Archiv für Juli 2017

KurzCylig

Diktatoren #2


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Stehend Liegen

Der Wind hört nicht auf zu wehen und gibt den Blättern ihren Klang. Er zeigt ihre Präsens ohne sie sehen zu müssen. Ihr Rauschen ist leicht zu hören und schwer zu überhören. Zugleich ist es das Aneinanderprallen und umherschleudern der Blätter das uns zuflüstert wie intensiv die Brise, die Böe oder der Sturm gerade weht. Der Wind lässt auch das Spüren der Dinge zur Geltung kommen. Manchmal fühlt sich eine Böe unfassbar kalt an, aber manchmal gibt sie auch dieses Wohlgefühl von Leichtigkeit.
Ich werde nicht vergessen als wir damals in der vierten auf Klassenfahrt in Bensersiel auf die Fähre nach Langeoog warteten. Wir legten unsere Körper einfach in den Wind und vielen doch nicht um. Der Wind war verlässlich. Der Wind war kräftig und gab Kraft. Das war unbeschreiblich schön und doch zugleich: kalt, rau und nass. Es schlug Wellen, die noch lange brauchen um abzuebben.

Seichte Unterhaltung

Nachricht für Nachricht und doch kein Kontakt. Das tippen und klicken führt ins nichts, es verbindet ja doch nichts. Es bindet ja doch nicht. Wenn das Netz unendlich wird bleibt das einzelne unwichtig. Und das Netz hält letztendlich doch nichts. Ein runtergekommener Zirkus der stetig das alte als die neueste Sensation anpreist. Doch dabei vergilbt alles und jedes Versprechen wird gebrochen. Von hoch oben über der Manege ein Blick auf das Netz das zur Sicherheit dient. Ein Anker der Geborgenheit. Nur. Ein Fall von dort oben wäre tödlich. Das Netz würde reißen. Auch wenn das von weitem und im schummrigen Licht des Zirkuszeltes nicht erkennbar bleibt. Der Zirkus bleibt ein Mysterium. Der Zirkus ist eine Show. Für so manchen ist dies ersichtlich und sie meiden ihn. Für andere ist das ersichtlich und sie nehmen sie billigend in Kauf. Andere sind einfach nur naiv und lassen sich von jedem Mist ablenken. Die Glauben auch das ihr Penis um 5 Zentimeter wächst wenn man nur das Produkt in der blinkenden Anzeige bestellt. Die Glauben auch sie seien der 5 milliardenste Besucher von Google und würden deswegen einen Preis gewinnen. Auch glauben sie, dass sie mit Internetroulette Millionär werden können, wenn sie nur die richtige Technik vom richtigen Service in Anspruch nehmen. Sie glauben sehr viel. Manche Leute glauben gar jeden Scheiß. Kaufen tun sie ihn dann natürlich auch noch. Doch auch wenn sie dann ausgenommen werden wie ein Fisch vom gierigen Angler, der damit sein Heldentum mit Existenzsichernden wissen kombiniert, sind sie doch dennoch im Glück. Denn an der Luft können sie ohnehin nicht lange überleben. Und Unterwasser sieht man wenigsten das Unglück an Land nicht.

Nachricht für Nachricht und doch kein Kontakt. Das tippen und klicken führt ins nichts, es verbindet ja doch nichts. Es bindet ja doch nicht. Nachricht und Antwort und doch kein Kontakt. Reaktion bleibt beliebig. Und vorausschaubar. Stets die selben Fragen und jede Person antwortet nach dem Muster in das sie sich selbst manövriert hat und welches es den Algorhythmen so leicht macht, Menschen so zu kategorisieren, wie es Kasten, Klassen und Sozialforscher nie hätten tun können. Sie passen sich so zwanghaft an und dennoch nicht zusammen. Halten einander kaum länger als ein paar Tage Monate oder Jahre aus und fliehen beim ersten Widerspruch zur eigenen Illusion. Der eigenen Prämisse, die primär unverhandelbar bleibt. Ein Ich zählt vor allem anderen. Und wenn das für alle gilt, bleiben alle unbeholfen. Trink nicht so viel und mach mehr Sport. Dann gibt es wenigstens Antwort und vielleicht.

Nachricht für Nachricht und doch kein Kontakt.
Wenn ein Baum umfällt. Hört dann noch jemand sein Geräusch?

