Reise, ausschnittsweise

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Nachtzug

Bahnhof Sofia. Kurz vor 9. Nur 3 Wagen. Der türkische Schaffner mit dem Schnäuzer weist mir einen Platz zu. Es ist nicht der, der auf der Reservierung steht. Aber es hat wohl seine Richtigkeit, so versichert er mir Das ist also ein Liegewagen. Ein auf dem ersten Blick ganz normales Zugabteil Der Unterschied ist nur dass die Sitze ein wenig merkwürdig aussehen und sich auf dem Zweiten Blick als ausklappbare Betten darstellen. Am Fenster der Halbmond und ein Stern. Dieser Zug ist türkisch. Der Schaffner hält mir einen Zettel hin. Ich soll Namen, Nationalität und Passnummer aufschreiben. Dann bekomme ich ein Kissen und Bettwäsche. Außerdem eine kleine Flasche Wasser, eine Packung Cracker und einen Tetrapack Kirschsaft. Er fragt nochmals nach meiner Sitzplatzreservierung und nimmt mir den Zettel weg.

Abfahrt. Pünktlich um 21:00 Uhr. Der Zug fährt langsam. Ein stetiges Rumpeln, Doch als er sein Tempo beschleunigt, fährt er doch unerwartet ruhig. Ruhiger jedenfalls als die ganz alten Züge die ich aus meiner Kindheit kenne und dessen Relikte ich nur noch selten betrete, mit ihrem sich Stets veränderndem Repertoire an Lärm und dem Gefühl dass damit einhergeht so richtig unterwegs zu sein.

Ein erster Halt an dem niemand zusteigt. Manchmal blitzt draußen die Oberleitung. Aber vor allem Leuchten die Lichter der Orte und Straßen. Die Cracker und der Saft schmecken ganz gut. Einfach, aber gut. Ich bin allein in meinem Viererabteil und frage mich ob und wie lang das so bleiben wird. Der Mann der mir den Platz zugewiesen hat und die Geschenke verteilt hat, war scheinbar doch nicht der Schaffner. Dies denke ich als eine Schaffneruniform die Tür öffnet , „Ticket!“ ruft und weitergeht um selbiges an nächster Tür zu wiederholen. Daraufhin tritt eine blonde Frau auf Stöckelschuhen, ebenfalls in Schaffneruniform ein, nimmt meinen Fahrschein entgegen, setzt sich auf die gegenüberliegende Seite und schreibt eine Notiz auf die Rückseite meines Fahrscheins. Zugnummer, Datum und vermutlich ihre Unterschrift.

Ruhe, eine Weile. Ich schreibe. Wenn ich aus dem Fenster blicke sehe ich im Dunkeln den vorbeiziehenden Abend Bulgariens. Bis die Abteiltür wieder aufgeht irgendwann aufgeht und eine junge Frau hereingewiesen wird. Müde sieht sie aus. Auch Rucksackreisend. Der Rucksack ist riesig. Sie macht sich ihr Bett fragt mich auf Englisch ob sie das Licht ausmachen kann, was ich bejahe und legt sich schlafen. Ich klappe den Rechner zu und tue es ihr gleich. Draußen zieht weiterhin die Landschaft vorbei. Wenn ich mich mit dem Kopf auf die Seite lege, kann ich sie sehen, die Felder, die Lichter, den Horizont, den Mond, wie er in das Abteil hereinstrahlt. Auch sehe ich Bahnhöfe. Immer wieder grell erleuchtete und nahezu menschenleere Bahnhöfe. Ein paar einsame Gestalten die zusteigen. Das ist alles. Ich bin irgendwo froh nicht alleine zu sein. Auch wenn wir kaum gesprochen haben. Grenzkontrollen machen mir immer wieder Sorgen und diese ein wenig mehr. Der deutsche Pass bringt einem überall hin, auf Reisen lernt man dieses Privileg zu schätzen. Hier jedoch bin ich mir das erste mal nicht mehr so gewiss, auch wenn ich dennoch weiß, anders als andere nichts zu befürchten zu haben. Ich schlafe, wenn überhaupt, kaum.

Bis es endlich an der Tür klopft. „Passport Control“. Die Grenzkontrolle zur Ausreise aus Bulgarien. Eine Polizistin mitteren Alters öffnet die Tür und nimmt unsere Pässe, bzw. den Pass meiner Abteilgenossin und meinen Personalausweis entgegen und nimmt sie mit. Warten. Ich sage meiner Abteilgenossin, dass ich diese Kontrollen hasse und daraufhin beginnt dann tatsächlich eine Unterhaltung. Sie kommt aus Spanien, Valencia, reist seit etwa 2 Monaten. Von Deutschland über Osteuropa den Balkan hinunter. Alleine. Mit Freunden. Hitchhiking. Couchsurfing. Hatte zu Anfang ihren Pass nicht dabei. Ein Freund hat ihn ihr hinterhergebracht. Sie hasst Grenzkontrollen ebenso und findet sie überflüssig. Sie hat davon gehört, dass man an der türkischen Grenze aus dem Zug aussteigen muss. Ich finde das unangenehm, denn das Bett ist bequem und draußen ist es kalt.

