Viel Leichter

Er geht durch ein Museum und fragt sich wer Sie ist. Sie ist zugeben. Die Räume hier sind nicht wirklich lebendig, ist Sie es? Er fragt sich immerzu was die Menschen eigentlich wollen, also so wirklich wollen, vorhaben, begehren, wünschen. Auch wenn die Antwort auf der Zunge liegt. Zu einfach wäre es, daraufhin die Dinge zu tun, die naheliegen sollten. Viel leichter fällt es alles zu kompliziert zu machen, Umwege zu gehen und sich zu verstecken im Nebel den die anderen ausbreiten. Sich zu isolieren von all dem Dreck da draußen der sofort an einem haften bleibt, wenn man in diese schlammige Welt eintaucht. Jeder Schritt würde ihn tiefer reinziehen und letztlich seine eigene Schuld gestalten. So viel weiß er und deshalb bleibt ihm seine Umgebung ganz bewusst unbekannt. So sehr wie er selber unbekannt unerkannt bleibt. Darum ist es hier eigentlich so anders als draußen.

Schwanensee


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Außen

Es ist Nacht. Es ist nicht all zu kalt, weil es Sommer ist. Du stehst alleine im Feld und blickst hinunter auf die Lichter der Stadt. Der Ort in dem du deine Bleibe hast. Es sieht eigentlich ganz schön aus von hier. Die Lichter, wie sie in der Ferne in unterschiedlichen Farben leuchten. Aus dem Dunkeln strahlen sie hervor und reflektieren an den Wolken die sanft über die Szenerie ziehen. Sie machen die Nacht zum Tag. Ein bisschen jedenfalls. Sie versprechen Wärme. Sie zeugen von Leben. Anders als hier im Feld. Bei dir ist niemand. Ok. Leben gibt es hier im Feld natürlich auch, etwas davon krabbelt dir gerade die Beine hoch und hat vermutlich vor dich zu stechen. Aber das ist nicht das was ich meine. Ich spreche von den Freunden, die jetzt gerade bei ein paar billigen Flaschen Wein und etwas Gras in der WG-Küche sitzen, während Asirap Videos bei Youtube laufen und die beim soeben eröffneten Wettbewerb zum Zwecke der Zeitbewältigung, wer es denn schafft die bescheuertste Grimasse zu schneiden aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. Von denen da drüben im Stadion, die weinen, weil ihre Mannschaft gerade das entscheidende Spiel durch ein Gegentor in der vorletzten Minute verloren hat und die deshalb nicht mehr den Klassenerhalt schafft. Ich rede von den zwei Witwern älteren Semesters die gerade bei einem gutem Gespräch in einem gemütlichen Restaurant unten am Fluss sitzen und von Gefühlen durchflutet sind, von denen sie sich nicht vorstellen konnten, dass sie diese noch einmal erleben würden. Und ich rede von dem wütenden Geschrei zweier Junkies auf der Straße, bei dem, wie wohl zu vernehmen ist, der eine den anderem noch irgendwie Geld schuldet und dieses partout nicht zurückzahlt, sich jedoch keine Gelegenheit nimmt dem anderen nach noch mehr Geld zu fragen, sodass sie sich die Schulden immer weiter summieren. Ein Umstand der zwar des Öfteren zu heller Aufregung führt, aber wie jedes Mal schon nach ein paar lauten Worten wieder von wichtigeren Dingen überlagert wird.