Verfärbt und oberflächlich

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zeig doch mal

Du fragst dich ob es was Besonderes ist. Ob es wert ist gesehen zu werden was du tust. Du gehst vom Gegenteil aus. Du hast schon zu viel gesehen. Und da genau liegt die Ironie. Doch die Ironie kann auch liegen bleiben. Du sprichst mit dir. Du sprichst mit der Welt. Doch die kann nur zuhören, wenn es laut wird. Was in der Stille geschieht, wird sie nie erkennen. Dafür ist sie zu bunt. Dafür hat sie einfach schon viel zu viel gesehen.

Man könnte auch beschließen alles sein zu lassen und das werden zu beenden. Dem kann ich nicht widersprechen. Jedenfalls nicht wenn ich ehrlich bin. Ich hab da keine guten Argumente. Nur den Bauch der sagt, dass das doch nicht alles sein könnte. Und dafür braucht es dein Handeln. Den Dialog von jedem einzelnen. Die stetige Wiederholung die vielleicht doch zu etwas neuem führt. Weil sie Leute bewegt, die sonst unbewegt bleiben. Es schwimmt sich nicht von selbst gegen den Strom. Manchmal braucht es vielleicht etwas von dir um den Anstoß dafür zu geben. Schrei es raus aus den Schubladen. Aber ich geb jetzt keine Garantie darauf, dass nicht letztendlich deswegen doch alles ersäuft, was sonst nur getrieben wäre. Sich haftbar machen wäre unter den gegenwärtigen Bedingungen äußerst unklug. So nebenbei.

Bleibend vergänglich und zudem egal

Auf der Bühne lässt sich die Sängerin den Titel des Songs tätowieren der als nächstes gespielt wird. Die Leute vor der Bühne stehen rum und blicken gelangweilt zu ihren Stehnachbarn. Sie warten darauf dass die Szene endlich vorbei ist. Sowas flaches ist unter ihrem Niveau. Die Idee hätte gereicht. Die Umsetzung war für die Katz. Nach zehrenden Minuten ohne Spektakel stet der Titel endlich auf ihrer Schulter. Ein Typ aus dem Publikum liest ihn, ins Mikro der Sängerin brüllend, vor. Niemand hat ihn verstanden. Ist ja auch egal. Das Konzert geht weiter. Geht zu Ende. Alle gehen nach Hause. Nichts hat sich verändert.

Malaysia ’16

kontakt
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bewegt
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erschöpft

Kämpfe und dessen Ignoranz

Gänse auf Wiese. Ein Vater kommt mit seinem Kind herüber. Sie haben Brot dabei und werfen es den Gänsen entgegen. Die Gänse Streunern herum auf der Suche nach Essbarem, doch brauchen sie einen Moment um ihr unverhofftes Glück wahrzunehmen. Dann zaghaft die Annäherung an die ersten geflogenen Brotkrümel. Dann hastig auf das Weißbrot zustürmend. Das Kind ist vergnügt als die Gänse zu beißen beginnen. Die Gänse wirken derweil urplötzlich angespannt. Nun stehen sie im Wettbewerb um dass was ihnen gegeben wird. Einige sind schneller im stürmen als die anderen und schnappen so manchen Gänsen das Brot direkt vor der Nase weg.

Inmitten des ganzen Trubels bewegt sich eine Gans langsamer als die anderen. Sie hält sich zurück. Sie kreist und interessiert sich kaum für die Brotkrümel. Nur zaghaft ein paar Schritte entgegen dem geworfenen, doch dann ist es ohnehin schon wieder zwecklos. Sie pickt lieber auf eigene Faust weiter nach dem die große Show wieder vorüber ist. Das Brot geht doch recht schnell zur Neige, auch weil der Vater es bezahlt hat. Sein Kind, dessen Aufmerksamkeitsspanne für die Gänse ohnehin vorüber ist und er ziehen wieder ab. Die Gänse bleiben zurück.