Die Pässe kehren zurück und der Zug setzt sich langsam wieder in Bewegung. Nach kurzer Zeit wieder der Mann mit dem Schlafzeug. „Turkish border control. Exit train“ Sie hatte also recht. Der Zug steigt aus und wird in einen leeren, etwa 40 qm großen Raum geschickt. Er passt dort ohne Probleme rein. Die drei Waggons und die Lok bleiben zurück. Sie waren scheinbar nicht gerade bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Hund reist mit und fasziniert so einige, auch sie und das fasziniert wiederum den Hund selbst, der sich prompt zu ihr legt, wie sie da verschlafen an der Wand hockt. Bis sie der Crackermann anweist aufzustehen. Nicht die Höflichkeit, die dem Ort der Einreise in einen Ehrenwerten Staat mit vergilbten Fließen gebührt. Nach kurzer Zeit bildet sich eine Schlange zu dem vergitterten Fenster zum Nebenraum. Hinter dem Fenster sitzt ein junger Grenzbeamter und stempelt. Danach gehen die verschlafen wirkenden Passagiere wieder zurück in ihre Betten. Der Zug bleibt noch. Wir reden. Ich sehe aus dem Fenster und sehe wie sie mit Taschenlampen unter dem Zug aus der Entgegengesetzten Fahrtrichtung leuchten, der sich ebenfalls gerade in der Kontrolle befindet. Als Dann klopft es nochmals an der Tür. Doch ungewöhnlich ist: Kein Rufen und die Tür wird nicht aufgerissen. Sie macht nach zögerndem realisieren ob es wirklich geklopft hat auf. Ein weiterer Grenzbeamter. Er fragt wieder nach den Pässen, kontrolliert wohl kurz ob auch tatsächlich alle ihre frischen Stempel haben. Er lässt das Licht aus. Da dem so ist geht er weiter und schließt gar die Tür. Verdutzt ist sie. Mit beeindrucktem Gesicht sagt sie, dass sei der freundlichste Grenzbeamte, den sie je erlebt hat. Höflich, abwartend und Rücksichtsvoll. Ein paar letzte Worte wechseln noch die Position im Raum und der Zug wiegt uns in den Schlaf.

Ich erwache vor Sonnenaufgang. Langsam erhellt sich der Horizont. Färbt sich die Landschaft und wird immer klarer. Felder und Hügel. Der Himmel ist wunderschön und die Sonne strahlt direkt auf mich ins Abteil. Irgendwann dann die ersten Vorortsiedlungen einer viel zu großen Stadt, als dass sie noch greifbar sein könnte. Ich will nicht dass die Reise schon endet. Ich will wieder schlafen. Doch es klopft dann doch wie befürchtet an der Tür. Halkali ist nicht mehr weit. Die Endstation, da der Zug seit ein Paar Jahren, nicht mehr nach Istanbul Sirkeci, ins Zentrum der Stadt fährt. Ich weiß nicht wieso. Es heißt aufstehen. Sie ist noch verschlafener als Ich. Ich nun immerhin wieder etwas aufgeregt. Bettzeug entfernen ist die Ansage. Wir geben es zurück verschlafen betrachte ich die beginnende Monotonie, des Betons dieser Stadt. Die Siedlungen sind neu und für die besser gestellten. Sie sind riesig doch erscheinen sie Leblos. Es ist früh am morgen und alles in das gelbliche Morgenlicht getaucht. Wasser ist zusehen. Die Siedlungen ziehen vorüber und wir sind immer noch nicht da. Sie war noch nie in einer so großen Stadt sagt sie. Ich auch nicht sage ich. Irgendwann hält der Zug dann doch. Der Bahnhof nicht mehr als ein einfacher unüberdachter Bahnsteig mit zwei Gleisen. Wir folgen den anderen, links – rechts – links und dann steht dort ein Bus, in dem der Gesamte Zug, inklusive des Mannes mit Schnurbart der Türkischen Eisenbahn Platz findet. Dann im morgendlichen Verkehr bewegt sich der verschlafene Bus in die Stadt, der Endpunkt vor dem Alten Bahnhofsgebäude. Ein Erster Blick aufs Goldene Horn. Wir suchen ein Café. Kaffee und Tee. Wir werden uns wieder sehen um uns die Stadt anzuschauen. Kurz darauf werden wir uns dann nicht mehr wiedersehen. Wahrscheinlich nie wieder.

Wo und Wohin

Gleisbauarbeiten um halb drei

Wir sind viel zu viele um noch jemand sein zu können.

Solang so viele Frauen noch auf Bukowski fliegen bleibt alles beim Alten.

Platzende Kondome erhalten die Spannung ein wenig aufrecht.

Und die Einrastfunktion an der Tastatur existiert noch, nur um sie wegklicken zu müssen.