Dieses Leben ist gerade dort unten in der Stadt. Du kannst es hören. Denk dir das Zirpen der Grillen weg. Konzentrier dich auf das so monoton und störend erscheinende Rauschen. All die Dramen. Das Leid und die Leidenschaft. Das Glück und die Tristesse. Die großen und die kleinen Geschichten. Sie verbergen sich in dem Rauschen und solange wie dieses Rauschen erklingt, setzen sie sich immer weiter fort. Ist das nicht irgendwie schön, zu erkennen wie der Puls schlägt? Ist es nicht beruhigend hören zu können, dass er schlägt? Es ist der Puls von dem was dich am Leben erhält. Du brauchst ihn. Aber die Menschen da unten in der Stadt, die brauchen dich nicht. Keiner von ihnen. Du stehst außen im Feld. Und der Puls der Stadt schlägt trotzdem. Egal ob du am Leben der Stadt teilnimmst oder nicht. Sie warten nicht auf dich. Der Glaube dass dem so wäre ist eine trügerische Illusion. Es ist eine aktive Entscheidung an dem Leben was sich dort unten abspielt teilzunehmen. Es hilft nicht zu warten. Es passiert nicht einfach so. Im Moment jedenfalls stehst du hier im Feld und lauschst dem Rauschen der Stadt. Du stehst außen, blickst auf die Häuser hinab und beobachtest was passiert. Du beobachtest. Du bewegst nichts. Außer dem rechten Fuß der sich jetzt doch erhebt um das Tier was sich da unten an deinem Bein festsetzen wollte beiläufig abzukratzen. Doch sonst ist hier alles ruhig. Und dort unten ist dieses Rauschen. Hier ist nichts, außer dem Gras, den Grillen, den Mücken, den Zecken und den Fledermäusen und dort unten im Licht sind sie alle.

Du schreist laut. Irgendetwas bescheuertes wie, „Aaaaah! Ein Nashorn!“ und „Jetzt oder nie, Anarchie!“ Mit dem Verhallen der wirren Schreie wartest du ab, ob etwas passiert. Du lauschst. Doch da ist nur wieder dieses Rauschen und das Zirpen der Grillen, sonst nichts. Ein paar Minuten lang tust du nichts als zu lauschen. Dann musst du dich mit der Feststellung abfinden das nichts passiert ist. Dein Handeln hatte überhaupt keine Auswirkungen, keinen Effekt, keine Relevanz. Du hättest genauso gut ruhig sein können. Dein Text hätte auch „Heil Hitler“ lauten können oder irgen ein Zitat von den Beatles oder Ailton. Es war völlig egal was du da gerade getan hast. Eigentlich für alle. ausgenommen jedoch nur einer einzigen Person. Dir selbst. Und du weißt das. Dennoch, für dich bedeutet dein Blick die Welt. Du kannst gar nicht anders. Du stehst hier im Feld und von dort aus nimmst du alles wahr was jetzt für dich existiert. Deine Realität, eine unter so vielen.

Du setzt dich hin und lauschst den Zirpen der Grillen. Das Gras ist etwas feucht. Es riecht gut. Du versuchst mit allen Sinnen das aufzunehmen was dich umgibt. Zumindest eine Weile lang. Doch dir wird langweilig. Heute Nacht kommt hier niemand vorbei. Wahrscheinlich. Du bist dir sogar ziemlich sicher damit. Welcher Grund sollte auch jemanden jetzt hierher verschlagen? Du bist allein. Auch wenn du insgeheim für dich hoffst, dass dies anders wäre. Dass jetzt rechterhand von dir in vielleicht fünfzig Metern Entfernung ein anderer Mensch im Gras säße. Mit dem Selben im Sinn und denn Selben Gefühlen die dich umtreiben . Ein Mensch der außen steht und in dem Bewusstsein darüber von einer zweifelnden Akzeptanz geprägt ist. Eine Person deren Geist alleine sein will aber stets fühlt dass ihr so immer irgendwo etwas fehlt. Ihr wäret ganz still und würdet erst nach einer ganzen Weile von einander Notiz nehmen. Im schummrigen Licht würdet ihr euch anblicken. Vielleicht eine halbe Minute lang. Sehen könntet ihr von einander nur eine dunkle Silhouette, doch ihr wüsstet von einander, dass ihr euch in die Augen blickt. Ohne miteinander zu sprechen, ja auch nur ohne die Gesichtszüge der anderen zu sehen, die Person zu riechen, zu fühlen. Ihr würdet einander verstehen. Euch wieder von einander abwenden und verfahren wie zuvor. Wissend, dass da noch jemand ist. Wissend das ihr zwar immer noch allein seid. Ein jeder bliebe für sich. Nur wärt ihr in dem Gewissen, das ihr nicht mehr die einzigen seid. Es würde euch beruhigen und ihr wäret doch irgendwie verbunden.

