahnräder längst nicht nur im Maschinenraum zu finden sind, sondern in jedem kleinem Detail dieser Parallelwelt, die der übrigen doch auch nur ihren Spiegel vorhält. Dabei jedoch nichts kaschiert. Nichtmal das kaschieren selbst.

Ich betrachte im Bewegtbild das System nach dem sich diese Leute sich dort abrichten lassen. Urlaub und Erholung für die nächste Runde Duisburg, Birmingham, Chicago, Singapur. Es ist so glasklar. Und damit die Illusion des gelingem aufrecht bleiben kann bleibt wer nicht fragt zwar dumm,aber immerhin ein wenig glücklich und vor allem naiv.
Bordunterhaltung, der seichtesten Sorte. Rutschen, Fressen, Kaufen, Rutschen, Bewegen und zusehen wie Körper sich recken, Singen und Tanzen. Menschen und Talente werden verschwendet für billige Shows, die nichts machen sollen außer Hungrig, Müde und wahrscheinlich auch ein bisschen geil.

So befremdet ich vom dem Anblick dieser Massenabfertigung bin, so sehr hebe ich mich selbst über diese Leute, die doch auch nichts anderes wollen als ein bisschen Flucht aus der Alltagsscheiße. Und es ist so traurig wie war. Die Welt bietet nicht mehr genug Platz damit einjeder Mensch, ein ruhiges kleines Haus zwischen den Dünen, in den Bergen, den Feldern und den Wäldern beziehen kann, wo nur noch die Brandung, die Bergziegen, die Grillen und das Blätterrauschen zu hören sind. Dafür trampeln gerade einfach zu viele Menschen auf diesem kugeligen im nichts umherfliegen Ding rum. Gestapelt und eingepfercht, aber immerhin Meerblick für fast alle. Ein Hauch von Sozialismus im brutalen Gewandt seines Gegenpols. Und auch wenn die schlimmsten Gase diese wandernden Umweltvernichter im Rekordtempo verlassen, so halten sie dennoch den Boden zumindest ein Stück weit frei vom Beton und geben noch etwas Gras eine Chance zu gedeihen. Damit die Postkarten nicht komplett nachretuschiert werden müssen.

ich schaue mir die Werbung an und frage mich ob es besser ist zu Hause zu bleiben und frage mich auch ob dieser Sinn schon bedacht ist, den Leuten besser einzureden zuhause zu bleiben und nicht nur weiter herum zu nerven mit ihrer Biographieoptimiererei. Ich denke, dass sich darüber niemand Gedanken macht, manches passiert einfach. Die Fäden bewegen die Arme dann doch irgendwie von selbst und was an ihnen zieht bleibt so unklar wie gestaltlos, so sehr wie es alles ist und zugleich nichts. Darauf einen Sex on the Beach von der Bionic Bar. Vielleicht ja doch eine Reise wert.