Wir bleiben mehr und mehr alleine im Dickicht der Chancen.

Treffen uns nur um zu zeigen wer wir sind, nicht um uns zu verbinden.

Alle sehnen sich, doch niemand hat mehr den Mut.

Dabei sind die Leuchttürme verlassen, keine wichsenden Wärter mehr.

Im Wind und in Wellen schwimmt nun mehr nur noch der ganze Müll.

Und Plastik hält einfach besser, als Recyclingpapier.

Ein Fisch schnappt gierig zu, sein letzter Laut war „Blubb“.

Zukunft. Im kommen. Schneller als du denkst, denkst du gar nicht mehr.

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Alte Töne und neue Wege

Es zerrt an ihm. Wieder steht er hinterm Tresen des Geschäfts des Vaters. Handwerkerbedarf. Bohrmaschinen, Schrauben, Sägeblätter, Türklinken. Seit Jahren schon. Er hat das nie gewollt. Es war nicht seine Idee. Es hat sich so ergeben. Es schien eine Notwendigkeit und es lag ganz einfach sehr nah dies so zu tun. Auszuhelfen um sich die Miete leisten zu können. Hier hinterm Tresen ist nicht seine Welt. Er ist wer anderes. Er hat Träume und Ziele. Er hat einen Hang dazu die Dinge, die er gerne macht. Lange und Leidenschaftlich zu verfolgen. Er hat aber auch einen Hang dazu Dinge die er halt so macht nicht zu ändern. Egal ob er sie mag oder nicht. Dann wäre da noch das Problem mit den Abschlüssen. Ein Abitur hat er nicht. Im Gegensatz zu den meisten seiner Freunde. Das nagt an ihm. Genau wie die Eltern mit ihrem kritischen und stetig ermahnenden Blick. Eltern die eine Meinung dazu haben was zu und was zu lassen ist und was zu ehrlicher Arbeit dazu gehört. Das setzt ihn unter den Druck, den er einfach nicht gebrauchen kann. Zu sehr müht er sich schon ab den geforderten der anderen zu entsprechen. Und so schafft er es nicht. Wieder und wieder nicht. Die Prüfungen sorgen für Panik. Das gelernte will einfach nicht gelernt sein. Anwendbar. Stunde um Stunde lernen. Um durchzufallen. Mathe war als Kind schon scheiße.

Was er wirklich liebt.

Seine Freunde, neue Begegnungen, die Natur, die Musik, die Bewegung, gutes Essen, auch gerne mal Erfahrungen mit Drogen, aber alleine Im Stillen währen diese nichts. Sie entfalten nur Wirkung in der Nähe ihm lieber Menschen. Sein Zimmer ist ein Sammelsurium von Instrumenten, dessen Grenzen wiederum stellt nur das Vermieterpaar eine Etage weiter unten dar, dass ihn zur Ruhe zwingt. Dabei ist er eigentlich ganz bescheiden. Nur eines reicht ihm schon um sich tagelang nichts anderem mehr zu widmen. Nur die Zwänge und die guten Begegnungen mit Freunden bringen ihn zur Unterbrechung des Eins sein mit den Farben der Klänge.

Es dauert alles viel zu lange. Er etwas älter als die anderen Freunde die ihm Umgeben. Stets das Gefühl wenig geschafft zu haben. Im Hintertreffen. Keine Liebe die erwidert wird. Keine Zweisamkeit. Frust. Die immergleichen Abende werden auch nicht besser. Die Aussicht bleibt gleich. Die Gleichen Straßen. Die Gleichen Wiesen. Die Gleichen Wälder. Die Gleichen Berge. Etwas muss vergehen. Was ohnehin nie zum bleiben bestimmt war.

Ein Ruck.

Ende mit dem nächsten Versuch zum Abitur. Es ist nicht alles richtig und wichtig was die Leute sagen. Manchmal muss man einfach Weg. Mit dem Beil die Seile Kappen. Los schippern ins unbekannte. Mal sehen was kommt. Der Job beim Vater beendet. Das Zimmer gekündigt. Sein Liebstes Instrument auf den Rücken. Aufmachen um die Welt zu umarmen. Schauen was sich dort so zu finden ist. Außer ihm selbst. Viel Glück.

Zwei

Robert

Dunkelheit mit Highlights. Es beginnt mit der hoffnungsvollen Erwartung auf die Nacht. Dieses mal etwas mehr Entgelt entrichten um dabei sein zu können, dazu sind sie bereit. An anderen Orten wird dafür sehr lange gearbeitet. Aber sie können es einfach, standesgemäß. Für das Versprechen in eine Parallelwelt eintauchen zu können. Doch zuerst Warten sie davor. Schlangestehen. Rauchen. Ungeduld. Menschen die es nicht schaffen loszulassen. Die Angst zu kurz zu kommen sitzt tief. Die Ellenbogen enden nicht vor der Tür und auch nicht dahinter. Dabei zu sein heißt sich abgrenzen zu können. Die Schlange schlängelt sich langsam voran, gewinnt an größe. Stück für Stück gelangen die Menschen zur rettenden Tür.