Nur ist dem nicht so. du blickst nach rechts, dort stehen ein paar Obstbäume, dahinter ein verläuft eine Stromtrasse. Ein riesiges graues und so vertrautes wie surreales Gerüst, dass sich in seiner nie enden scheinender Monotonie von dem übrigen Formen abhebt und ein merkwürdiges Muster an den Horizont zeichnet. Aber dort ist niemand, du blickst nach links und siehst nur einen verlassenen Weg der sich in etwa hundert Metern Entfernung befindet, dahinter ein weiteres Feld, dahinter ein kleines Wäldchen. Vor dir sind zwar allerhand Menschen, auch wenn du niemanden ausfindig machen kannst. Schließlich findet sich dort vorne die Stadt, aber dort ist nicht das was du suchst. Du drehst dich um. in deinen Rücken liegt die verschlafene Vorstadt aus der du hierher gewandert bist. Du siehst einen Wohnblock, in einigen der Fenster flackert noch das Licht der Fernseher, die den Mittelpunkt der Wohnzimmer in dieser Art der Wohnsiedlung darstellen. Aber draußen auf dem Feld ist nichts.

Es werden erst im Morgengrauen die ersten Menschen die Häuser der Vorstadt verlassen, einige um mit ihren Hunden vor der Arbeit Gassi zu gehen, andere gar sportlich mit Kleidung aus dem Adidas Outlet an der Autobahn. Wandernde Rentner. Das ist nicht die Art Leute auf die du wartest. Sie stellen das Gegenteil von dem dar was du gerade erlebst, sie haben gar die Kraft, den Zauber den dieser einfache Ort gerade ausübt zu Nichte zu machen und es ist gewiss, dass sie dies tun werden. Bevor dies geschieht musst du fliehen.

Du stehst also auf, drehst dich um und läufst schräg über das Feld zurück in den Ort aus dem du gekommen bist.

Sachsenwald


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Harmony of the Seas

Dauerwerbesendung – Dokumentation – über schwimmende Hotelanlagen mit Einkaufszentren mit Entertainment Area. Was ich sehe schreibt mir das Entsetzen ins Gesicht. freiwillig an Fäden aufgehängt, die sich erst nach Monaten, manchmal gar erst einem halben Jahr zaghaft, zumindest für eine Zeit lang lösen. Im Hamsterrad Tourismusindustrie 7 Tage Am Stück. gleichbedeutend mit 14, 21, 28, 35… . Unter Deck und somit unter Tage, im Meer und doch nicht am ertrinken, am Reisen ohne wirklich dort zu sein. Ein verkrampftes Funktionieren, möglichst gut gelaunt wohl gemerkt, im dazwischen. Da zwischen dem Rest eines Ich und der kollektiven Beliebigkeit. Gefangen in der auf Mehrwert gerichteten Maschine in der die Zahnräder längst nicht nur im Maschinenraum zu finden sind, sondern in jedem kleinem Detail dieser Parallelwelt, die der übrigen doch auch nur ihren Spiegel vorhält. Dabei jedoch nichts kaschiert. Nichtmal das kaschieren selbst.