Sternschanze

Am Eingang zur S-Bahnstation bleibe ich stehen. Freitagabend und die Leute suchen den Trubel. Sie sind hungrig nach dem Erleben, auf Geschichten, die sie weitererzählen können, auf eine neue Liebe oder eine gute Zeit mit den besten Freunden. Die Leute sind willig zu geben. Kurz vor zwölf. Schneller Techno läuft aus einer Box. Dazu lodert Feuer durch die Nacht. Ein Feuerakrobatenpaar hat sich auf dem Platz vor dem Zugang zur S-Bahnstation positioniert. Sie schwingen Feuerstäbe. Die sehen so ähnlich aus wie die Wattestäbchen, die man sich in die Ohren steckt, nur sind sie viel viel größer. Zuerst nehme ich nur den Typ war. Energisch und stoisch schleudert er diese brennenden Riesenwattestäbchen in beeindruckend hoher Geschwindigkeit hin und und her, lässt in Kreisen, vor der Brust, hinterm Rücken, über dem Kopf. Manchmal wirft er den Stab auch hoch in den Himmel und fängt in wieder auf. Der Anblick der Flammen fasziniert, die Flackernde Wärme des Lichts und die Illusion, die in ihrer Rotation entstehen. So wird aus dem Stab ein geschlossener Kreis. Die Leute halten Abstand und scheinen mir doch nicht der Gefahr bewusst: was wenn er die Kontrolle verliert und den Stab in die bierselige Menge wirft? Als das Feuer zur Neige geht tritt die Feuerakrobatin auf den Plan. Ihre Bewegungen sind vorsichtiger und bei weitem von geringerer Geschwindigkeit, aber dennoch von großer Selbstsicherheit und in geschmeidigen Bewegungen. In Pumphose und weitem Top. Ich bin natürlich sofort verliebt. Sie schneidet mit dem Feuer eine Ruhe in den so hektischen und lärmenden Raum. Es riecht nach Benzin, den jetzt hat auch der andere seinen Stab wieder in Brennmittel getränkt und die Flammen zeigen zu beginn wieder ihre vollste Stärke. Und er legt los mit den Kreisen. Wieder die hohe Geschwindigkeit mit dem das Feuer durch die Luft fliegt. Es ist schön. Sie wechseln sich ab, sodass die Show nie endet.

Einer der definitiv mehr als genug hat, torkelt durch den Raum. Tanzt kurz zur Musik. Doch mit jedem Schritt fragt sich erneut, ob dieser in eine der verschiedenen Himmelsrichtungen führt oder nur geradewegs auf den Boden. Gleichzeitig wirbelt das Feuer und ich hoffe der Zufall entschließt sich nicht dazu, dass er sich ein paar Schritte zu weit in die wirbelnden Flammen bewegt.

Er ist zu entschlossen und zu unkonzentriert und will zu viel. Dadurch verliert er mehrmals die Kontrolle über den Stab. Einmal kokelt kurz seine Hose, doch er löscht das Flämmchen ganz schnell mit den Händen und tut so als wäre nichts gewesen. Einfach weitermachen. Doch die nebenstehenden Typen johlen und Schreien in gelösten Kehlen Dinge wie „Haha, fallen gelassen!.“ Er hat kein Lächeln für sie übrig und macht unverändert weiter. Schwingt die Flammen, doch lässt sie wieder und wieder fallen. Ich sehe einen Anflug von Zorn in seinen Bewegungen. Während Sie, die gerade mal wieder ihren Stab in neues Brennmitteleingetunkt hat, mit altbekannter und gekonnter Sicherheit, das ausführt was sie zu zeigen vermag.

Ich löse meinen Blick und gehe die paar Meter weiter zur Station um festzustellen, dass ich eh noch 9 Minuten habe bis mein Zug mich in den Vorort bringt. Und so drehe ich mich um, lehne mich an die Wand und schaue weiter in die Flammen. Bis ich von hinten ein kleines rumoren höre.

Ich drehe den Kopf. Ein Mitarbeiter des „DB Service-Store“ schüttet einen Pappbecher Wasser über den Betrunkenen. Der Betrunkene ruft wütend in einer Sprache die wohl nur er selbst versteht. Und der Kiosktyp versucht ihn zu beruhigen. Ich bin zunächst skeptisch, dann verwirrt, schaue aber wohl so als wenn ich fände, „ey alter leute mit Wasser überschütten geht gar nicht.“ Ich merke das an dem Blick vom Kiosktyp. Er will mir ohne Worte signalisieren, hier ist alles Cool, ich tu das nur zu seinem Besten. Solang der Typ nass ist kann er weiter durch die Gegend torkeln und notfalls auch ins Feuer rennen. Er fängt dann wenigstens nicht noch an zu brennen. Ich verstehe das und finde es ok. Der Disput zwischen den beiden verlagert sich direkt neben mich. Der Kiosktyp lächelt mich verlegen an. Der Betrunkene registriert dass, dreht sich zu der Richtung die sein Kontrahent anschaut. Begrüßt mich und umarmt mich. Dann kommt meine Bahn.

Neome

Und dann kam etwas Konformismus dazu, gegen den Strom natürlich

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21.7. Mainz, Kunsthochschule
22.7. Braunschweig, Nexus