Das reinkommen fällt leicht, sie schauen nicht wirklich nach etwas. Heute nicht. Wird schon. Außerdem gibt es Dinge bei denen es besser ist, wenn sie nicht gefunden werden. Drinnen dann kahle dunkle Wände zudem unsichtbare Wände von Klängen, die sich durch die Räume bewegen, an Boden, Decke, der Bar und den Menschen wiederhallen. Es ist recht Dunkel. Es ist recht spärlich. Immer rationaler ist die Welt gestrickt worden und das hier ist ihr spiegelloser Spiegel. Hier Stampfen.

Die Treppe nach oben hier vermischt sich die Fülle der Eindrücke mit dieser Hitze. Der Schweiß in weiß und schwarz gekleideter Körper. Dicht an dicht. Sie versuchen sich hier in dieser Sauna zu bewegen. Nur die wenigsten schaffen es auch. Es ist eigentlich zwecklos. Doch das ausgegebene Geld und die Drogen machen gefügig. Wenige Oasen der Lüftungsanlage. Beim durchzwängen erscheinen Sie als lichtloses Lichtquelle, die vorüber geht, weil man hier nicht stehenbleiben kann und will.

Wieder nach draußen. Feuchter warmer Sommer. Der Blick vom Balkon auf den Fluss, auf der anderen Seite der Hafen in Dunkelheit. Eine Brücke, dahinter die Türme der großen Stadt. Sie rauchen. Sie reden inhaltsleeres Zeug ohne zu flachsen. Alle zusammen allein. Sich ausleben als Egotrip. Er schnorrt sich eine Kippe, kommt aus Berlin. Man sollte mal hier gewesen sein. Darum der Besuch. Auf der anderen Seite des Gesprächs ist es nicht anders. Nach der Vorstellung endet der Austausch. Die frischgedrehte Kippe ist schon übergeben. Ende der Abhängigkeit.

Wieder rein, diesmal über die Außentreppe nach unten. Hier ist die Musik bunter, aber kaum zum versetzen in Rauschzustände geschaffen. Dafür etwas Luft zum Atmen. Etwas Raum zur Bewegung. Eine Möglichkeit ohne Kollaps die Zeit vergehen zu lassen. Die Einfälle durch die Boxen erfreuen wie Nerven gleichermaßen und irgendwie könnte das hier auch Festsaal im Keller des Schützenvereins sein. Die Unterschiede finden sich im Detail.

Nach Zeit und Bewegung, wieder nach Oben. Lichterer Raum in der Dunkelheit. Es geht nun, dass mit den Fallen lassen und es ist gut. Die Monotone Vielfalt zwingt zur Anerkennung. Die Lautsprächer lassen spüren was du hier fühlen sollst. Die Beobachterrolle bleibt. Bei manchen geschieht das intuitiver als bei anderen. Die Menschen bewegen sich so verschieden wie sie sind. Die Menschen bewegen sich so gleich wie sie sind. Ohne konkret verfasste Regeln und ohne strenges Training. Ungelenk und holzig. Geschmeidig und betörend. Zart und im Einklang. Robust und wütend. Intensiv und voller Ektase. Alle im selben Konsens, alle unterschiedlich und dennoch einander verwandt. Das Licht ist zart, bunt, doch zumeist aus. Die sechs Fernseher über den Pult sind tief aus einer anderen Zeit und was sie zeigen, ist so wenig das es nicht das wesentliche stört. Die Leute können drauf gucken, aber sie sehen nur wenig.

Das Wesentliche. Hier ist es. Vielleicht. Hier kann es sein: sich zu leeren und im nichts aufzugehen. Einen Moment der Befreiung spüren. Der Rebellion ohne Widerständigkeit. Im Einklang mit einer Idee, die nicht viel voraussetzt. Doch dazu gehören letztlich doch nur die, die hier anerkannt werden. Die gut genug sind um an diesem Ort zu sein. oberflächliche Welt.

Die Trance bleibt eine Weile in der Luft, während a das Grau hinter den Fenstern sich langsam aufhellt. Der Schutz der Dunkelheit ist keine Notwendigkeit. Es geht auch im Licht, wenn alle sich frei genug im Gefängnis sehnen.

In der gräue des Wolkenverhangenen morgens sitzen sie draußen und sind weiter belanglos. Mit müden Augen. Erweiterten Pupillen. Schauen rüber auf den Hafen. Auf Arbeit die sie nie tun werden müssen. Die Härte erleben sie nur durch Vergnügen und der Notwendigkeit der Verwaltung ihrer selbst. Es ist nicht ihre Welt. Sie stehen da drüber, sie haben die Freiheit dafür zu bezahlen ihre Energie loswerden zu können. Wie schön sie alle sind. Wie in den Zeitschriften, die mit mattem Papier gedruckt werden. Die weiten lässigen weißen und Schwarzen T-Shirts mit dem Wert im Detail. Angezogen wie die Wände von Innen und Außen. Perfekt liegende Haare, perfekt gestutzte Bärte. Der Stolz in den Gesichtern etwas zu sein. Etwas zu wollen in Leben. Und sich deshalb nur unter Gleichen zu verausgaben. Nicht mehr Dorfdisko, wie früher mit den ganzen anderen Atzen.