Ich betrachte im Bewegtbild das System nach dem sich diese Leute sich dort abrichten lassen. Urlaub und Erholung für die nächste Runde Duisburg, Birmingham, Chicago, Singapur. Es ist so glasklar. Und damit die Illusion des gelingem aufrecht bleiben kann bleibt wer nicht fragt zwar dumm,aber immerhin ein wenig glücklich und vor allem naiv.
Bordunterhaltung, der seichtesten Sorte. Rutschen, Fressen, Kaufen, Rutschen, Bewegen und zusehen wie Körper sich recken, Singen und Tanzen. Menschen und Talente werden verschwendet für billige Shows, die nichts machen sollen außer Hungrig, Müde und wahrscheinlich auch ein bisschen geil.

So befremdet ich vom dem Anblick dieser Massenabfertigung bin, so sehr hebe ich mich selbst über diese Leute, die doch auch nichts anderes wollen als ein bisschen Flucht aus der Alltagsscheiße. Und es ist so traurig wie war. Die Welt bietet nicht mehr genug Platz damit einjeder Mensch, ein ruhiges kleines Haus zwischen den Dünen, in den Bergen, den Feldern und den Wäldern beziehen kann, wo nur noch die Brandung, die Bergziegen, die Grillen und das Blätterrauschen zu hören sind. Dafür trampeln gerade einfach zu viele Menschen auf diesem kugeligen im nichts umherfliegen Ding rum. Gestapelt und eingepfercht, aber immerhin Meerblick für fast alle. Ein Hauch von Sozialismus im brutalen Gewandt seines Gegenpols. Und auch wenn die schlimmsten Gase diese wandernden Umweltvernichter im Rekordtempo verlassen, so halten sie dennoch den Boden zumindest ein Stück weit frei vom Beton und geben noch etwas Gras eine Chance zu gedeihen. Damit die Postkarten nicht komplett nachretuschiert werden müssen.

ich schaue mir die Werbung an und frage mich ob es besser ist zu Hause zu bleiben und frage mich auch ob dieser Sinn schon bedacht ist, den Leuten besser einzureden zuhause zu bleiben und nicht nur weiter herum zu nerven mit ihrer Biographieoptimiererei. Ich denke, dass sich darüber niemand Gedanken macht, manches passiert einfach. Die Fäden bewegen die Arme dann doch irgendwie von selbst und was an ihnen zieht bleibt so unklar wie gestaltlos, so sehr wie es alles ist und zugleich nichts. Darauf einen Sex on the Beach von der Bionic Bar. Vielleicht ja doch eine Reise wert.

KurzCylig

Diktatoren #2


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Stehend Liegen

Der Wind hört nicht auf zu wehen und gibt den Blättern ihren Klang. Er zeigt ihre Präsens ohne sie sehen zu müssen. Ihr Rauschen ist leicht zu hören und schwer zu überhören. Zugleich ist es das Aneinanderprallen und umherschleudern der Blätter das uns zuflüstert wie intensiv die Brise, die Böe oder der Sturm gerade weht. Der Wind lässt auch das Spüren der Dinge zur Geltung kommen. Manchmal fühlt sich eine Böe unfassbar kalt an, aber manchmal gibt sie auch dieses Wohlgefühl von Leichtigkeit.
Ich werde nicht vergessen als wir damals in der vierten auf Klassenfahrt in Bensersiel auf die Fähre nach Langeoog warteten. Wir legten unsere Körper einfach in den Wind und vielen doch nicht um. Der Wind war verlässlich. Der Wind war kräftig und gab Kraft. Das war unbeschreiblich schön und doch zugleich: kalt, rau und nass. Es schlug Wellen, die noch lange brauchen um abzuebben.