Alles doch auch Flucht, die scheinbar gar keine ist. Nur die Notwendigkeit weitermachen zu können. In der Rolle, die einen die Welt doch letztlich vorgibt. Der Rausch zum Zweck der Zerstörung zur Selbstoptimierung. Seltsame Welt.

Wir gehen raus. Der Bekannte von meinem Kumpel der mitkommt macht sich Sorgen um das Verhalten seiner Freunde. Er macht das immer sagt mein Kumpel mir. Doch Gemeinschaft. Schwer zu erkennen hinter all den Masken. Draußen auf dem Weg zum Schlaf setze ich sie ab. Sie ist nicht alles. Sie kann es aber vorgeben, dies zu sein. Vielleicht nicht dasselbe. Letzer Gedanke.

Osterholz

Mitte zwanzig. Dann doch mal wieder auf den Profilen der Menschen hängengeblieben, die damals allmorgendlich meist ähnlich verschlafen wie ich den Weg in das selbe Schulgebäude angetreten haben. Nur wenig ist hängengeblieben. Noch weniger geblieben. Namen über Verknüpfungen, die schon längst in Vergessenheit geraten sind. Der Kopf erinnert sich und findet nicht viel. Das Gesicht. Ein Gefühl. Vielleicht eine Eigenschaft. Ich klicke mich durch die Profile und bin gespannt auf das was sie mir Zeigen können. Was geben sie Preis. Was habe ich verpasst. Wo ist das Popcorn? Wo ist gerade ihr Weg, natürlich nur so wie sie ihn der bekannten Welt zeigen wollen.

Doch so ernüchternd. Kein großes Kino. Nicht einmal GZSZ. Eher wie ein Soziologieaufsatz von Pierre Bourdieu. Einer der kurz und nur spannend ist für Leute, die wirklich meinen da hätte etwas Bedeutung, gar Wichtigkeit und Priorität. Nichtnur für die, die das nur sagen würden um in der Uni cool zu klingen.

Da ist diese Gelassenheit in ihrem Leben. Einer zwar in Belo Horizonte. Jemand anderes in Frankfurt am Main. Aber die meisten dann doch sehr bemüht darin so langweilig zu sein, wie das warten auf den Bus. Bemüht den Kreislauf so fortzusetzen wie er einst war. Ein kleines Leben am Rande Bremens, eine Verlobung. Eine Hochzeit. Ein bis zwei Kinder. Glücklich lächelnde Gesichter junger Paare noch vor der großen Frustration der Romantik – Die Besuche in den Swingerclubs, die den nachfolgenden Lebensabschnitt mit Sinn füllen werden stehen noch aus – Ein Nest wollen sie bauen und ihre Ruhe haben. Sie beschweren sich über den Lärm der Nachbarn, die Feiertags Nägel in die Schränke hauen. Sie sind alt, nur ohne Inkontinenz und Rückenprobleme. Sie feierten ihre Abschlüsse. Sie zeigen Familienfotos. Die Türkei spricht und lebt in der Norddeutschen Tiefebene weiter. Das ist schon ok so, aber auch seltsam. Alle sind wir hier Geboren und doch leben wir in verschiedenen Welten und ich kann sie nicht einmal verstehen. Sie beglückwünschen einander zu Geburtstagen, an die sie eigentlich nur die Benachrichtigungen des Portals erinnern. Einige kennen sich scheinbar noch so richtig und haben sogar etwas miteinander zu tun. Gemeinsame Fotos aus den letzten Jahren. Die eine, die jedes Jahr ihren Traumprinzen findet, findet immer noch jedes Jahr einen Traumprinzen. Schön diese Verlässlichkeit. Und dann sind da noch die Eltern, sie sind so Stolz. Sie wollen den Kontakt nicht verlieren. Sie beglückwünschen die Schönheit ihrer Kinder und merken nicht dass sie das vielleicht ihren Kindern besser direkt sagen sollten, als es in Kommentare zu tippen. Diese Menschen, die mir jetzt so fremd sind. Sind so weit vorn. Und ich kann sie nur noch sehen aufgrund einer Erfindung die vornehmlich der Kriegsführung und der Pornographie dien.Diese Menschen halten die Welt zusammen, denn sind zufrieden mit dem was sie erreichen können. Ganz realistisch. Klug und voller Ruhe.

Ich bin nicht wie sie. Ich suche nach Wegen die den meinem ähneln doch finde sie nicht. Keine gemeinsamen Interessen. Keine Linksexstremisten. Keine angehenden Künstleridioten, die glauben sie seien etwas besseres. Ich bin kindlicher und vielleicht zugleich etwas weiser. Frustrierter und naiver. rebellischer und etwas asozial. Wie gesagt, etwas Besseres. Ich kümmere mich einen scheiß um sie und sie haben sich auch nicht gekümmert. Doch ist dort bei ihnen so viel mehr Fürsorge für die nächsten zu finden. Ich hingegen kappe nur weiter meine Wurzeln während sie sie sorgsam pflegen. Ich frage mich wie lange ich mit ihnen an einem Tisch sitzen könnte ohne in Streit auszubrechen. Oder schlimmer noch sich nichts zu sagen zu haben? Ich trinke einen Schluck und wünsche ihnen in stummen Gedanken nur gutes und bin selber dabei ein wenig Stolz auf sie und gleichzeitig ungemein erleichtert, dass ich das nicht auch so machen würde. Das ist schon Ok so. Ob sich bei Tinder auch Mitschülerinnen finden lassen?

Istanbul

Viel Leichter

Er geht durch ein Museum und fragt sich wer Sie ist. Sie ist zugeben. Die Räume hier sind nicht wirklich lebendig, ist Sie es? Er fragt sich immerzu was die Menschen eigentlich wollen, also so wirklich wollen, vorhaben, begehren, wünschen. Auch wenn die Antwort auf der Zunge liegt. Zu einfach wäre es, daraufhin die Dinge zu tun, die naheliegen sollten. Viel leichter fällt es alles zu kompliziert zu machen, Umwege zu gehen und sich zu verstecken im Nebel den die anderen ausbreiten. Sich zu isolieren von all dem Dreck da draußen der sofort an einem haften bleibt, wenn man in diese schlammige Welt eintaucht. Jeder Schritt würde ihn tiefer reinziehen und letztlich seine eigene Schuld gestalten. So viel weiß er und deshalb bleibt ihm seine Umgebung ganz bewusst unbekannt. So sehr wie er selber unbekannt unerkannt bleibt. Darum ist es hier eigentlich so anders als draußen.

Schwanensee


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Außen

Es ist Nacht. Es ist nicht all zu kalt, weil es Sommer ist. Du stehst alleine im Feld und blickst hinunter auf die Lichter der Stadt. Der Ort in dem du deine Bleibe hast. Es sieht eigentlich ganz schön aus von hier. Die Lichter, wie sie in der Ferne in unterschiedlichen Farben leuchten. Aus dem Dunkeln strahlen sie hervor und reflektieren an den Wolken die sanft über die Szenerie ziehen. Sie machen die Nacht zum Tag. Ein bisschen jedenfalls. Sie versprechen Wärme. Sie zeugen von Leben. Anders als hier im Feld. Bei dir ist niemand. Ok. Leben gibt es hier im Feld natürlich auch, etwas davon krabbelt dir gerade die Beine hoch und hat vermutlich vor dich zu stechen. Aber das ist nicht das was ich meine. Ich spreche von den Freunden, die jetzt gerade bei ein paar billigen Flaschen Wein und etwas Gras in der WG-Küche sitzen, während Asirap Videos bei Youtube laufen und die beim soeben eröffneten Wettbewerb zum Zwecke der Zeitbewältigung, wer es denn schafft die bescheuertste Grimasse zu schneiden aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. Von denen da drüben im Stadion, die weinen, weil ihre Mannschaft gerade das entscheidende Spiel durch ein Gegentor in der vorletzten Minute verloren hat und die deshalb nicht mehr den Klassenerhalt schafft. Ich rede von den zwei Witwern älteren Semesters die gerade bei einem gutem Gespräch in einem gemütlichen Restaurant unten am Fluss sitzen und von Gefühlen durchflutet sind, von denen sie sich nicht vorstellen konnten, dass sie diese noch einmal erleben würden. Und ich rede von dem wütenden Geschrei zweier Junkies auf der Straße, bei dem, wie wohl zu vernehmen ist, der eine den anderem noch irgendwie Geld schuldet und dieses partout nicht zurückzahlt, sich jedoch keine Gelegenheit nimmt dem anderen nach noch mehr Geld zu fragen, sodass sie sich die Schulden immer weiter summieren. Ein Umstand der zwar des Öfteren zu heller Aufregung führt, aber wie jedes Mal schon nach ein paar lauten Worten wieder von wichtigeren Dingen überlagert wird.