Seichte Unterhaltung

Nachricht für Nachricht und doch kein Kontakt. Das tippen und klicken führt ins nichts, es verbindet ja doch nichts. Es bindet ja doch nicht. Wenn das Netz unendlich wird bleibt das einzelne unwichtig. Und das Netz hält letztendlich doch nichts. Ein runtergekommener Zirkus der stetig das alte als die neueste Sensation anpreist. Doch dabei vergilbt alles und jedes Versprechen wird gebrochen. Von hoch oben über der Manege ein Blick auf das Netz das zur Sicherheit dient. Ein Anker der Geborgenheit. Nur. Ein Fall von dort oben wäre tödlich. Das Netz würde reißen. Auch wenn das von weitem und im schummrigen Licht des Zirkuszeltes nicht erkennbar bleibt. Der Zirkus bleibt ein Mysterium. Der Zirkus ist eine Show. Für so manchen ist dies ersichtlich und sie meiden ihn. Für andere ist das ersichtlich und sie nehmen sie billigend in Kauf. Andere sind einfach nur naiv und lassen sich von jedem Mist ablenken. Die Glauben auch das ihr Penis um 5 Zentimeter wächst wenn man nur das Produkt in der blinkenden Anzeige bestellt. Die Glauben auch sie seien der 5 milliardenste Besucher von Google und würden deswegen einen Preis gewinnen. Auch glauben sie, dass sie mit Internetroulette Millionär werden können, wenn sie nur die richtige Technik vom richtigen Service in Anspruch nehmen. Sie glauben sehr viel. Manche Leute glauben gar jeden Scheiß. Kaufen tun sie ihn dann natürlich auch noch. Doch auch wenn sie dann ausgenommen werden wie ein Fisch vom gierigen Angler, der damit sein Heldentum mit Existenzsichernden wissen kombiniert, sind sie doch dennoch im Glück. Denn an der Luft können sie ohnehin nicht lange überleben. Und Unterwasser sieht man wenigsten das Unglück an Land nicht.

Nachricht für Nachricht und doch kein Kontakt. Das tippen und klicken führt ins nichts, es verbindet ja doch nichts. Es bindet ja doch nicht. Nachricht und Antwort und doch kein Kontakt. Reaktion bleibt beliebig. Und vorausschaubar. Stets die selben Fragen und jede Person antwortet nach dem Muster in das sie sich selbst manövriert hat und welches es den Algorhythmen so leicht macht, Menschen so zu kategorisieren, wie es Kasten, Klassen und Sozialforscher nie hätten tun können. Sie passen sich so zwanghaft an und dennoch nicht zusammen. Halten einander kaum länger als ein paar Tage Monate oder Jahre aus und fliehen beim ersten Widerspruch zur eigenen Illusion. Der eigenen Prämisse, die primär unverhandelbar bleibt. Ein Ich zählt vor allem anderen. Und wenn das für alle gilt, bleiben alle unbeholfen. Trink nicht so viel und mach mehr Sport. Dann gibt es wenigstens Antwort und vielleicht.

Nachricht für Nachricht und doch kein Kontakt.
Wenn ein Baum umfällt. Hört dann noch jemand sein Geräusch?

Verfärbt und oberflächlich

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zeig doch mal

Du fragst dich ob es was Besonderes ist. Ob es wert ist gesehen zu werden was du tust. Du gehst vom Gegenteil aus. Du hast schon zu viel gesehen. Und da genau liegt die Ironie. Doch die Ironie kann auch liegen bleiben. Du sprichst mit dir. Du sprichst mit der Welt. Doch die kann nur zuhören, wenn es laut wird. Was in der Stille geschieht, wird sie nie erkennen. Dafür ist sie zu bunt. Dafür hat sie einfach schon viel zu viel gesehen.

Man könnte auch beschließen alles sein zu lassen und das werden zu beenden. Dem kann ich nicht widersprechen. Jedenfalls nicht wenn ich ehrlich bin. Ich hab da keine guten Argumente. Nur den Bauch der sagt, dass das doch nicht alles sein könnte. Und dafür braucht es dein Handeln. Den Dialog von jedem einzelnen. Die stetige Wiederholung die vielleicht doch zu etwas neuem führt. Weil sie Leute bewegt, die sonst unbewegt bleiben. Es schwimmt sich nicht von selbst gegen den Strom. Manchmal braucht es vielleicht etwas von dir um den Anstoß dafür zu geben. Schrei es raus aus den Schubladen. Aber ich geb jetzt keine Garantie darauf, dass nicht letztendlich deswegen doch alles ersäuft, was sonst nur getrieben wäre. Sich haftbar machen wäre unter den gegenwärtigen Bedingungen äußerst unklug. So nebenbei.