Dieses Leben ist gerade dort unten in der Stadt. Du kannst es hören. Denk dir das Zirpen der Grillen weg. Konzentrier dich auf das so monoton und störend erscheinende Rauschen. All die Dramen. Das Leid und die Leidenschaft. Das Glück und die Tristesse. Die großen und die kleinen Geschichten. Sie verbergen sich in dem Rauschen und solange wie dieses Rauschen erklingt, setzen sie sich immer weiter fort. Ist das nicht irgendwie schön, zu erkennen wie der Puls schlägt? Ist es nicht beruhigend hören zu können, dass er schlägt? Es ist der Puls von dem was dich am Leben erhält. Du brauchst ihn. Aber die Menschen da unten in der Stadt, die brauchen dich nicht. Keiner von ihnen. Du stehst außen im Feld. Und der Puls der Stadt schlägt trotzdem. Egal ob du am Leben der Stadt teilnimmst oder nicht. Sie warten nicht auf dich. Der Glaube dass dem so wäre ist eine trügerische Illusion. Es ist eine aktive Entscheidung an dem Leben was sich dort unten abspielt teilzunehmen. Es hilft nicht zu warten. Es passiert nicht einfach so. Im Moment jedenfalls stehst du hier im Feld und lauschst dem Rauschen der Stadt. Du stehst außen, blickst auf die Häuser hinab und beobachtest was passiert. Du beobachtest. Du bewegst nichts. Außer dem rechten Fuß der sich jetzt doch erhebt um das Tier was sich da unten an deinem Bein festsetzen wollte beiläufig abzukratzen. Doch sonst ist hier alles ruhig. Und dort unten ist dieses Rauschen. Hier ist nichts, außer dem Gras, den Grillen, den Mücken, den Zecken und den Fledermäusen und dort unten im Licht sind sie alle.

Du schreist laut. Irgendetwas bescheuertes wie, „Aaaaah! Ein Nashorn!“ und „Jetzt oder nie, Anarchie!“ Mit dem Verhallen der wirren Schreie wartest du ab, ob etwas passiert. Du lauschst. Doch da ist nur wieder dieses Rauschen und das Zirpen der Grillen, sonst nichts. Ein paar Minuten lang tust du nichts als zu lauschen. Dann musst du dich mit der Feststellung abfinden das nichts passiert ist. Dein Handeln hatte überhaupt keine Auswirkungen, keinen Effekt, keine Relevanz. Du hättest genauso gut ruhig sein können. Dein Text hätte auch „Heil Hitler“ lauten können oder irgen ein Zitat von den Beatles oder Ailton. Es war völlig egal was du da gerade getan hast. Eigentlich für alle. ausgenommen jedoch nur einer einzigen Person. Dir selbst. Und du weißt das. Dennoch, für dich bedeutet dein Blick die Welt. Du kannst gar nicht anders. Du stehst hier im Feld und von dort aus nimmst du alles wahr was jetzt für dich existiert. Deine Realität, eine unter so vielen.

Du setzt dich hin und lauschst den Zirpen der Grillen. Das Gras ist etwas feucht. Es riecht gut. Du versuchst mit allen Sinnen das aufzunehmen was dich umgibt. Zumindest eine Weile lang. Doch dir wird langweilig. Heute Nacht kommt hier niemand vorbei. Wahrscheinlich. Du bist dir sogar ziemlich sicher damit. Welcher Grund sollte auch jemanden jetzt hierher verschlagen? Du bist allein. Auch wenn du insgeheim für dich hoffst, dass dies anders wäre. Dass jetzt rechterhand von dir in vielleicht fünfzig Metern Entfernung ein anderer Mensch im Gras säße. Mit dem Selben im Sinn und denn Selben Gefühlen die dich umtreiben . Ein Mensch der außen steht und in dem Bewusstsein darüber von einer zweifelnden Akzeptanz geprägt ist. Eine Person deren Geist alleine sein will aber stets fühlt dass ihr so immer irgendwo etwas fehlt. Ihr wäret ganz still und würdet erst nach einer ganzen Weile von einander Notiz nehmen. Im schummrigen Licht würdet ihr euch anblicken. Vielleicht eine halbe Minute lang. Sehen könntet ihr von einander nur eine dunkle Silhouette, doch ihr wüsstet von einander, dass ihr euch in die Augen blickt. Ohne miteinander zu sprechen, ja auch nur ohne die Gesichtszüge der anderen zu sehen, die Person zu riechen, zu fühlen. Ihr würdet einander verstehen. Euch wieder von einander abwenden und verfahren wie zuvor. Wissend, dass da noch jemand ist. Wissend das ihr zwar immer noch allein seid. Ein jeder bliebe für sich. Nur wärt ihr in dem Gewissen, das ihr nicht mehr die einzigen seid. Es würde euch beruhigen und ihr wäret doch irgendwie verbunden.

Nur ist dem nicht so. du blickst nach rechts, dort stehen ein paar Obstbäume, dahinter ein verläuft eine Stromtrasse. Ein riesiges graues und so vertrautes wie surreales Gerüst, dass sich in seiner nie enden scheinender Monotonie von dem übrigen Formen abhebt und ein merkwürdiges Muster an den Horizont zeichnet. Aber dort ist niemand, du blickst nach links und siehst nur einen verlassenen Weg der sich in etwa hundert Metern Entfernung befindet, dahinter ein weiteres Feld, dahinter ein kleines Wäldchen. Vor dir sind zwar allerhand Menschen, auch wenn du niemanden ausfindig machen kannst. Schließlich findet sich dort vorne die Stadt, aber dort ist nicht das was du suchst. Du drehst dich um. in deinen Rücken liegt die verschlafene Vorstadt aus der du hierher gewandert bist. Du siehst einen Wohnblock, in einigen der Fenster flackert noch das Licht der Fernseher, die den Mittelpunkt der Wohnzimmer in dieser Art der Wohnsiedlung darstellen. Aber draußen auf dem Feld ist nichts.

Es werden erst im Morgengrauen die ersten Menschen die Häuser der Vorstadt verlassen, einige um mit ihren Hunden vor der Arbeit Gassi zu gehen, andere gar sportlich mit Kleidung aus dem Adidas Outlet an der Autobahn. Wandernde Rentner. Das ist nicht die Art Leute auf die du wartest. Sie stellen das Gegenteil von dem dar was du gerade erlebst, sie haben gar die Kraft, den Zauber den dieser einfache Ort gerade ausübt zu Nichte zu machen und es ist gewiss, dass sie dies tun werden. Bevor dies geschieht musst du fliehen.

Du stehst also auf, drehst dich um und läufst schräg über das Feld zurück in den Ort aus dem du gekommen bist.

Sachsenwald


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Harmony of the Seas

Dauerwerbesendung – Dokumentation – über schwimmende Hotelanlagen mit Einkaufszentren mit Entertainment Area. Was ich sehe schreibt mir das Entsetzen ins Gesicht. freiwillig an Fäden aufgehängt, die sich erst nach Monaten, manchmal gar erst einem halben Jahr zaghaft, zumindest für eine Zeit lang lösen. Im Hamsterrad Tourismusindustrie 7 Tage Am Stück. gleichbedeutend mit 14, 21, 28, 35… . Unter Deck und somit unter Tage, im Meer und doch nicht am ertrinken, am Reisen ohne wirklich dort zu sein. Ein verkrampftes Funktionieren, möglichst gut gelaunt wohl gemerkt, im dazwischen. Da zwischen dem Rest eines Ich und der kollektiven Beliebigkeit. Gefangen in der auf Mehrwert gerichteten Maschine in der die Zahnräder längst nicht nur im Maschinenraum zu finden sind, sondern in jedem kleinem Detail dieser Parallelwelt, die der übrigen doch auch nur ihren Spiegel vorhält. Dabei jedoch nichts kaschiert. Nichtmal das kaschieren selbst.

Ich betrachte im Bewegtbild das System nach dem sich diese Leute sich dort abrichten lassen. Urlaub und Erholung für die nächste Runde Duisburg, Birmingham, Chicago, Singapur. Es ist so glasklar. Und damit die Illusion des gelingem aufrecht bleiben kann bleibt wer nicht fragt zwar dumm,aber immerhin ein wenig glücklich und vor allem naiv.
Bordunterhaltung, der seichtesten Sorte. Rutschen, Fressen, Kaufen, Rutschen, Bewegen und zusehen wie Körper sich recken, Singen und Tanzen. Menschen und Talente werden verschwendet für billige Shows, die nichts machen sollen außer Hungrig, Müde und wahrscheinlich auch ein bisschen geil.

So befremdet ich vom dem Anblick dieser Massenabfertigung bin, so sehr hebe ich mich selbst über diese Leute, die doch auch nichts anderes wollen als ein bisschen Flucht aus der Alltagsscheiße. Und es ist so traurig wie war. Die Welt bietet nicht mehr genug Platz damit einjeder Mensch, ein ruhiges kleines Haus zwischen den Dünen, in den Bergen, den Feldern und den Wäldern beziehen kann, wo nur noch die Brandung, die Bergziegen, die Grillen und das Blätterrauschen zu hören sind. Dafür trampeln gerade einfach zu viele Menschen auf diesem kugeligen im nichts umherfliegen Ding rum. Gestapelt und eingepfercht, aber immerhin Meerblick für fast alle. Ein Hauch von Sozialismus im brutalen Gewandt seines Gegenpols. Und auch wenn die schlimmsten Gase diese wandernden Umweltvernichter im Rekordtempo verlassen, so halten sie dennoch den Boden zumindest ein Stück weit frei vom Beton und geben noch etwas Gras eine Chance zu gedeihen. Damit die Postkarten nicht komplett nachretuschiert werden müssen.

ich schaue mir die Werbung an und frage mich ob es besser ist zu Hause zu bleiben und frage mich auch ob dieser Sinn schon bedacht ist, den Leuten besser einzureden zuhause zu bleiben und nicht nur weiter herum zu nerven mit ihrer Biographieoptimiererei. Ich denke, dass sich darüber niemand Gedanken macht, manches passiert einfach. Die Fäden bewegen die Arme dann doch irgendwie von selbst und was an ihnen zieht bleibt so unklar wie gestaltlos, so sehr wie es alles ist und zugleich nichts. Darauf einen Sex on the Beach von der Bionic Bar. Vielleicht ja doch eine Reise wert.

KurzCylig