Bleibend vergänglich und zudem egal

Auf der Bühne lässt sich die Sängerin den Titel des Songs tätowieren der als nächstes gespielt wird. Die Leute vor der Bühne stehen rum und blicken gelangweilt zu ihren Stehnachbarn. Sie warten darauf dass die Szene endlich vorbei ist. Sowas flaches ist unter ihrem Niveau. Die Idee hätte gereicht. Die Umsetzung war für die Katz. Nach zehrenden Minuten ohne Spektakel stet der Titel endlich auf ihrer Schulter. Ein Typ aus dem Publikum liest ihn, ins Mikro der Sängerin brüllend, vor. Niemand hat ihn verstanden. Ist ja auch egal. Das Konzert geht weiter. Geht zu Ende. Alle gehen nach Hause. Nichts hat sich verändert.

Malaysia ’16

kontakt
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bewegt
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erschöpft

Kämpfe und dessen Ignoranz

Gänse auf Wiese. Ein Vater kommt mit seinem Kind herüber. Sie haben Brot dabei und werfen es den Gänsen entgegen. Die Gänse Streunern herum auf der Suche nach Essbarem, doch brauchen sie einen Moment um ihr unverhofftes Glück wahrzunehmen. Dann zaghaft die Annäherung an die ersten geflogenen Brotkrümel. Dann hastig auf das Weißbrot zustürmend. Das Kind ist vergnügt als die Gänse zu beißen beginnen. Die Gänse wirken derweil urplötzlich angespannt. Nun stehen sie im Wettbewerb um dass was ihnen gegeben wird. Einige sind schneller im stürmen als die anderen und schnappen so manchen Gänsen das Brot direkt vor der Nase weg.

Inmitten des ganzen Trubels bewegt sich eine Gans langsamer als die anderen. Sie hält sich zurück. Sie kreist und interessiert sich kaum für die Brotkrümel. Nur zaghaft ein paar Schritte entgegen dem geworfenen, doch dann ist es ohnehin schon wieder zwecklos. Sie pickt lieber auf eigene Faust weiter nach dem die große Show wieder vorüber ist. Das Brot geht doch recht schnell zur Neige, auch weil der Vater es bezahlt hat. Sein Kind, dessen Aufmerksamkeitsspanne für die Gänse ohnehin vorüber ist und er ziehen wieder ab. Die Gänse bleiben zurück.

Sternschanze

Am Eingang zur S-Bahnstation bleibe ich stehen. Freitagabend und die Leute suchen den Trubel. Sie sind hungrig nach dem Erleben, auf Geschichten, die sie weitererzählen können, auf eine neue Liebe oder eine gute Zeit mit den besten Freunden. Die Leute sind willig zu geben. Kurz vor zwölf. Schneller Techno läuft aus einer Box. Dazu lodert Feuer durch die Nacht. Ein Feuerakrobatenpaar hat sich auf dem Platz vor dem Zugang zur S-Bahnstation positioniert. Sie schwingen Feuerstäbe. Die sehen so ähnlich aus wie die Wattestäbchen, die man sich in die Ohren steckt, nur sind sie viel viel größer. Zuerst nehme ich nur den Typ war. Energisch und stoisch schleudert er diese brennenden Riesenwattestäbchen in beeindruckend hoher Geschwindigkeit hin und und her, lässt in Kreisen, vor der Brust, hinterm Rücken, über dem Kopf. Manchmal wirft er den Stab auch hoch in den Himmel und fängt in wieder auf. Der Anblick der Flammen fasziniert, die Flackernde Wärme des Lichts und die Illusion, die in ihrer Rotation entstehen. So wird aus dem Stab ein geschlossener Kreis. Die Leute halten Abstand und scheinen mir doch nicht der Gefahr bewusst: was wenn er die Kontrolle verliert und den Stab in die bierselige Menge wirft? Als das Feuer zur Neige geht tritt die Feuerakrobatin auf den Plan. Ihre Bewegungen sind vorsichtiger und bei weitem von geringerer Geschwindigkeit, aber dennoch von großer Selbstsicherheit und in geschmeidigen Bewegungen. In Pumphose und weitem Top. Ich bin natürlich sofort verliebt. Sie schneidet mit dem Feuer eine Ruhe in den so hektischen und lärmenden Raum. Es riecht nach Benzin, den jetzt hat auch der andere seinen Stab wieder in Brennmittel getränkt und die Flammen zeigen zu beginn wieder ihre vollste Stärke. Und er legt los mit den Kreisen. Wieder die hohe Geschwindigkeit mit dem das Feuer durch die Luft fliegt. Es ist schön. Sie wechseln sich ab, sodass die Show nie endet.

Einer der definitiv mehr als genug hat, torkelt durch den Raum. Tanzt kurz zur Musik. Doch mit jedem Schritt fragt sich erneut, ob dieser in eine der verschiedenen Himmelsrichtungen führt oder nur geradewegs auf den Boden. Gleichzeitig wirbelt das Feuer und ich hoffe der Zufall entschließt sich nicht dazu, dass er sich ein paar Schritte zu weit in die wirbelnden Flammen bewegt.

Er ist zu entschlossen und zu unkonzentriert und will zu viel. Dadurch verliert er mehrmals die Kontrolle über den Stab. Einmal kokelt kurz seine Hose, doch er löscht das Flämmchen ganz schnell mit den Händen und tut so als wäre nichts gewesen. Einfach weitermachen. Doch die nebenstehenden Typen johlen und Schreien in gelösten Kehlen Dinge wie „Haha, fallen gelassen!.“ Er hat kein Lächeln für sie übrig und macht unverändert weiter. Schwingt die Flammen, doch lässt sie wieder und wieder fallen. Ich sehe einen Anflug von Zorn in seinen Bewegungen. Während Sie, die gerade mal wieder ihren Stab in neues Brennmitteleingetunkt hat, mit altbekannter und gekonnter Sicherheit, das ausführt was sie zu zeigen vermag.

Ich löse meinen Blick und gehe die paar Meter weiter zur Station um festzustellen, dass ich eh noch 9 Minuten habe bis mein Zug mich in den Vorort bringt. Und so drehe ich mich um, lehne mich an die Wand und schaue weiter in die Flammen. Bis ich von hinten ein kleines rumoren höre.

Ich drehe den Kopf. Ein Mitarbeiter des „DB Service-Store“ schüttet einen Pappbecher Wasser über den Betrunkenen. Der Betrunkene ruft wütend in einer Sprache die wohl nur er selbst versteht. Und der Kiosktyp versucht ihn zu beruhigen. Ich bin zunächst skeptisch, dann verwirrt, schaue aber wohl so als wenn ich fände, „ey alter leute mit Wasser überschütten geht gar nicht.“ Ich merke das an dem Blick vom Kiosktyp. Er will mir ohne Worte signalisieren, hier ist alles Cool, ich tu das nur zu seinem Besten. Solang der Typ nass ist kann er weiter durch die Gegend torkeln und notfalls auch ins Feuer rennen. Er fängt dann wenigstens nicht noch an zu brennen. Ich verstehe das und finde es ok. Der Disput zwischen den beiden verlagert sich direkt neben mich. Der Kiosktyp lächelt mich verlegen an. Der Betrunkene registriert dass, dreht sich zu der Richtung die sein Kontrahent anschaut. Begrüßt mich und umarmt mich. Dann kommt meine Bahn.